Korallenbleiche


Einfach erklärt

Korallen sind keine Felsen – sie sind Lebewesen. Genauer: Korallenpolypen, kleine Meerestiere, die in enger Symbiose (Lebensgemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen) mit mikroskopisch kleinen Algen, den sogenannten Zooxanthellen, leben. Diese Algen betreiben Fotosynthese im Körper des Korallenpolypen, liefern ihm bis zu 90 Prozent seiner Energie und verleihen ihm seine leuchtenden Farben.

Wenn die Wassertemperatur über mehrere Wochen hinweg nur ein bis zwei Grad über das saisonale Maximum steigt, stoßen die Polypen diese Algen ab. Das Korall wird weiß – es bleicht. Ohne die Algen hat es keine Energiequelle mehr, wird geschwächt und kann sterben.

Korallenbleiche ist damit ein direktes Messgerät der Klimakrise: Je mehr Treibhausgase emittiert werden, desto wärmer werden die Meere, desto häufiger und schwerwiegender die Bleichereignisse – und desto weniger Zeit haben Riffe, sich zwischen den Ereignissen zu erholen.


Ausführlich erklärt

Massenblaichereignisse gibt es seit dem großen El-Niño-Jahr 1998 mit steigender Frequenz. Das längste je dokumentierte dauerte von 2014 bis 2017 und betraf über 70 Prozent aller Riffe weltweit. Das Great Barrier Reef – das größte Korallenriff der Erde – hat seitdem mehrere Massenblaichereignisse erlebt, jedes schwerer als das vorherige.

Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, UN-Weltklimarat) schätzt im Sonderbericht über 1,5°C Erwärmung (SR1.5, 2018): Bei 1,5°C globaler Erwärmung werden 70–90 Prozent aller tropischen Korallenriffe verschwinden. Bei 2°C: über 99 Prozent. Diese Zahlen sind keine Randnotiz – Korallenriffe sind Kinderstuben für rund 25 Prozent aller Meeresarten und Lebensgrundlage für über 500 Millionen Menschen weltweit.

Korallenbleiche ist auch eine Klimagerechtigkeit-Frage: Die am stärksten betroffenen Regionen – Pazifik, Indischer Ozean, Karibik – gehören überwiegend zum sogenannten Globalen Süden (Staaten, die historisch durch Kolonialisierung und ungleiche Wirtschaftsstrukturen benachteiligt wurden). Sie tragen am wenigsten zu den globalen Emissionen bei. Artensterben und Klimamigration sind mögliche Konsequenzen.

Quellen: IPCC (2018): Special Report on Global Warming of 1.5°C. Chapter 3: Impacts of 1.5°C of Global Warming. / NOAA Coral Reef Watch (2024): Bleaching Alert and Status.


Verwandte Begriffe: Klimagerechtigkeit · Artensterben · Klimamigration · Industrieller Fischfang · Ökozid




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