Antifaschismus & Demokratie

Antifaschismus

Antifaschismus: Herkunft des Begriffs, demokratische und kommunistische Lesart, DDR-Staatsdoktrin und die Verfolgung am Hirschfeld-Institut.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 20.10.2026
Auf einen Blick

Haltung
Ablehnung von Faschismus und Rechtsextremismus, als politische Position und als Bewegung
Herkunft
Italien und Weimarer Republik, 1920er Jahre
Streitpunkt
Was jeweils unter „Faschismus“ verstanden wird
Einordnung
Der Verfassungsschutz sieht eine „primär demokratische Ausrichtung“ und beobachtet die militante, linksextremistische Ausprägung
Queere Geschichte
Zerstörung des Instituts für Sexualwissenschaft im Mai 1933

Einfach erklärt

Antifaschismus ist die politische Haltung und Bewegung, die sich gegen Faschismus und rechtsextreme Ideologien richtet. Der Begriff stammt aus der Zeit, als Faschismus selbst noch neu war: Benito Mussolini stürzte 1922 in Italien die Regierung und baute eine Einparteiendiktatur auf, und in den 1920er und 1930er Jahren entstanden in vielen Ländern Europas ähnliche Bewegungen. Wer sich dagegen stellte, bezeichnete sich als antifaschistisch, etwa aus liberaler oder aus kommunistischer Überzeugung. Heute reicht antifaschistisches Engagement von Bildungsarbeit bis zu konfrontativen Aktionen gegen Rechtsextremismus.

Uneinig sind die Beteiligten darüber, was „Faschismus“ genau ist und welche Mittel erlaubt sind. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hält den Begriff deshalb für umstritten: Für die einen sei er ein demokratisches Grundprinzip, für die anderen ein linksextremistischer Kampfbegriff. Bedeutsam sei vor allem, was die Akteure konkret unter Faschismus verstehen.

Merke

Wer Faschismus ablehnt, muss deshalb noch nicht demokratisch sein. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hält fest, dass die Ablehnung aus einer demokratischen wie aus einer antidemokratischen Haltung heraus erfolgen kann.

Zum Rechtsextremismus zählt der Verfassungsschutz Nationalismus und Rassismus als elementare Bestandteile. Laut bpb werden häufig auch antisemitische sowie queer-, homo- und transfeindliche Einstellungen dazugerechnet, wobei umstritten bleibt, welche Einstellungsmuster dazugehören.

Ausführlich erklärt

Was mit Faschismus gemeint ist

Das Wort stammt vom italienischen „fascio“ für „Bund“ oder „Bündel“. Mussolini gründete 1921 die Faschistische Partei Italiens, die mit offenem Straßenterror gegen Sozialismus und Kommunismus kämpfte, und baute nach dem „Marsch auf Rom“ 1922 durch Auflösung der übrigen Parteien, Aufhebung von Bürgerrechten und Pressefreiheit sowie politische Morde eine Einparteiendiktatur auf. Eine antisemitische Ausrichtung entwickelte der italienische Faschismus laut bpb erst durch die engere Zusammenarbeit mit dem Nationalsozialismus ab Mitte der 1930er Jahre. In der Linken und vor allem in der DDR galt „Faschismus“ als Synonym für den Nationalsozialismus, was in der Wissenschaft umstritten ist.

Herkunft des Begriffs: zwei Erzählungen

Wer den Begriff zuerst benutzte, beantworten die Quellen unterschiedlich. Nach dem Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber (bpb, 2008) verstand sich schon in den 1920er Jahren die liberale Opposition gegen Mussolini als antifaschistisch, im Sinne der Ablehnung einer Diktatur, die im angeblichen Namen von Nation und Volk Grundrechte aufhob. Auch im Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 bezeichneten sich viele Gegnerinnen und Gegner des Militärregimes Francos so. Das Bundesamt für Verfassungsschutz dagegen schreibt, die KPD habe „Antifaschismus“ Anfang der 1920er Jahre zunächst als antikapitalistischen Kampfbegriff eingeführt, bald darauf habe sich ein bürgerlich-liberaler Antifaschismus für Demokratie und Rechtsstaat entwickelt. Möglicherweise entstand der Begriff also in mehreren Lagern parallel; die Quellen klären das nicht. Ein bekanntes Beispiel für den Namen ist die Antifaschistische Aktion von 1932.

Zwei Faschismusbilder

Die kommunistische Bewegung entwickelte früh eine eigene Faschismustheorie. Georgi Dimitroff, damals Generalsekretär der Kommunistischen Internationale, nannte den Faschismus 1935 auf deren VII. Weltkongress die „offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“. Faschismus folgt in dieser Sicht in Wirtschaftskrisen notwendig aus dem Kapitalismus. Die KPD der Weimarer Republik bezeichnete sogar die SPD als „sozialfaschistisch“. Der Verfassungsschutz beschreibt, dass linksextremistische Akteure Faschismus bis heute als reaktionärste Form des Kapitalismus verstehen und unter Kapitalismus die Einheit von demokratischem Rechtsstaat und marktwirtschaftlicher Eigentumsordnung. Ein so verstandener Antifaschismus richtet sich laut bpb auch gegen bürgerliche Demokratinnen und Demokraten.

Einordnung

Der bpb-Beitrag von 2008 und die Darstellungen des Verfassungsschutzes folgen der Extremismusforschung, die umstritten ist. Professor Richard Stöss kritisiert in einem weiteren bpb-Beitrag, das Konzept stelle Extremismus und Demokratie als Gegensatz dar und unterschlage, dass antidemokratisches Gedankengut auch in der Mitte der Gesellschaft vorkommt. Er verweist auf Seymour Martin Lipset, der Faschismus als „Extremismus der Mitte“ bezeichnete. Der Vergleich beider Ränder ist Gegenstand der Hufeisentheorie.

Staatsdoktrin in der DDR

Die DDR verstand sich als „antifaschistischer Staat“. Laut Pfahl-Traughber diente dieser Gründungsmythos bis in die Endphase als Identitätsfaktor und Herrschaftsinstrument der SED. Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler beschreibt in einer bpb-Analyse von 1998, wie das Bild eines breiten, kontinuierlichen Widerstands weit über den tatsächlich geleisteten kommunistischen Widerstand hinaus entworfen wurde. Ausgespart blieb unter anderem die Zeit des Hitler-Stalin-Pakts von 1939 bis 1941. Weitgehend ausgeblendet wurde auch der nationalsozialistische Völkermord an den Juden, der in der Faschismustheorie der Kommunistischen Internationale keinen Platz hatte. Die Bevölkerung konnte sich so als „Antifaschisten“ und „Sieger der Geschichte“ verstehen.

Der Aufstand vom 17. Juni 1953 galt als „faschistischer Putschversuch“, die Berliner Mauer als „antifaschistischer Schutzwall“. Laut LeMO riegelte das SED-Regime am 13. August 1961 die Sektorengrenze ab, um die Massenflucht aus der DDR zu beenden. Mindestens 140 Menschen starben nach 1961 an den Berliner Grenzanlagen.

Bundesrepublik: Grundgesetz und Verfolgtenverband

Artikel 139 des Grundgesetzes bestimmt, dass die zur „Befreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und Militarismus“ erlassenen Rechtsvorschriften von den Bestimmungen des Grundgesetzes nicht berührt werden.

Ein Streitfall ist die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ (VVN-BdA), 1947 gegründet. Ende 2019 entzog das Berliner Finanzamt dem Verband die Gemeinnützigkeit, gestützt auf die Einstufung des bayerischen Verfassungsschutzes, der als einziger auch den Bundesverband als „linksextremistisch beeinflusste Organisation“ bewertete. Der Verband wies das zurück und nannte sich demokratisch und spektrenübergreifend. Im April 2021 erkannte das Finanzamt die Gemeinnützigkeit wieder voll an, wie die taz berichtete.

Antifaschismus heute

Das Spektrum reicht von Gedenkinitiativen und Bündnissen bis zu autonomen Gruppen, die sich auf die Antifaschistische Aktion von 1932 berufen (mehr unter Antifa und Antifaschistische Codes). Der Verfassungsschutz hält fest, der Begriff habe „heute primär eine demokratische Ausrichtung“. Er beobachte aber die militante, linksextremistische Ausprägung, in der Gewalt gegen Menschen als Kernbestandteil des „antifaschistischen Kampfes“ gelte.

Den Faschismusvorwurf instrumentalisieren laut Pfahl-Traughber beide Seiten: linksextremistische Akteure diskreditierten damit konservative Gegnerinnen und Gegner, und Akteure der politischen Rechten wiesen jede Kritik an sich als linksextremistische Strategie zurück. Wer eine Gruppe oder Aussage einordnen will, kann drei Fragen stellen: Was versteht sie unter Faschismus? Richtet sich ihre Ablehnung gegen Rechtsextremismus oder gegen den demokratischen Verfassungsstaat selbst? Und welche Mittel hält sie für legitim?

Antifaschismus und queere Geschichte

Zwischen 1933 und 1945 fand laut LeMO die stärkste Verfolgung von Homosexuellen in der deutschen Geschichte statt. Der Paragraf 175 des Reichsstrafgesetzbuchs bestand seit 1871, 1935 verschärften ihn die Nationalsozialisten massiv und führten den Paragrafen 175a ein, nach dem schon Blicke bestraft werden konnten. Die NS-Justiz verurteilte über 50.000 Männer, 10.000 bis 15.000 schwule Männer kamen in Konzentrationslager. Lesbische Frauen waren in Deutschland nicht strafbar, wurden aber in weit geringerem Ausmaß und oft in Verbindung mit anderen Gründen ebenfalls verfolgt. Zu trans und intergeschlechtlichen Menschen nennen die hier genutzten Quellen keine Zahlen.

Juli 1919Magnus Hirschfeld gründet in Berlin das laut Bundesarchiv weltweit erste Institut für Sexualwissenschaft
Über 50.000Männer verurteilte die NS-Justiz laut LeMO zwischen 1933 und 1945 wegen homosexueller Handlungen
10.000 bis 15.000schwule Männer sperrten die Nationalsozialisten in Konzentrationslager

Früh traf es das Institut, das Hirschfeld im Juli 1919 aus seinem Privatvermögen in Berlin-Tiergarten gegründet hatte, laut Bundesarchiv als Forschungs-, Lehr-, Heil- und Zufluchtsstätte zugleich. Dort arbeiteten und verkehrten Menschen, die damals „Transvestiten“ genannt wurden (ein historischer Begriff, der sich nicht einfach mit dem heutigen Verständnis von trans Identität gleichsetzen lässt), sowie intergeschlechtliche und homosexuelle Menschen.

Ab Mitte der 1920er Jahre baute die NS-Presse ihn und sein Institut systematisch als Feindbild auf. Am 6. Mai 1933 plünderten Studierende das Institut, nach LeMO war es die SA. Teile der Bibliothek und des Archivs warfen sie am 10. Mai 1933 bei der Bücherverbrennung auf dem Berliner Bebelplatz in die Flammen. Hirschfeld, seit Ende 1930 auf Weltreise, blieb im Exil und starb am 14. Mai 1935 in Nizza. Homo- und transfeindliche Einstellungen werden laut bpb auch heute häufig dem Rechtsextremismus zugeordnet, gegen den sich der Antifaschismus richtet (mehr unter Queerfeindlichkeit).

Quellen: bpb.de: Faschismus / bpb (Armin Pfahl-Traughber, 2008): Antifaschismus als Thema linksextremistischer Agitation / bpb.de: Was ist Rechtsextremismus? / bpb (Richard Stöss): Kritische Anmerkungen zum Extremismuskonzept / Herfried Münkler (1998): Antifaschismus als Gründungsmythos der DDR, APuZ 45/1998 / Verfassungsschutz: Glossar, Antifaschismus / Verfassungsschutz: Die „Antifa“ (Stand März 2026) / bpb: Jüdisches Leben in der DDR / LeMO: 13. August 1961, Mauerbau / Grundgesetz Art. 139 / taz (28. April 2021): VVN-BdA wieder voll gemeinnützig / FoDEx Berlin (2018): Von einer KPD-Initiative zur autonomen Antifa / Bundesarchiv: Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft / LeMO: Homosexuellenverfolgung im Nationalsozialismus

Hinweis zur Quellenlage: Stand 20. Oktober 2026. Das Bundesarchiv datiert die Gründung des Hirschfeld-Instituts auf Juli 1919, LeMO nennt 1918. Der bpb-Beitrag von 2008 und der Verfassungsschutz folgen der umstrittenen Extremismusforschung.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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