Einfach erklärt
Fossilkapitalismus beschreibt ein Wirtschaftssystem, das strukturell auf den wachsenden Verbrauch fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas angewiesen ist, um zu wachsen. Der Begriff macht deutlich: Die Klimakrise ist kein Nebeneffekt einzelner schmutziger Technologien, sondern in der Funktionsweise des Kapitalismus selbst angelegt, der stetiges Wachstum braucht und dafür historisch auf fossile Energie gesetzt hat.
Geprägt wurde der Begriff maßgeblich vom schwedischen Humanökologen Andreas Malm. Er zeigt am Beispiel der Dampfmaschine, wie England im 19. Jahrhundert von Wasserkraft auf Kohle umstieg, obwohl Wasserkraft zu dieser Zeit reichlich vorhanden und sogar günstiger war. Der Grund lag nicht in der Technik, sondern in den Machtverhältnissen: Kohle ließ sich leichter kontrollieren, transportieren und für Profit einsetzen als dezentral verfügbare Wasserkraft.
Der Begriff wird heute vor allem in der Klimagerechtigkeitsbewegung genutzt, um zu betonen, dass Klimaschutz auch eine Systemfrage ist.
Ausführlich erklärt
Malm definiert die fossile Ökonomie als „ein Wirtschaftssystem selbsttragenden Wachstums, das auf dem wachsenden Verbrauch fossiler Energieträger beruht und dadurch einen anhaltenden Anstieg der CO2-Emissionen erzeugt“. Zentral ist dabei sein historischer Befund: Kapitaleigner*innen entschieden sich für Kohle, obwohl Wasserkraft zu jener Zeit billiger war, weil Kohle sich leichter privat kontrollieren ließ und nicht auf gemeinschaftliche Koordination angewiesen war, wie sie große Wasserkraftprojekte erforderten.
Diese Analyse hat Folgen für Klimapolitik: Wer die Klimakrise allein als technisches Problem versteht, zum Beispiel fossile einfach durch erneuerbare Energie zu ersetzen, übersieht laut Malm die zugrunde liegenden Eigentums- und Machtverhältnisse. Der Begriff bleibt in der Wissenschaft nicht unumstritten, gilt aber inzwischen als einflussreicher Referenzpunkt in Debatten um Dekarbonisierung und Just Transition.