- Pansexuell heißt: Das Geschlecht des Gegenübers setzt der Anziehung keine Grenze. Omnisexuell heißt meist: Alle Geschlechter kommen infrage, das Geschlecht spielt dabei aber eine Rolle.
- Beide Begriffe gelten je nach Definition als dasselbe, eine einheitliche Definition gibt es nicht. Deshalb zählt die Selbstbeschreibung.
- In Deutschland ist sexuelle Identität im Gleichbehandlungsgesetz geschützt, die Antidiskriminierungsstelle nennt pansexuelle Personen ausdrücklich.
Jemand sagt: Ich bin pansexuell. Jemand anderes sagt: Ich bin omnisexuell. Ist das nicht dasselbe? Die kurze Antwort: manchmal ja, manchmal nein, und genau das macht die Frage interessant. Dieser Artikel ordnet beide Begriffe ein, zeigt, was Wörterbücher, Studien und Zählungen dazu hergeben, und sagt offen, wo die Datenlage dünn ist.
Was hier mit Geschlecht gemeint ist
In diesem Artikel meint „Geschlecht“ die Geschlechtsidentität, also das erlebte Geschlecht einer Person, etwa Mann, Frau oder nichtbinär. Davon zu trennen ist das körperliche Geschlecht, das sich auf körperliche Merkmale bezieht. Ein trans Mann ist ein Mann, und eine pansexuelle oder omnisexuelle Person kann sich in ihn verlieben wie in jeden anderen Mann auch. Orientierung und Geschlechtsidentität sind zwei getrennte Eigenschaften: Auch trans Männer selbst können pansexuell oder omnisexuell sein.
Was bedeutet Pansexualität?
Das Queer Lexikon beschreibt Pansexualität als sexuelle Orientierung: Pansexuell können sich Personen nennen, die sexuelle Anziehung zu Menschen aller Geschlechter empfinden oder deren Anziehung nicht vom Geschlecht der anderen Person abhängt.[1] Der Duden erklärt das Adjektiv ähnlich: zu allen Geschlechtern und Geschlechtsidentitäten sexuell hingezogen.[2] Die britische Organisation Stonewall schreibt, bei einer pan Person richte sich die Anziehung nicht nach Sex oder Gender.[3]
Gemeint ist damit nicht jeder Mensch, sondern jedes Geschlecht. Wie bei allen Orientierungen bleibt die Anziehung individuell: Pansexuell zu sein heißt nicht, sich zu jeder Person hingezogen zu fühlen. Das schließt trans Männer, trans Frauen, nichtbinäre Personen, cis Männer und cis Frauen ein. Und es heißt nicht, das Geschlecht des Gegenübers zu übersehen: Es ist nur keine Voraussetzung für die Anziehung.
Merke
Ob jemand pansexuell oder omnisexuell ist, entscheidet er, sie oder dey selbst. Von außen lässt sich das weder an der aktuellen Beziehung noch am Aussehen ablesen. Wer mit einem Mann zusammen ist, ist deshalb nicht automatisch heterosexuell oder schwul.
Was bedeutet Omnisexualität?
Laut Queer Lexikon nennen sich Personen omnisexuell, die sexuelle Anziehung zu Menschen aller Geschlechter empfinden. Das Geschlecht spielt dabei meist eine Rolle, sei es als Vorliebe oder dadurch, dass es wahrgenommen und anerkannt wird.[4] Verkürzt lautet die Abgrenzung also: Bei pansexuell setzt das Geschlecht keine Grenze, bei omnisexuell kommen alle Geschlechter infrage, aber das Geschlecht bleibt sichtbar.
Ein Gedankenbeispiel, keine Studienaussage: Zwei Personen können sich zu denselben Menschen hingezogen fühlen und trotzdem verschiedene Wörter wählen. Die eine sagt: Mir ist das Geschlecht egal. Die andere sagt: Ich sehe das Geschlecht und begehre es in seiner ganzen Vielfalt. Beide Sätze beschreiben eine Anziehung zu mehreren Geschlechtern, nur der Blick darauf ist verschieden.
Omnisexuell ist im Alltag weniger gut dokumentiert. Der Duden führt „pansexuell“, für „omnisexuell“ war beim Abruf im Oktober 2026 kein Eintrag zu finden.[2] Auch die Statistik kennt das Wort kaum: Die Volkszählung 2021 in England und Wales bot kein eigenes Feld dafür an, und unter den drei häufigsten Freitextantworten stand es nicht.[5] In der Forschung läuft es unter dem Dach der Plurisexualität, also der Anziehung zu mehr als einem Geschlecht, gemeinsam mit bisexuell, pansexuell und queer.[6]
Wo der Unterschied liegt, und wo nicht
Das Queer Lexikon hält fest, dass Pansexualität und Omnisexualität eng verwandt sind und je nach Definition dasselbe bedeuten.[1] Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Wilhelm et al. ließen 191 Personen ihre Anziehung in Diagramme einzeichnen. Zwischen den Bezeichnungen zeigten sich einige allgemeine Unterschiede, aber auch große Vielfalt innerhalb jeder Bezeichnung, und die Orientierung war oft weiter gefasst als die gewählte Identitätsbezeichnung.[6]
Dazu kommt Bisexualität als dritter Nachbar. Das Queer Lexikon definiert sie als Anziehung zu Personen zweier oder mehrerer Geschlechter und betont, dass sie nichtbinäre Personen nicht ausschließt. Teils wird sie sogar als Anziehung unabhängig vom Geschlecht definiert.[7] Stonewall nutzt „bi“ als Dach, unter das auch pan und queer fallen.[3] Die Begriffe schließen einander also nicht aus: In einer Befragung von 669 bisexuellen, pansexuellen und queeren Erwachsenen verwendeten 55,2 Prozent mehr als eine Bezeichnung.[8]
Auch die Forschung sieht die Nähe. In einer Online-Befragung von 60 bisexuellen und pansexuellen Personen zwischen 18 und 30 Jahren definierten beide Gruppen Bisexualität im Großen und Ganzen ähnlich.[9] In einer Befragung von 2.220 nichtheterosexuellen Personen lag bei den meisten der 146 pansexuell Antwortenden der Messwert der Orientierung im bisexuellen Bereich, mit ähnlichen Mustern bei Anziehung, Verhalten und Geschlecht der Partnerpersonen wie bei bisexuell Antwortenden. Außerdem waren pansexuell Antwortende jünger als lesbische, schwule und bisexuelle Teilnehmende. Wer sich pansexuell oder queer nannte, war eher nicht cis als cis, und unter den cis Personen eher eine Frau als ein Mann.[10]
Warum Bezeichnungen wechseln dürfen
Die Psychologin Lisa Diamond begleitete 79 lesbische, bisexuelle und „unlabeled“ lebende Frauen, also Frauen ohne feste Bezeichnung, zehn Jahre lang. Zwei Drittel wechselten in dieser Zeit die Bezeichnung, die sie zu Beginn gewählt hatten, ein Drittel sogar zweimal oder öfter. Die am häufigsten gewählte Identität war am Ende „unlabeled“. Die Annahme, Bisexualität sei nur eine Übergangsphase, fand in den Daten keine Stütze.[11] Die Studie betraf nur Frauen und keine pan- oder omnisexuellen Gruppen im Besonderen. Sie zeigt aber, dass wechselnde Bezeichnungen keine Ausnahme sind.
Wie viele Menschen nennen sich so?
Verlässliche Zahlen sind knapp, und für Omnisexualität gibt es keine eigenen. In der Volkszählung 2021 in England und Wales standen heterosexuell, schwul oder lesbisch, bisexuell und „andere sexuelle Orientierung“ mit Freitext zur Wahl. Im Freitext schrieben 48.000 Menschen ab 16 Jahren „pansexual“, das sind 0,10 Prozent. Als bisexuell bezeichneten sich in England 1,29 Prozent.[5] Weil Pansexualität nur frei eingetippt werden konnte, ist die Zahl mit Vorsicht zu lesen. Für Deutschland war in den geprüften Quellen keine entsprechende Zahl zu finden.
In der US-Befragung von 27.715 trans Erwachsenen im Jahr 2015, darunter trans Männer, trans Frauen und nichtbinäre Personen, nannten sich 18 Prozent pansexuell, 14 Prozent bisexuell und 21 Prozent queer.[12] Im Report der Human Rights Campaign mit 12.615 LGBTQ+-Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren waren schwul oder lesbisch (29,5 Prozent) und bisexuell oder biromantisch (27,7 Prozent) am häufigsten, danach folgte pansexuell.[13] Die drei Datensätze sind nicht vergleichbar. Die US-Befragungen richteten sich gezielt an trans beziehungsweise LGBTQ+-Personen und sind nicht repräsentativ.
Was Studien zur Belastung zeigen
Zu omnisexuellen Menschen allein liegen in den geprüften Quellen keine Zahlen vor. Für pansexuelle gibt es Hinweise, aber kein einheitliches Bild. Die Befragung des Trevor Project 2023 erreichte mehr als 28.000 LGBTQ-Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 13 und 24 Jahren in den USA. Symptome einer Depression berichteten dort 62 Prozent der pansexuellen, 50 Prozent der bisexuellen und 50 Prozent der schwulen Teilnehmenden, bei Angst waren es 73 Prozent der pansexuellen und 63 Prozent der bisexuellen. Bei trans Männern lagen die Werte bei 66 Prozent (Depression) und 76 Prozent (Angst).[14] Das sind selbst berichtete Symptome in einer Online-Befragung, keine Diagnosen.
Bei 669 Bi+-Erwachsenen berichteten pansexuelle Teilnehmende mehr Diskriminierung durch heterosexuelle Personen und mehr Depression als bisexuelle. Bei Angst verschwand der Unterschied nach Kontrolle demografischer Merkmale.[8] In einer Befragung von 235 Erwachsenen berichteten dagegen bisexuelle Teilnehmende mehr Vorurteile von lesbischen und schwulen Personen als pansexuelle, queere oder fluide.[15] Alle genannten Befragungen sind Querschnitte. Sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen.
Rechtlich in Deutschland
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz will Benachteiligungen unter anderem wegen der sexuellen Identität verhindern oder beseitigen.[16] Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes erklärt, der Begriff beziehe sich auf lesbische, schwule, bisexuelle, heterosexuelle, aber auch asexuelle oder pansexuelle Personen, und beschreibt ihn als Bestandteil des Selbstverständnisses einer Person.[17] Omnisexuelle Personen nennt die Stelle in dieser Passage nicht ausdrücklich.
Entscheidend ist nicht, welches Wort das richtige ist, sondern welches zur eigenen Erfahrung passt.
Kerngedanke
Was du tun kannst
- Übernimm die Selbstbeschreibung. Wenn jemand pansexuell oder omnisexuell sagt, ist das keine Einladung zu Fragen nach dem Körper.
- Schließe von der Beziehung nicht auf die Orientierung. Wer einen Partner oder eine Partnerin hat, kann pansexuell oder omnisexuell sein.
- Behandle trans Männer und trans Frauen als Männer und Frauen, auch als mögliches Gegenüber.
- Wenn du selbst nach Worten suchst: Probiere Bezeichnungen aus. Sie dürfen wechseln, und keine ist Pflicht.
Fazit
Pansexuell und omnisexuell liegen nah beieinander und werden nicht einheitlich definiert. Wer den Unterschied betonen will, kann sagen: Bei pansexuell setzt das Geschlecht keine Grenze, bei omnisexuell bleibt es Teil der Wahrnehmung. Wer beides gleichsetzt, liegt nach dem Queer Lexikon ebenfalls nicht falsch. Mehr zur Orientierung steht im Lexikoneintrag Pansexualität, weitere Begriffe findest du in den Einträgen zu queer und trans.
Quellen
[1] Queer Lexikon: Pansexuell (aktualisiert am 5. Juli 2024). queer-lexikon.net
[2] Duden online: pansexuell (abgerufen im Oktober 2026). Unter /rechtschreibung/omnisexuell war zu diesem Zeitpunkt kein Eintrag vorhanden. duden.de
[3] Stonewall: Glossary of terms, Einträge Bi und Pan. stonewall.org.uk
[4] Queer Lexikon: Omnisexuell (aktualisiert am 5. Juli 2024). queer-lexikon.net
[5] Office for National Statistics (2023): Sexual orientation, England and Wales: Census 2021 (korrigierte Fassung vom 1. November 2023). ons.gov.uk
[6] Wilhelm, B. S. et al. (2025): Visualizing plurisexuality via sexual configurations theory. Psychology of Sexual Orientation and Gender Diversity. doi.org
[7] Queer Lexikon: Bisexuell (aktualisiert am 5. Juli 2024). queer-lexikon.net
[8] Feinstein, B. A. et al. (2023): Disclosure, minority stress, and mental health among bisexual, pansexual, and queer (Bi+) adults. Psychology of Sexual Orientation and Gender Diversity 10(2), 181 bis 189. doi.org
[9] Flanders, C. E. et al. (2017): Defining Bisexuality: Young Bisexual and Pansexual People’s Voices. Journal of Bisexuality 17(1), 39 bis 57. doi.org
[10] Morandini, J. S. et al. (2017): Who Adopts Queer and Pansexual Sexual Identities? Journal of Sex Research 54(7), 911 bis 922. doi.org
[11] Diamond, L. M. (2008): Female bisexuality from adolescence to adulthood: results from a 10-year longitudinal study. Developmental Psychology 44(1), 5 bis 14. doi.org
[12] James, S. E. et al. (2016): The Report of the 2015 U.S. Transgender Survey. National Center for Transgender Equality. transequality.org (PDF)
[13] Human Rights Campaign Foundation (August 2023): 2023 LGBTQ+ Youth Report (Befragung von 2022). reports.hrc.org
[14] The Trevor Project (2023): 2023 U.S. National Survey on the Mental Health of LGBTQ+ Young People. thetrevorproject.org
[15] Mitchell, R. C., Davis, K. S., Galupo, M. P. (2015): Comparing perceived experiences of prejudice among self-identified plurisexual individuals. Psychology & Sexuality 6(3), 245 bis 257. doi.org
[16] Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), § 1. gesetze-im-internet.de
[17] Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Diskriminierung wegen der sexuellen Identität, Fragen und Antworten. antidiskriminierungsstelle.de



