Intersektionalität

Das Ozonloch schließt sich früher als erwartet, und das ist kein Zufall

Ozonloch 2025 klein, 2026 wieder groß: was das Montrealer Protokoll geleistet hat, was einzelne Jahre zeigen und was bis 2066 offen bleibt.

10 Min. Lesezeit12. April 2026
Ringförmiger Halo um die Sonne vor blauem Himmel mit dünnen Wolken
Das Wichtigste in Kürze
  • Das Ozonloch schloss sich 2025 früh, 2026 ist es wieder groß. Einzelne Jahre schwanken mit dem Wetter.
  • Eine Nature-Studie von 2025 belegt den Beginn der Erholung und führt sie auf den Rückgang der ozonschädigenden Stoffe zurück.
  • Nach dem WMO/UNEP-Bericht von 2022 erreicht die Ozonsäule über der Antarktis die Werte von 1980 erst um 2066.

Am 1. Dezember 2025 schloss sich das Loch in der Ozonschicht über der Antarktis, so früh wie seit 2019 nicht mehr.[1] Im September 2026 ist es dagegen wieder groß: Nach den NASA-Daten gehört die Saison 2026 bisher zu den zehn größten seit Beginn der Satellitenmessungen.[2] Beides passt zusammen. Dieser Artikel ordnet ein, was einzelne Jahre aussagen, was der Langzeittrend belegt und was bis zur Erholung offen bleibt. Bei jeder Zahl steht, wer sie liefert.

Was 2025 gemessen wurde

Je nach Quelle fällt die Einordnung des Jahres 2025 unterschiedlich aus. NASA und NOAA sehen das Loch als fünftkleinstes seit 1992. Im Mittel von 7. September bis 13. Oktober war es 18,71 Millionen km² groß, rund 30 Prozent kleiner als das größte je beobachtete Loch von 2006 mit 26,6 Millionen km².[3]

Einordnung

Die Rangfolge hängt vom Vergleichszeitraum ab: Seit Beginn der Satellitenmessungen 1979 liegt 2025 nur auf Rang 14 der kleinsten von 46 Jahren.

Das WMO-Ozonbulletin vom September 2026 sieht 2025 auf Rang vier bis fünf der schwächsten seit 1992. Die größte fehlende Ozonmasse lag bei 36,7 Millionen Tonnen, mehr als 25 Prozent unter dem Mittel von 1990 bis 2010.[4] Copernicus (CAMS) nutzt einen eigenen Datensatz und setzt andere Schwerpunkte: Das Loch war das schwächste und kürzeste seit fünf Jahren, die Schließung am 1. Dezember die früheste seit 2019.[1]

Auch bei der Fläche weichen die Werte ab, je nach Datensatz. Copernicus nennt als Maximum 21,08 Millionen km² Anfang September, NASA für den größten Tag 2025 (9. September) 22,86 Millionen km².[1][3] Die 26,1 Millionen km², mit denen Copernicus vergleicht, stammen aus dem Jahr 2023 und sind kein Rekord: Den hält laut Copernicus der 9. September 2006 mit 29,6 Millionen km².[5]

Was die Größe bestimmte, war nicht nur Chemie. Ein schwächerer Polarwirbel, also das Windband, das im Winter die Antarktis umströmt, hielt im August 2025 die Temperaturen über dem Mittel. Das trug nach Einschätzung einer NOAA-Meteorologin wahrscheinlich zu einem kleineren Loch bei.[3] Einzelne Jahre schwanken also mit dem Wetter. Der Langzeittrend ist dagegen kein Zufall, das zeigt die Studie weiter unten.

Was 2026 zeigt

Die Saison 2026 verläuft anders. Ende August hatte das Loch mit 15 Millionen km² die Fläche der Antarktis (14,2 Millionen km²) überschritten, ähnlich wie 2025. Danach wuchs es auf geschätzt 25 Millionen km² am 12. September, etwa 5 Millionen km² über dem Mittel dieser Zeit.[5] Nach den NASA-Tagesdaten (Stand 8. Oktober 2026) lag das Tagesmaximum bei 27,0 Millionen km² am 18. September. Im Mittel von 7. September bis 8. Oktober waren es 25,0 Millionen km², Rang 8 unter den 47 Jahren mit Daten seit 1979 für dasselbe Zeitfenster. Das ist eine eigene Auswertung der NASA-Daten und ein Zwischenstand, die Saison läuft noch.[2]

Auffällig ist der Unterschied zwischen Fläche und Tiefe. Der tiefste Ozonwert im Loch und die Menge des fehlenden Ozons blieben laut Copernicus nahe dem Mittel. Die schnelle Ausdehnung fiel zusammen mit einem plötzlichen Temperaturabfall in etwa 20 Kilometern Höhe über dem Südpol.[5]

Forschende der Universität Otago und von Earth Sciences New Zealand erklären das große Loch mit einem starken, kalten Polarwirbel und hatten es schon im Mai vorhergesagt. Sie betonen zugleich, dass die ozonschädigenden Stoffe in der Stratosphäre, der Luftschicht ab etwa 10 bis 15 Kilometern Höhe, seit dem Höhepunkt um das Jahr 2000 um etwa ein Drittel gesunken sind.[6] Das Loch liegt über der Antarktis, wirkt aber auf das Wetter der Südhalbkugel, etwa in Neuseeland und Australien.[6]

Wie das Montrealer Protokoll wirkte

Die Ozonschicht liegt in etwa 15 bis 35 Kilometern Höhe und hält einen Großteil der schädlichen UV-Strahlung ab.[7][5] Entdeckt wurde das Ozonloch 1985. Die weltweiten Emissionen ozonschädigender Stoffe erreichten 1987 ihren Höhepunkt, in dem Jahr, in dem das Montrealer Protokoll beschlossen wurde (16. September 1987).[7][8] Seit Januar 1989 ist es in Kraft, und nach Angaben von Copernicus sind seither 99 Prozent der ozonschädigenden Stoffe ausgelaufen.[1] Der Gehalt an Chlor und Brom in der Stratosphäre erreichte Ende der 1990er-Jahre seinen Höchststand und sinkt seitdem langsam.[7]

Ohne das Protokoll wäre die schädliche UV-B-Strahlung am Boden nach Modellrechnungen bis zur Mitte des Jahrhunderts etwa auf das Doppelte gestiegen, mit mehr Hautkrebs und Grauem Star.[7] Auch fürs Klima zählt es: Der Rückgang dieser Emissionen vermeidet nach dem WMO/UNEP-Bericht von 2022 bis zur Jahrhundertmitte etwa 0,5 bis 1 Grad Erwärmung gegenüber einem Szenario mit ungebremst wachsenden Emissionen.[9]

Eine Studie in Nature vom 5. März 2025 belegt die Wirkung erstmals mit statistischen Methoden aus der Klimaforschung. Das Team um Peidong Wang und Susan Solomon (MIT) verglich Satellitendaten seit 2005 mit Modellrechnungen und fand ein Erholungsmuster nach Monat und Höhe, das zum Rückgang der ozonschädigenden Stoffe passt.[10] Solomon fasst zusammen: Mit 95 Prozent Sicherheit erholt sich das Loch. Die Studie führt das vor allem auf den Rückgang der Stoffe zurück, nicht auf Wetter oder zusätzliche Treibhausgase in der Stratosphäre.[11] Die Reichweite ist begrenzt: Sie zeigt den Beginn der Erholung, nicht ihren Abschluss.[10]

Wer den Ausstieg trug

Das Protokoll gilt für Industrie- und Entwicklungsländer mit unterschiedlichen Fristen.[12] Es hat 198 Vertragsparteien, und die WMO zählt es zu den seltenen Abkommen mit universeller Ratifizierung.[13][8] Der Multilaterale Fonds hat nach eigenen Angaben 4,3 Milliarden US-Dollar an Zuschüssen für 10.198 Projekte in 144 Ländern bereitgestellt, die das Protokoll Entwicklungsländer nennt.[14] Dahinter steht ein Prinzip, das auch die Debatte um Klimagerechtigkeit prägt: Wer mehr Mittel hat, geht voran, andere bekommen Zeit und Unterstützung.

198Vertragsparteien hat das Montrealer Protokoll
4,3 Milliarden US-Dollaran Zuschüssen nennt der Multilaterale Fonds nach eigenen Angaben
10.198Projekte in 144 Ländern, die das Protokoll Entwicklungsländer nennt, laut dem Fonds

Mit der Kigali-Änderung von 2016 kam eine zweite Aufgabe dazu. Sie beschränkt teilfluorierte Kohlenwasserstoffe (HFKW), die die Ozonschicht nicht schädigen, aber starke Treibhausgase sind. Industrieländer begannen 2019 mit der Reduktion, bis 2047 soll der HFKW-Verbrauch weltweit um 80 bis 85 Prozent sinken.[12] Laut WMO/UNEP vermeidet das bis 2100 etwa 0,3 bis 0,5 Grad Erwärmung, ohne die Emissionen von HFC-23, einem weiteren HFKW, zu rechnen.[9] Bis zum 5. Oktober 2026 sind 175 Vertragsparteien der Kigali-Änderung beigetreten.[13]

Was noch offen ist

Die Erholung dauert. Nach dem WMO/UNEP-Bericht von 2022 erreicht die Ozonsäule die Werte von 1980 um 2066 über der Antarktis, um 2045 über der Arktis und um 2040 im nahezu globalen Mittel (60° Nord bis 60° Süd). Außerhalb der Antarktis ist die Erholung seit 1996 bisher nur schwach belegt.[9] Ein neuer Bericht ist für Ende 2026 angekündigt und wird die Zahlen aktualisieren.[15]

Rückschläge gab es auch. 2018 zeigte ein Team um Stephen Montzka von der NOAA, dass die Emissionen des FCKW-11 (englisch CFC-11) seit 2012 um etwa 25 Prozent gestiegen waren, obwohl die gemeldete Produktion nahe null lag.[16] Ein großer Teil des Anstiegs ließ sich Ostchina zuordnen. Die Umweltorganisation EIA hatte dort bei 18 Firmen in 10 Provinzen die illegale Verwendung als Schaumtreibmittel dokumentiert.[17][18] Eine Folgestudie fand die Emissionen 2019 wieder auf dem Niveau vor 2013. Eine erhebliche Verzögerung der Erholung scheint damit vermieden.[17]

Die WMO nennt weitere Sorgen: unerklärte Emissionen anderer ozonschädigender Stoffe, steigendes Lachgas, außergewöhnliche Waldbrände und Vulkanausbrüche, mehr Raketenstarts und Überschallflugzeuge.[9] Rauch aus Waldbränden kann die Chemie der Ozonzerstörung verstärken: Der Rauch der australischen Brände von 2019/20 vergrößerte das Loch 2020, erklärt aber nicht dessen Rekorddauer.[19] Die Wirkung des Ausbruchs des Hunga Tonga 2022 ließ die WMO ausdrücklich offen. Auch Geoengineering durch Partikel in der Stratosphäre könnte das Loch über der Antarktis vertiefen und die Erholung verzögern, wobei die WMO viele Wissenslücken sieht.[9]

Was du tun kannst

Aus alldem folgt weniger ein Grund zur Entwarnung als ein Auftrag: Regeln müssen durchgesetzt und überwacht werden. Dafür gibt es drei Ansatzpunkte.

Durchsetzung unterstützen. Die Environmental Investigation Agency (EIA) ist eine Umweltorganisation, die nach eigenen Angaben seit fast 30 Jahren den illegalen Handel mit ozonschädigenden Stoffen und HFKW untersucht und auf Zoll und Gesetzgebung einwirkt. Dieser Handel begann laut EIA schon Mitte der 1990er-Jahre, als die USA und die EU FCKW verboten.[20] Berichte und Unterstützungsmöglichkeiten findest du auf der EIA-Seite zum illegalen Handel mit Kältemitteln.

Sonnenschutz beibehalten. Das WMO-Bulletin zählt UV-Strahlung weiterhin zu den Gesundheitsrisiken, unabhängig davon, ob das Loch in einem Jahr größer oder kleiner ausfällt.[4]

Zahlen einordnen. Meldungen zu einzelnen Jahren lassen sich besser einschätzen, wenn du nach Datensatz und Vergleichszeitraum fragst. Aus den Zahlen oben sieht man: Dasselbe Loch kann je nach Zeitraum auf Rang 5 oder Rang 14 liegen.

Was daraus folgt

Verbindliche, wissenschaftlich begründete Regeln, die fast alle Staaten mittragen, verändern messbar die Atmosphäre.

Kerngedanke

Das Montrealer Protokoll ist keine Garantie, aber ein belegtes Beispiel. Anders als bei vielen Klimafragen lag die Last hier nicht bei einzelnen Kaufentscheidungen, sondern bei Verboten, die Staaten und Unternehmen umsetzen mussten.

Das kleine Loch 2025 und das große 2026 zeigen, dass der Weg nicht gerade verläuft. Entscheidend ist, ob die Verbote durchgesetzt und auf neue Stoffe ausgeweitet werden und ob der Bericht von 2026 die Erholungstermine bestätigt.

Quellen

[1] Copernicus Atmosphere Monitoring Service (11.12.2025): Antarctic ozone hole closes early, indicating signs of recovery. copernicus.eu

[2] NASA Ozone Watch: Jahrestabelle der Ozonloch-Fläche und Tagesdaten 2026 (Stand 8.10.2026), Vergleichsfenster 7.9. bis 8.10. eigene Auswertung. ozonewatch.gsfc.nasa.gov

[3] NASA und NOAA (24.11.2025): NASA, NOAA Rank 2025 Ozone Hole as 5th Smallest Since 1992. science.nasa.gov

[4] WMO (16.09.2026): Ozone and UV Bulletin No. 4. wmo.int

[5] Copernicus Atmosphere Monitoring Service (16.09.2026): Ozone hole reaches notable threshold early again as area increases above average in 2026. atmosphere.copernicus.eu

[6] Kessenich, H. E., Seppälä, A. und Smale, D. (2026): September’s ozone hole was the biggest in 20 years. The warning signs appeared months ago. The Conversation. theconversation.com

[7] Salawitch, R. J. et al. (2023): Twenty Questions and Answers About the Ozone Layer, 2022 Update. WMO. ozone.unep.org

[8] WMO (12.12.2025): Small and short-lived 2025 ozone hole confirms long-term recovery trend. wmo.int

[9] WMO (2022): Scientific Assessment of Ozone Depletion: 2022, Executive Summary (GAW Report No. 278). csl.noaa.gov

[10] Wang, P. et al. (2025): Fingerprinting the recovery of Antarctic ozone. Nature 639, S. 646 bis 651. doi.org

[11] MIT News (05.03.2025): Study: The ozone hole is healing, thanks to global reduction of CFCs. news.mit.edu

[12] UNEP-Ozonsekretariat (25.02.2026): The Kigali Amendment, an overview. ozone.unep.org

[13] UNEP-Ozonsekretariat: Status of Ratification (Stand 05.10.2026). ozone.unep.org

[14] Multilateral Fund for the Implementation of the Montreal Protocol: Startseite mit Eigenangaben (abgerufen im Oktober 2026). multilateralfund.org

[15] NOAA CSL: Scientific Assessment of Ozone Depletion: 2026, Projektseite (Bericht für Ende 2026 angekündigt). csl.noaa.gov

[16] Montzka, S. A. et al. (2018): An unexpected and persistent increase in global emissions of ozone-depleting CFC-11. Nature 557, S. 413 bis 417. doi.org

[17] Park, S. et al. (2021): A decline in emissions of CFC-11 and related chemicals from eastern China. Nature 590, S. 433 bis 437. doi.org

[18] Environmental Investigation Agency (2018): Blowing It, CFC-11 illegal production and use in China. eia-international.org

[19] Solomon, S. et al. (2023): Chlorine activation and enhanced ozone depletion induced by wildfire aerosol. Nature 615, S. 259 bis 264. doi.org

[20] Environmental Investigation Agency: Illegal trade in refrigerants (abgerufen im Oktober 2026). eia-international.org

Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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