- Bedeutung
- Durchschnittliche Höhe der Meeresoberfläche, gemessen über Pegel an Küsten und per Satellit
- Anstieg seit 1901
- Global 0,20 m (Spanne 0,15 bis 0,25 m, bis 2018)
- Aktuelle Rate
- 3,7 mm pro Jahr (2006 bis 2018, IPCC AR6)
- Hauptursachen
- Ausdehnung des wärmeren Wassers, Abschmelzen von Gletschern und Eisschilden
- Zeithorizont
- Der Anstieg setzt sich über Jahrhunderte fort, auch nach einem Ende der Emissionen
Einfach erklärt
Der Meeresspiegel ist die durchschnittliche Höhe der Meeresoberfläche, und er steigt. Zwischen 1901 und 2018 hat sich der globale mittlere Meeresspiegel um 0,20 Meter erhöht, mit zunehmendem Tempo. Zwei Dinge treiben den Anstieg an: Wasser dehnt sich aus, wenn es wärmer wird, und Eis von Land fließt als Schmelzwasser ins Meer. Beides hängt direkt mit der Klimakrise zusammen.
Zwanzig Zentimeter klingen wenig, doch der Effekt liegt bei den Extremen. Wenn der Grundpegel höher liegt, erreichen Sturmfluten höhere Wasserstände und Küsten werden häufiger überflutet. Zudem betrifft der Anstieg nicht alle gleich: Wer auf einem flachen Atoll oder in einem Flussdelta lebt, hat kaum Spielraum, und wer wenig Geld hat, kann sich Schutzbauten schlechter leisten. Die Folgen treffen oft jene zuerst, die am wenigsten zur Erwärmung beigetragen haben.
Merke
Entscheidend ist nicht nur, wie hoch das Meer in Zukunft steht, sondern wie schnell es steigt. Je langsamer der Anstieg, desto mehr Zeit bleibt für Schutz und Anpassung.
Ausführlich erklärt
Was gemessen wird und wie
Der Meeresspiegel ist nirgends eine glatte Fläche. Wind, Strömungen, Luftdruck und Gezeiten heben und senken das Wasser lokal. Deshalb arbeitet die Forschung mit dem globalen Mittel, also dem Durchschnitt über alle Ozeane. Vor 1992 stammen die Daten vor allem von Pegeln an Küsten, seitdem kommen Satellitenmessungen hinzu, die fast die gesamte Meeresfläche erfassen.
Der Weltklimarat IPCC kommt in seinem Sechsten Sachstandsbericht (2021) zu diesem Bild: Der globale mittlere Meeresspiegel stieg zwischen 1901 und 2018 um 0,20 Meter. Die durchschnittliche Rate betrug zwischen 1901 und 1971 etwa 1,3 Millimeter pro Jahr, zwischen 1971 und 2006 etwa 1,9 Millimeter und zwischen 2006 und 2018 etwa 3,7 Millimeter pro Jahr. Das ist fast das Dreifache der frühen Rate. Zudem ist der Meeresspiegel seit 1900 schneller gestiegen als in jedem Jahrhundert der vergangenen mindestens 3.000 Jahre. Hauptantrieb seit mindestens 1971 war laut IPCC sehr wahrscheinlich der Mensch.
Eine Auswertung der Satellitendaten (Hamlington et al., 2024) zeigt die Beschleunigung noch deutlicher: Seit 1993 bis Ende 2023 stieg der Meeresspiegel um 111 Millimeter, und die jährliche Rate wuchs von etwa 2,1 Millimeter 1993 auf etwa 4,5 Millimeter 2023. Das ist mehr als eine Verdopplung in drei Jahrzehnten.
Warum das Meer steigt
Der IPCC schlüsselt die Ursachen auf. Von 1971 bis 2018 erklärte die thermische Ausdehnung 50 Prozent des Anstiegs. Gletscher trugen 22 Prozent bei, die Eisschilde 20 Prozent und Veränderungen der Wasserspeicherung an Land 8 Prozent. Die Rolle des Eises wächst: Die Rate des Verlusts der Eisschilde stieg zwischen 1992 bis 1999 und 2010 bis 2019 um den Faktor vier. Zwischen 2006 und 2018 waren Eisschilde und Gletscher zusammen die größten Beiträge.
Hinter dem Wärmeanteil steht der Treibhauseffekt: Der Ozean nimmt den größten Teil der zusätzlichen Wärme auf. Wie Eisschilde auf weitere Erwärmung reagieren, ist die größte Unsicherheit der Prognosen. Mögliche Schwellen werden unter Kipp-Punkte behandelt.
Was bis 2100 und danach erwartet wird
Der IPCC gibt Spannen für 2100 im Vergleich zum Zeitraum 1995 bis 2014 an, je nach Emissionspfad:
- Sehr niedrige Emissionen (SSP1-1.9): 0,28 bis 0,55 Meter.
- Niedrige Emissionen (SSP1-2.6): 0,32 bis 0,62 Meter.
- Mittlere Emissionen (SSP2-4.5): 0,44 bis 0,76 Meter.
- Sehr hohe Emissionen (SSP5-8.5): 0,63 bis 1,01 Meter.
Das sind die wahrscheinlichen Spannen. Wegen der Unsicherheit bei den Eisschilden kann ein Anstieg über diesen Bereich nicht ausgeschlossen werden: bis nahe 2 Meter bis 2100 und 5 Meter bis 2150 im Szenario mit sehr hohen Emissionen, allerdings mit geringer Sicherheit der Einschätzung.
Auch danach hört der Anstieg nicht auf. Der IPCC erwartet über die nächsten 2.000 Jahre etwa 2 bis 3 Meter, wenn die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt wird, 2 bis 6 Meter bei 2 Grad und 19 bis 22 Meter bei 5 Grad (geringe Sicherheit). Der Meeresspiegel ist also eine träge Größe: Was heute an Wärme im Ozean steckt und an Eis verloren geht, wirkt über Jahrhunderte nach. Wie viel Treibhausgas noch freigesetzt werden darf, behandelt das CO2-Budget, die politischen Ziele das Paris-Abkommen.
Warum Küsten nicht gleich betroffen sind
Der globale Wert ist ein Mittel. An der Küste zählt der relative Meeresspiegel, also das Verhältnis von Wasser und Land. Der IPCC-Sonderbericht zu Ozean und Eis (2019) nennt lokale Absenkung des Bodens, etwa durch natürliche Prozesse und menschliche Eingriffe, als wichtigen Faktor. Rund zwei Drittel der weltweiten Küstenlinie liegen laut AR6 bei einem Anstieg innerhalb von 20 Prozent des globalen Mittels.
Entscheidend sind die Extreme. Laut AR6 sollen Meeresspiegelereignisse, die in der jüngeren Vergangenheit nur einmal pro Jahrhundert auftraten, bis 2100 an mehr als der Hälfte der Pegelstationen mindestens einmal jährlich vorkommen. Laut Sonderbericht gilt das für viele tiefliegende Megastädte und kleine Inseln sogar schon bis 2050.
Betroffen sind viele Menschen: In der tiefliegenden Küstenzone lebten laut Sonderbericht rund 680 Millionen Menschen (fast 10 Prozent der Weltbevölkerung von 2010), bis 2050 sollen es mehr als eine Milliarde werden. In kleinen Inselentwicklungsstaaten leben 65 Millionen. Einige Inselstaaten könnten laut IPCC unbewohnbar werden (mittlere Sicherheit), wobei die Schwelle der Bewohnbarkeit schwer zu bestimmen ist. Die Kosten für Küstenschutz können für manche kleinen Inselstaaten mehrere Prozent der Wirtschaftsleistung pro Jahr betragen. Das macht den Meeresspiegel zu einer Frage von Klimagerechtigkeit, und für Schäden, die sich nicht mehr verhindern lassen, steht der Begriff Loss and Damage.
Der Meeresspiegel steigt langsam, aber die Folgen kommen in Stößen: als Sturmflut, die höher aufläuft als früher.
Kerngedanke
Küstenschutz in Deutschland
Küstenschutz an Nord- und Ostsee ist Aufgabe der Küstenländer. Zwei Beispiele zeigen, wie der Anstieg eingeplant wird.
- Schleswig-Holstein: Der aktuelle Generalplan Küstenschutz berücksichtigt den beschleunigten Anstieg. Zu verstärkende Landesschutzdeiche erhalten laut Umweltbundesamt einen Klimazuschlag und eine Baureserve und werden etwa einen halben Meter höher gebaut als aus heutiger Sicht nötig. Damit ist ein Anstieg von 1,0 Meter berücksichtigt, in zwei Bauphasen können bis zu 2,0 Meter ausgeglichen werden. Die Landesschutzdeiche sind 433 Kilometer lang, zuletzt hatten 81,7 Prozent kein Sicherheitsdefizit.
- Hamburg: Die Hauptdeichlinie wurde seit der Sturmflut 1962 im Mittel um rund 2,50 Meter erhöht. Der Bemessungswasserstand berücksichtigt laut Stadt den Anstieg bis 2050, und bei den bisherigen Klimaprognosen sind weitere Erhöhungen nötig.
Wie real der Druck an der Ostsee ist, zeigte die Sturmflut vom 20. Oktober 2023. In Flensburg stieg das Wasser bis 2,27 Meter über den mittleren Wasserstand, so hoch wie dort seit 1872 nicht mehr (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie). Eine einzelne Sturmflut belegt keinen Trend.
Was die Zahlen nicht sagen
Die Spannen des IPCC sind keine Vorhersage eines einzelnen Wertes, sondern hängen vom Emissionspfad ab. Der Unterschied zwischen sehr niedrigen und sehr hohen Emissionen beträgt bis 2100 knapp 0,5 Meter bei der Obergrenze der wahrscheinlichen Spannen. Zudem gelten globale Werte nicht überall: Ein Ort mit sinkendem Boden erlebt mehr Anstieg, einer mit sich hebendem Land weniger. Der IPCC nennt neben Deichen auch angepasstes Bauen, naturbasierte Lösungen und, wenn nötig, geplante Umsiedlung, die sozial und kulturell schwierig ist.
Was du tun kannst
- Frage bei Wohnort, Kauf oder Planung nach dem Hochwasser- und Sturmflutrisiko, etwa bei der Gemeinde oder dem zuständigen Landesamt.
- Unterstütze Klimaanpassung vor Ort, zum Beispiel Rückhalteflächen, Salzwiesen oder Deichprojekte, in Stadtrat und Gemeinde.
- Trage dazu bei, dass Emissionen sinken: Jeder Pfad mit weniger Emissionen senkt die Spannen für 2100 und danach.
Quellen: IPCC (2021): AR6 Working Group I, Summary for Policymakers, Abschnitte A.1.7, A.2.4, A.4.3, B.5.3, B.5.4, C.2.5 (gelesen, abgerufen 15.10.2026) / IPCC (2019): Special Report on the Ocean and Cryosphere in a Changing Climate, Summary for Policymakers, Abschnitte A.3, B.3, B.9, C.3 (gelesen, abgerufen 15.10.2026) / Hamlington, B. D. et al. (2024): The rate of global sea level rise doubled during the past three decades. Communications Earth & Environment 5, 601 / Umweltbundesamt: Anpassung auf Länderebene, Schleswig-Holstein (Generalplan Küstenschutz) / Umweltbundesamt: Monitoringbericht, Indikator Landesschutzdeiche Schleswig-Holstein (Seite aktualisiert 28.11.2023) / Freie und Hansestadt Hamburg: Hochwasserschutz in Hamburg heute / Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (27.10.2023): Sturmflut an der Ostsee, höchster Wasserstand in Flensburg seit 150 Jahren
Wie ungleich die Folgen der Klimakrise weltweit verteilt sind: Wessen Planet brennt? Wie extreme Vermögensungleichheit die Klimakrise antreibt.
Das könnte dich auch interessieren
- Klimawandel: die übergeordnete Ursache des Meeresspiegelanstiegs
- Klimaerwärmung: der Temperaturanstieg, der Eisschilde zum Schmelzen bringt
- Kipp-Punkte: ab wann das Abschmelzen kaum noch umkehrbar wird
- Klimagerechtigkeit: warum ausgerechnet die am wenigsten verantwortlichen Länder am stärksten betroffen sind
- Klimaresilienz: wie sich Küsten und Gesellschaften auf Folgen vorbereiten
- Loss and Damage: der Umgang mit Schäden, die sich nicht mehr verhindern lassen
- Treibhauseffekt: der physikalische Mechanismus hinter der Erwärmung der Meere