Klimafluchtursachen


Kompakt erklärt

Klimafluchtursachen sind ökologische Faktoren, die Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen: steigende Meeresspiegel, extreme Dürren, Überschwemmungen, der Verlust von Ackerland oder der Zusammenbruch von Fischgründen. Diese Veränderungen sind nicht zufällig. Sie treffen vor allem Regionen, die wenig zu den globalen Treibhausgasemissionen beigetragen haben, aber die stärksten Folgen spüren. Kleine Inselstaaten im Pazifik wie Tuvalu oder Kiribati drohen buchstäblich zu versinken. In der Sahelzone macht die Ausbreitung der Wüste Landwirtschaft unmöglich.

Wenn Menschen aufgrund von Klimafolgen fliehen müssen, spricht man von Klimamigration oder Klimaflucht. Beide Begriffe sind politisch umstritten, weil das internationale Flüchtlingsrecht keinen spezifischen Schutz für klimabedingte Vertreibung vorsieht. Menschen, die vor dem Klimawandel fliehen, fallen rechtlich meist in eine Lücke.


Für Neugierige

Die Forschung unterscheidet zwischen direkter Klimaflucht (akutes Ereignis wie Hurrikan oder Überschwemmung) und indirekter Klimaflucht (schleichende Prozesse wie Desertifikation oder Versalzung von Böden). Der IPCC geht in seinem sechsten Sachstandsbericht (AR6) davon aus, dass bis 2050 Hunderte Millionen Menschen durch Klimafolgen in ihrer Lebensgrundlage bedroht sein könnten. Die Weltbank schätzt bis zu 216 Millionen Binnenmigrant*innen allein durch Klimafolgen bis 2050.

Das Konzept der Klimagerechtigkeit macht deutlich: Die Hauptverursacher der Klimakrise sitzen im Globalen Norden. Jene Weltregionen, die historisch wenig emittiert haben, zahlen den höchsten menschlichen Preis. Der Begriff Klimaflucht ist kein bloßes Zukunftsszenario, sondern Gegenwart. Und solange internationale Abkommen diesen Schutzstatus nicht regeln, bleibt die Frage, wer Verantwortung trägt, politisch unbeantwortet.

Quellen: IPCC AR6, Impacts, Adaptation and Vulnerability (2022); Weltbank, Groundswell Report (2021); UNHCR, Climate Change and Disaster Displacement.


Verwandte Begriffe: Klimagerechtigkeit · Klimamigration · Loss and Damage · Klimawandel · Globaler Süden