Einfach erklärt
Umweltgerechtigkeit – englisch Environmental Justice – ist das Prinzip, dass alle Menschen unabhängig von Einkommen, Herkunft oder sozialem Status gleichen Schutz vor Umweltbelastungen haben sollten und gleichberechtigt an umweltpolitischen Entscheidungen beteiligt werden müssen.
Tatsächlich ist die Verteilung von Umweltproblemen alles andere als gerecht: Autobahnen, Industrieanlagen, Mülldeponien und Luftverschmutzung konzentrieren sich häufig in ärmeren Stadtteilen und in Gegenden, in denen marginalisierte Gruppen leben. Wohlhabende Stadtteile hingegen haben mehr Grünflächen, sauberere Luft und weniger Lärm.
Umweltgerechtigkeit verbindet Ökologie mit sozialer Gerechtigkeit: Wer von der Klimakrise, Überschwemmungen, Hitzewellen oder Luftschadstoffen am stärksten betroffen ist, hat oft am wenigsten zu ihrer Entstehung beigetragen – und am wenigsten politischen Einfluss, um daran etwas zu ändern.
Ausführlich erklärt
Das Konzept der Umweltgerechtigkeit entstand in den USA der 1980er Jahre, als afroamerikanische Gemeinden gegen die systematische Platzierung von Giftmülldeponien in ihren Wohngebieten vorgingen. Der Soziologe Robert Bullard gilt als Pionier des Feldes; sein Buch Dumping in Dixie (1990) dokumentierte erstmals systematisch den Zusammenhang zwischen Rassismus und Umweltbelastung.
In Deutschland zeigt das Umweltbundesamt (UBA) in seiner Studie zu Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum (Böhme et al., 2015), dass Kinder in einkommensschwachen Stadtteilen durchschnittlich stärker Verkehrslärm, Feinstaub und Hitzeinseln (Überhitzung dichter bebauter Flächen) ausgesetzt sind als Kinder in wohlhabenderen Gebieten.
Global greift das Konzept der Klimagerechtigkeit diese Perspektive auf: Länder des sogenannten Globalen Südens (Staaten, die historisch durch Kolonialisierung und ungleiche Wirtschaftsstrukturen benachteiligt wurden) leiden am stärksten unter den Folgen des Klimawandels, obwohl sie die geringsten historischen Emissionen haben. Umweltgerechtigkeit ist damit untrennbar mit Dekolonisierung und Machtfragen verknüpft. Eine gerechte Klimapolitik kann nicht nur technisch denken – sie muss fragen: Wer trägt die Last? Wer entscheidet? Wessen Stimme wird gehört?
Quellen: Bullard, R. D. (1990): Dumping in Dixie: Race, Class, and Environmental Quality. Westview Press. / Umweltbundesamt / Böhme, C. et al. (2015): Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum. Umwelt & Gesundheit 01/2015.
Verwandte Begriffe: Klimagerechtigkeit · Klima-Apartheid · Klimamigration · Dekolonisierung · Intersektionalität



