- Bedeutung
- Rechtlich geregeltes Anbausystem mit festen Vorgaben für Boden, Düngung, Pflanzenschutz und Tierhaltung
- Rechtsgrundlage
- Verordnung (EU) 2018/848, laut Kommission seit 1. Januar 2022 in neuer Fassung gültig
- Kennzeichen
- EU-Bio-Logo, nur nach Zertifizierung und mit mindestens einer Kontrolle pro Jahr
- Umstellung
- Mindestens zwei Jahre bei Ackerflächen, drei Jahre bei mehrjährigen Kulturen
- Streitpunkt
- Niedrigere Erträge je Hektar gegen Vorteile für Wasser, Boden und Artenvielfalt
- Wichtig
- Bio ist nicht pestizidfrei: Eine Positivliste erlaubt bestimmte Pflanzenschutzmittel
Einfach erklärt
Ökologische Landwirtschaft, auch Ökolandbau oder Biolandbau genannt, ist ein Anbausystem mit gesetzlich festgelegten Regeln. Der Boden soll über Fruchtfolgen mit Hülsenfrüchten, Mist und Kompost fruchtbar bleiben. Mineralische Stickstoffdünger, gentechnisch veränderte Organismen und der vorbeugende Einsatz chemisch-synthetischer Tierarzneimittel sind verboten. Schädlinge sollen vor allem durch natürliche Feinde, passende Sorten und Fruchtfolgen begrenzt werden.
Wer Lebensmittel als Bio verkaufen will, muss sich kontrollieren lassen. Das EU-Bio-Logo darf nur auf zertifizierten Erzeugnissen stehen. Anders als „regenerativ“ (siehe regenerative Landwirtschaft) ist Bio damit an feste Vorschriften gebunden. Die Studienlage zeigt je Hektar meist deutliche Vorteile für Wasser, Boden und Artenvielfalt, aber auch niedrigere Erträge.
Merke
Bio heißt nicht pestizidfrei: Die Verordnung erlaubt Pflanzenschutzmittel von einer Positivliste. Und die Umweltvorteile zeigen sich je Hektar deutlicher als je Kilogramm Erntegut.
Ausführlich erklärt
Was die EU-Bio-Verordnung vorschreibt
Die Verordnung (EU) 2018/848 legt fest, was ein Bio-Betrieb darf. Im Pflanzenbau verlangt sie eine mehrjährige Fruchtfolge, die Hülsenfrüchte einschließt, außer auf Grünland und bei mehrjährigen Futterkulturen. Mineralische Stickstoffdünger sind verboten, ebenso Hydrokultur: Pflanzen müssen grundsätzlich im lebenden Boden wurzeln. Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft dürfen höchstens 170 Kilogramm Stickstoff je Hektar und Jahr ausgebracht werden. Gentechnisch veränderte Organismen sind in allen Stufen untersagt (Artikel 11).
Grundsätzlich muss der gesamte Betrieb nach diesen Regeln arbeiten. Nur klar getrennte Einheiten mit anderen Tierarten oder leicht unterscheidbaren Sorten dürfen konventionell bleiben (Artikel 9). Wer umstellt, muss die Regeln auf Ackerflächen mindestens zwei Jahre vor der Aussaat einhalten, bei mehrjährigen Kulturen drei Jahre vor der ersten Ernte.
Pflanzenschutz: Positivliste statt Totalverzicht
Statt auf chemisch-synthetische Pestizide setzt die Verordnung zuerst auf Vorbeugung: Schäden durch Schädlinge und Unkraut sollen vor allem durch natürliche Feinde, geeignete Sorten, Fruchtfolge sowie mechanische und physikalische Verfahren vermieden werden. Reicht das nicht, dürfen nur zugelassene Mittel und nur im nötigen Maß eingesetzt werden. Die Liste steht in der Durchführungsverordnung (EU) 2021/1165 und nennt unter anderem Schwefel, aus Pflanzen gewonnene Pyrethrine, Spinosad und Kupferverbindungen. Kupfer ist auf höchstens 28 Kilogramm je Hektar in sieben Jahren begrenzt. Die Kommission begründet das mit der möglichen Anreicherung im Boden und der Belastung von Nichtzielorganismen (Durchführungsverordnung 2018/1981).
Tierhaltung: Auslauf, Besatzdichte, Antibiotika
Tiere müssen ständigen Zugang zu Freigelände haben, vorzugsweise zu Weideland, sofern Witterung, Jahreszeit und Boden es erlauben. Die Gesamtbesatzdichte ist auf 170 Kilogramm organischen Stickstoff je Hektar begrenzt, Käfige und Boxen in der Viehzucht sind verboten. Antibiotika und andere chemisch-synthetische Tierarzneimittel dürfen nicht vorbeugend gegeben werden, kranke Tiere dürfen aber behandelt werden. Erhält ein Tier innerhalb von zwölf Monaten mehr als dreimal eine solche Behandlung, bei einem produktiven Lebenszyklus unter einem Jahr mehr als einmal, dürfen es und seine Erzeugnisse nicht mehr als Bio verkauft werden. Impfungen, Parasitenbehandlungen und verpflichtende Seuchentilgung zählen dabei nicht mit.
Ob das messbar mehr Tierwohl bringt, ist offener als beim Wasserschutz. Der Thünen Report 65 fand bei 35 Prozent der Vergleichspaare Vorteile für Bio, bei 46 Prozent keinen eindeutigen Unterschied und bei 19 Prozent Vorteile der konventionellen Haltung. Nur sehr wenige Studien betrachteten Tierwohl umfassend. Das Gegenbild dazu ist die Massentierhaltung.
Was Studien zur Umweltwirkung zeigen
Der Thünen Report 65 (Sanders und Heß 2019) wertete 528 Studien mit 2.816 Vergleichspaaren aus gemäßigten Klimazonen aus. Bei 58 Prozent der Paare schnitt der Ökolandbau im Umwelt- und Ressourcenschutz besser ab, bei 28 Prozent gab es keinen Unterschied, bei 14 Prozent war die konventionelle Variante im Vorteil. Im Median lagen die Stickstoffausträge 28 Prozent niedriger, die Regenwurmabundanz 78 Prozent und die Artenzahl der Ackerflora 95 Prozent höher. Bei Feldvögeln war die Artenzahl 35 Prozent höher, bei blütenbesuchenden Insekten 23 Prozent. Die Landschaftsstruktur kann diese Effekte laut Report stark überlagern. Mehr zur Vielfalt steht unter Biodiversität und Insektensterben.
Seufert und Ramankutty (2017) nennen auf Bio-Flächen typischerweise 40 bis 50 Prozent mehr Individuen verschiedener Artengruppen. Beim Artenreichtum sei der Effekt weniger klar und reiche je nach Studie von 1 bis 34 Prozent. Beim Klima fand der Thünen Report 24 Prozent geringere Lachgasemissionen je Fläche, doch je Ertragseinheit seien die Treibhausgasemissionen vermutlich vergleichbar.
Weniger Ertrag: Wie groß ist die Lücke?
Ponisio et al. (2015) fanden in 115 Studien mit mehr als 1.000 Beobachtungen im Mittel 19,2 Prozent niedrigere Bio-Erträge. Wurden Mischkulturen oder vielfältige Fruchtfolgen nur im Bio-System eingesetzt, schrumpfte die Lücke auf 9 beziehungsweise 8 Prozent. Seufert et al. (2012) nennen eine Spanne von 5 Prozent (Hülsenfrüchte und mehrjährige Kulturen unter günstigen Standortbedingungen) über 13 Prozent bei bester Bio-Praxis bis 34 Prozent bei möglichst vergleichbaren Systemen. Laut Thünen Report liegen die Erträge im Ackerbau Mittel- und Westeuropas je nach Standort, Frucht und System 9 bis 40 Prozent unter den konventionellen.
Die Bezugsgröße entscheidet über die Bilanz. Tuomisto et al. (2012) fanden in europäischen Studien Vorteile je Fläche, aber nicht zwingend je Produkteinheit: Ammoniakemissionen, Stickstoffauswaschung und Lachgas fielen je Produkteinheit bei Bio im Mittel höher aus, ebenso der Flächenbedarf, bei großer Streuung zwischen den Studien. Der Energiebedarf war niedriger. Wie sich so etwas vergleichen lässt, zeigt die Ökobilanz.
Fläche oder Ertrag?
Laut Thünen Report bietet sich für lokale Güter wie den Wasserschutz die Fläche als Bezugsgröße an. Für globale Güter wie den Klimaschutz sei in erster Linie der Ertragsbezug sinnvoll. Die Autorinnen und Autoren halten eine pauschale Festlegung für nicht angemessen.
Kann Bio das Ernährungssystem tragen?
Muller et al. (2017) rechneten das mit einem Ernährungssystemmodell durch. Eine vollständige Umstellung auf Bio braucht mehr Land, senkt aber Stickstoffüberschuss und Pestizideinsatz. Werden zugleich Lebensmittelverschwendung und der Anbau von Futter auf Ackerflächen verringert, mit entsprechend weniger tierischen Produkten, bleibt der Landbedarf unter dem Referenzszenario. Die Stickstoffversorgung bleibt eine Herausforderung.
Die Kommission will in „Vom Hof auf den Tisch“ bis 2030 mindestens 25 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in der EU ökologisch bewirtschaften. Nach Eurostat waren es 2020 im EU-Schnitt 9,1 Prozent, in Deutschland 2024 rund 11,1 Prozent.
Bio ist ein kontrollierter Rahmen, kein Freibrief: Er schützt Wasser, Boden und Artenvielfalt auf der Fläche, ersetzt aber nicht die Frage, wie viel Fläche, Futter und Fleisch ein Ernährungssystem braucht.
Kerngedanke
Abgrenzung zur regenerativen Landwirtschaft
Bio ist ein rechtlich definierter Standard mit Verboten und Kontrollen. „Regenerativ“ ist dagegen ein Begriff ohne rechtliche Definition. Giller et al. (2021) beschreiben, dass er in den 1980er Jahren über das Rodale Institute aufkam, das eng mit der Bio-Bewegung verbunden ist, und dass sich regenerative von ökologischer Landwirtschaft bis heute schwer klar trennen lässt. Newton et al. (2020) fanden Definitionen, die Prozesse beschreiben, und andere, die Ergebnisse wie Humusaufbau nennen. Bio dagegen schreibt Methoden vor. Was Bio verlangt, etwa Fruchtfolge mit Hülsenfrüchten oder den Verzicht auf mineralischen Stickstoffdünger, ist bei regenerativen Betrieben nicht verbindlich. Zu Bäumen auf Äckern siehe Agroforstwirtschaft.
Was du tun kannst
- Achte bei vorverpackten Bio-Lebensmitteln auf das EU-Bio-Logo, die Codenummer der Kontrollstelle und die Herkunftsangabe der Zutaten. Die Verordnung schreibt alle drei vor (Artikel 32).
- Frage bei Aufschriften wie „regenerativ“ nach dem Standard und der Kontrolle. Dafür gibt es keine rechtliche Definition, das EU-Bio-Logo ist dagegen an Verordnung und Kontrolle gebunden.
- Plane Einkäufe und verwerte Reste: Laut Muller et al. ist weniger Lebensmittelverschwendung eine Bedingung dafür, dass ein Bio-System insgesamt nicht mehr Land braucht.
Quellen: Verordnung (EU) 2018/848 über die ökologische Produktion / Durchführungsverordnung (EU) 2021/1165 / Durchführungsverordnung (EU) 2018/1981 / Europäische Kommission: Organics at a glance / Europäische Kommission (2020): Vom Hof auf den Tisch / Eurostat: Fläche unter ökologischem Landbau / Sanders und Heß (2019): Thünen Report 65, Leistungen des ökologischen Landbaus / Seufert und Ramankutty (2017): Many shades of gray / Seufert et al. (2012): Comparing the yields of organic and conventional agriculture / Ponisio et al. (2015): Diversification practices reduce organic to conventional yield gap / Tuomisto et al. (2012): Does organic farming reduce environmental impacts? / Muller et al. (2017): Strategies for feeding the world more sustainably with organic agriculture / Giller et al. (2021): Regenerative Agriculture: An agronomic perspective / Newton et al. (2020): What Is Regenerative Agriculture?
Wie unsichtbares Bodenleben direkt mit dem Klima zusammenhängt: Lebendiger Boden und Klima.
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