- Gemeint
- Schicht mit viel Ozon in der Stratosphäre, die UV-Strahlung der Sonne aufnimmt
- Bedroht durch
- FCKW und andere ozonschädigende Stoffe
- Ozonloch
- Entsteht jedes Frühjahr über der Antarktis, seit 1985 beschrieben
- Abkommen
- Montrealer Protokoll von 1987, 198 Vertragsparteien
- Erholung
- Rückkehr auf Werte von 1980 um 2040 (global), 2045 (Arktis), 2066 (Antarktis)
- Stand
- 18. Oktober 2026
Einfach erklärt
Die Ozonschicht ist der Bereich der Stratosphäre, der Luftschicht oberhalb von etwa 10 Kilometern, mit der höchsten Ozonkonzentration, grob zwischen 15 und 35 Kilometern Höhe. Sie nimmt die UV-C-Strahlung der Sonne vollständig und den größten Teil der UV-B-Strahlung auf. UV-B erhöht bei Menschen das Risiko für Hautkrebs und grauen Star, schwächt das Immunsystem und schädigt Pflanzen sowie Ökosysteme im Wasser.
Ein Ozonloch ist kein Loch im wörtlichen Sinn, sondern ein Gebiet, in dem die Ozonmenge in der Luftsäule unter 220 Dobson-Einheiten fällt. Es bildet sich jedes Frühjahr der Südhalbkugel über der Antarktis. Ursache sind von Menschen hergestellte Chlor- und Bromverbindungen, vor allem Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) aus Spraydosen, Kühlgeräten und Schaumstoffen. Das Montrealer Protokoll von 1987 regelt den Ausstieg aus diesen Stoffen, und die Ozonschicht erholt sich seitdem langsam. Einzelne Jahre schwanken stark: 2025 war das Ozonloch klein, 2026 ist es wieder deutlich größer.
Merke
Ozonloch und Treibhauseffekt sind verschiedene Probleme: Beim Ozonloch fehlt ein UV-Filter, beim Treibhauseffekt hält die Atmosphäre Wärme zurück. Bodennahes Ozon im Sommersmog ist ein drittes Thema.
Ausführlich erklärt
Was die Ozonschicht leistet
Etwa 90 Prozent des Ozons liegen laut UNEP in der Stratosphäre, rund 10 Prozent in der Troposphäre, der untersten Luftschicht. Die Schwedische Akademie der Wissenschaften machte die Dünnheit der Schicht 1995 anschaulich: Würde alles Ozon auf den Druck an der Erdoberfläche gepresst, wäre sie nur 3 Millimeter dick. UNEP nennt für den Kern der Schicht 15 bis 35 Kilometer Höhe, das Umweltbundesamt 20 bis 30 Kilometer. Hautkrebs entsteht oft lange nach der UV-Belastung. Deshalb erwartet UNEP die meisten zusätzlichen Fälle durch den Ozonabbau in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts, obwohl die Schicht sich erholt.
Von FCKW zum Ozonloch: 1974 bis 1995
FCKW galten lange als ideale Chemikalien, weil sie stabil und ungiftig waren. Mario Molina und Sherwood Rowland zeigten 1974 in Nature, dass in der Stratosphäre freigesetzte Chloratome Ozon zerstören. Nach UNEP kann ein Chlor- oder Bromatom viele tausend Ozonmoleküle abbauen. Die Berechnungen wurden damals vielfach kritisiert. Die Akademie schrieb 1995, sie hätten das Risiko sogar unterschätzt.
1985 veröffentlichten Farman, Gardiner und Shanklin vom British Antarctic Survey in Nature Messungen mit starkem Ozonverlust über der Antarktis. Er war zeitweise weit größer als erwartet. Entscheidend ist die Kälte: Über der Antarktis bilden sich in der Kälte polare Stratosphärenwolken, an deren Oberflächen sich reaktives Chlor anreichert, und im Frühling baut Sonnenlicht damit Ozon ab. Laut UNEP begann der Abbau schon Anfang der 1960er Jahre, fiel aber erst ab Mitte der 1980er Jahre deutlich unter die 220-Dobson-Einheiten-Schwelle. 1995 erhielten Crutzen, Molina und Rowland den Nobelpreis für Chemie.
Das Montrealer Protokoll: Ausstieg mit Überprüfung
Das Protokoll wurde am 16. September 1987 beschlossen und trat am 1. Januar 1989 in Kraft. Die Präambel nennt Vorsorgemaßnahmen mit dem Endziel, die Stoffe ganz einzustellen, ein Beispiel für das Vorsorgeprinzip. Artikel 6 verlangt, die Maßnahmen ab 1990 mindestens alle vier Jahre anhand von Expertenberichten zu überprüfen. So wurde der Vertrag mehrfach geändert, etwa 1990 in London und 2016 in Kigali. Heute verlangt Artikel 2A für FCKW ab 1996 einen Verbrauch von null. Staaten, die der Vertrag als Entwicklungsländer führt, bekamen nach Artikel 5 bei niedrigem Pro-Kopf-Verbrauch zehn Jahre mehr Zeit sowie einen Finanzmechanismus für den Umstieg.
Am 5. Oktober 2026 zählte UNEP 198 Vertragsparteien, darunter die Europäische Union, die Cookinseln, Niue, der Heilige Stuhl und Palästina. Nach Copernicus wurden seit 1989 rund 99 Prozent der ozonschädigenden Stoffe aus dem Verkehr gezogen.
Kigali-Änderung: wenn der Ersatz das Klima belastet
Ersatzstoffe wie teilfluorierte Kohlenwasserstoffe (HFKW) schädigen die Ozonschicht nicht, sind aber Treibhausgase. Besonders hoch liegt HFKW-23, ein unerwünschtes Nebenprodukt der Kältemittelherstellung: Sein Treibhauspotenzial beträgt laut UNEP 14.700, ein Kilogramm wärmt über 100 Jahre also wie 14.700 Kilogramm CO₂. Die Kigali-Änderung wurde am 15. Oktober 2016 beschlossen. Der weltweite HFKW-Verbrauch soll bis 2047 um 80 bis 85 Prozent sinken, bis 2100 vermeidet das nach dem Bericht von 2022 etwa 0,3 bis 0,5 Grad Erwärmung. 175 Vertragsparteien haben ratifiziert.
Wie schnell sich die Ozonschicht erholt
Der Bericht von WMO und UNEP aus dem Jahr 2022 erwartet die Rückkehr der Ozonmenge auf Werte von 1980 um 2066 in der Antarktis, um 2045 in der Arktis und um 2040 im nahezu globalen Mittel. Außerhalb der Antarktis ist eine Erholung bisher nur begrenzt und mit geringer Sicherheit belegt. Der Kernbericht 2026 soll Ende 2026 erscheinen, bis dahin gelten die Jahreszahlen von 2022.
Ozonloch 2025 und 2026: was einzelne Jahre zeigen
Die NASA misst das Ozonloch als Mittelwert vom 7. September bis 13. Oktober. 2025 lag er bei 18,7 Millionen Quadratkilometern, nach NASA und NOAA das fünftkleinste seit 1992. Das größte Mittel gab es 2006 mit 26,6 Millionen. Copernicus meldete die Schließung 2025 am 1. Dezember, die früheste seit 2019. Eine ausführlichere Einordnung bietet der Blog-Beitrag Das Ozonloch schließt sich früher als erwartet.
2026 verläuft anders. Nach Copernicus waren es am 12. September etwa 25 Millionen Quadratkilometer, rund 5 Millionen über dem Durchschnitt, während die Temperatur in etwa 20 Kilometern Höhe über dem Südpol plötzlich fiel. Andere Kennzahlen wie der Tiefstwert der Ozonsäule blieben nahe am Durchschnitt. Die NASA-Tagesdaten zeigen am 18. September ein Maximum von 27,1 Millionen Quadratkilometern. Das Mittel vom 7. September bis 13. Oktober liegt nach eigener Berechnung bei 24,9, in der NASA-Jahrestabelle seit 1979 wäre das Platz 7.
Ein einzelnes Jahr sagt viel über das Wetter der Stratosphäre und wenig über den Trend, und der Trend zeigt die Wirkung des Verbots.
Kerngedanke
Der Bericht von 2022 hält fest, dass die Antarktis sich trotz großer Schwankungen von Jahr zu Jahr erholt. Ein großes Ozonloch 2026 widerlegt die Erholung deshalb nicht, ein kleines 2025 beweist sie allein ebenso wenig.
Ozonloch und Treibhauseffekt
Nach UNEP ist der Ozonabbau nicht die Hauptursache der Erderhitzung. Die Probleme hängen aber zusammen, weil FCKW und ihre Ersatzstoffe zugleich Treibhausgase sind. Der Bericht von 2022 schätzt, dass das Protokoll bis Mitte des Jahrhunderts etwa 0,5 bis 1 Grad zusätzliche Erwärmung vermeidet, verglichen mit einem Extremszenario. Mehr dazu in den Einträgen Treibhauseffekt und Treibhausgase. Das Einbringen von Aerosolen in die Stratosphäre, das als Klimaeingriff diskutiert wird (Geoengineering), könnte laut Bericht von 2022 das Antarktis-Ozonloch vertiefen und die Erholung verzögern.
Abgrenzung: bodennahes Ozon
In Bodennähe entsteht Ozon bei starker Sonneneinstrahlung aus Stickstoffoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen. Das Bundesumweltministerium nennt es die Leitsubstanz des Sommersmogs. Es reizt Augen, Atemwege und Schleimhäute und schädigt Pflanzen. Die Informationsschwelle liegt bei 180, die Alarmschwelle bei 240 Mikrogramm pro Kubikmeter. Mit dem Ozonloch hat das nichts zu tun: Ozon in Bodennähe ersetzt die Schicht in der Stratosphäre nicht.
Was das Montrealer Protokoll lehrt
2018 meldeten Forschende um Stephen Montzka, dass die FCKW-11-Konzentration langsamer sank als erwartet. Die Emissionen stiegen demnach um etwa 25 Prozent, obwohl die gemeldete Produktion nahe null lag: Es gab wohl neue, nicht gemeldete Produktion. Eine Studie von 2021 fand, dass die Emissionen aus Ostchina, auf die ein großer Teil des Anstiegs zurückging, 2019 wieder auf das Niveau vor 2013 gesunken waren. Der Verstoß wurde also durch Messungen entdeckt und danach eingedämmt.
Einordnung
Die Ozonschicht ist ein Lehrstück, aber keine Blaupause für den Klimaschutz. Für FCKW gab es technische Ersatzstoffe, und die Verbote richteten sich an Hersteller und Staaten, nicht an einzelne Kaufentscheidungen. CO₂ entsteht dagegen in Energie, Verkehr, Landwirtschaft und Industrie zugleich. Diese Einschätzung ist keine Aussage der genannten Quellen. Zur Verantwortung von Ländern mit hohen Emissionen siehe Klimagerechtigkeit.
Quellen: UNEP: Twenty Questions (Update 2022) / Nobelpreis Chemie 1995: Pressemitteilung / Molina und Rowland 1974 / Farman et al. 1985 / Protokoll: Präambel / Artikel 2A / Artikel 5 / Artikel 6 / Artikel 16 / UNEP: Ozone Timeline / UNEP: Ratifizierungsstand 5.10.2026 / UNEP: Kigali Overview / WMO/UNEP: Assessment 2022 / NOAA CSL: Assessment 2026 / NASA/NOAA 24.11.2025 / NASA: Jahrestabelle / NASA: Tagesdaten 2026 / Copernicus 11.12.2025 / CAMS 16.9.2026 / Montzka et al. 2018 / Park et al. 2021 / BMUKN: Sommersmog / UBA: Ozon
Hinweis zur Quellenlage: Stand 18. Oktober 2026. Die Werte für 2026 sind Zwischenstände, das NASA-Mittel 2026 ist eine eigene Berechnung aus den Tagesdaten. Der WMO/UNEP-Bericht 2026 ist noch nicht erschienen.
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