Kompakt erklärt
Klima-Apartheid bezeichnet das Szenario – und die bereits spürbare Realität –, in der wohlhabende Menschen und Staaten sich mit Geld vor den schlimmsten Folgen des Klimawandels schützen können, während arme und marginalisierte Bevölkerungsgruppen schutzlos den Konsequenzen ausgesetzt sind. Der Begriff wurde 2019 vom UN-Sonderberichterstatter Philip Alston geprägt und bewusst in Anlehnung an das südafrikanische Apartheid-System gewählt: „Apartheid“ meint hier die systematische, durch wirtschaftliche Macht erzwungene Trennung zwischen denjenigen, die geschützt werden, und denen, die es nicht sind.
Ein konkretes Beispiel: Wohlhabende Viertel in Risikogebieten erhalten Deiche, klimatisierte Notunterkünfte und Evakuierungspläne. Ärmeren Gemeinschaften – oft im sogenannten Globalen Süden (Länder, die überproportional von Klimafolgen betroffen sind, historisch aber am wenigsten zu CO₂ (Kohlendioxid)-Emissionen beigetragen haben) – fehlt dafür grundlegende Infrastruktur. Klima-Apartheid ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Systemen, die ungleiche Ressourcen ungleich schützen.
Für Neugierige
Alston wählte den Begriff in bewusster Anlehnung an das südafrikanische Apartheid-System – als Anerkennung, dass strukturelle Trennung nach Macht und Ressourcen keine historische Ausnahme, sondern ein laufendes Muster ist.
Alston warnte in seinem UN-Bericht (A/HRC/41/39, 2019), dass der Klimawandel bis 2030 über 120 Millionen Menschen in extreme Armut treiben könnte (World Bank, Groundswell 2021) – und dass demokratische Institutionen unter dem Druck eskalierender Klimakatastrophen erodieren könnten. Das Risiko: Technokratische Lösungen wie Carbon Capture für Wohlhabende und verschärfte Grenzkontrolle für Klimaflüchtlinge ersetzen echte politische Teilhabe.
Klima-Apartheid ist ein Begriff aktivistischen Ursprungs, wird aber von Wissenschaftler:innen zunehmend anerkannt, weil er strukturelle Ursachen benennt. Klimagerechtigkeit-Bewegungen haben ihn aufgegriffen, weil er die Verbindung von Rassismus, Klassismus und Klimapolitik sichtbar macht. Der IPCC-Bericht AR6 (2022) bestätigt: Klimafolgen treffen bereits jetzt überproportional Bevölkerungen, die am wenigsten zu den globalen Emissionen beigetragen haben. Klima-Apartheid ist damit kein Zukunftsszenario – sie ist ein laufender Prozess.
Quellen: UN-Sonderberichterstatter Alston (2019): A/HRC/41/39. IPCC AR6 (2022), Summary for Policymakers.
Verwandte Begriffe: Klimagerechtigkeit · Klimaflüchtlinge · Struktureller Rassismus · Klassismus · Just Transition



