Ökofeminismus


Kompakt erklärt

Ökofeminismus ist eine politische und philosophische Bewegung, die Verbindungen zwischen der Ausbeutung der Natur und der Unterdrückung von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen herstellt. Die Grundidee: Dieselben Machtstrukturen, die Frauen historisch als untergeordnet und verfügbar definiert haben, prägen auch den Umgang mit der natürlichen Welt – als Ressource, die ausgebeutet werden kann. Der Begriff wurde in den 1970er-Jahren von der französischen Feministin Françoise d’Eaubonne geprägt. Heute verbindet Ökofeminismus Klimabewegung, feministische Theorie und indigene Wissenssysteme. Ein Beispiel: In vielen Ländern des Globalen Südens – also Regionen, die stärker unter den Folgen des Kolonialismus und wirtschaftlicher Ungleichheit leiden – sind Frauen* und feminisierte Personen besonders hart von Klimakatastrophen betroffen, obwohl sie am wenigsten zu deren Ursachen beigetragen haben.


Für Neugierige

Ökofeminismus ist kein einheitliches Theoriegebäude, sondern ein breites Debattenfeld – ein Begriff aus der feministischen Theorie und der Umweltbewegung, nicht aus der peer-reviewed Naturwissenschaft. Der kulturelle Ökofeminismus betont eine besondere Verbindung zwischen Frauen und Natur (heute umstritten, da er biologistische Rollenbilder reproduzieren kann). Der soziale Ökofeminismus, vertreten durch Denkerinnen wie Val Plumwood und Karen Warren, analysiert stattdessen patriarchale Herrschaftslogiken, die Natur und Menschen gleichermaßen als untergeordnet konstruieren. Eine dritte Strömung verknüpft Ökofeminismus mit Intersektionalität und Klimarassismus – und fragt, wie Klasse, Kolonialgeschichte und Ethnizität die Klimavulnerabilität prägen. Als theoretisches Werkzeug bietet Ökofeminismus eine Perspektive, die Umwelt- und Geschlechterpolitik nicht addiert, sondern an ihrer gemeinsamen Wurzel analysiert: der Logik von Dominanz und Verwertung.

Quellen: Warren, K.J. (1994): Ecological Feminism. Routledge. | Plumwood, V. (1993): Feminism and the Mastery of Nature. Routledge. | Gaard, G. (Hg.) (1993): Ecofeminism: Women, Animals, Nature. Temple University Press.


Verwandte Begriffe: Intersektionalität · Klimarassismus · Queere Ökologie · Klimagerechtigkeit · Environmental Justice