Einfach erklärt
Die Antifaschistische Aktion war eine 1932 von der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) ausgerufene Initiative in der Weimarer Republik, die sich gegen die aufkommende NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) richtete. Das Bundesamt für Verfassungsschutz beschreibt sie als kommunistische Sammelbewegung und nicht als feste Organisation. Anlass war eine Saalschlacht im preußischen Landtag am 25. Mai 1932, bei der die NSDAP-Fraktion die Kommunisten und ihren Redner Wilhelm Pieck überfiel. Einen Tag später rief die KPD in ihrer Zeitung „Die Rote Fahne“ zur „Antifaschistischen Aktion“ auf und warb unter sozialdemokratischen Arbeiter*innen für eine „rote Einheitsfront“. Offiziell bekannt gegeben wurde die Gründung am 10. Juli 1932 beim Reichseinheitskongress in Berlin. Ein konkretes Beispiel für die bis heute spürbare Wirkung: Das damals von einem Grafikerduo entworfene Logo mit zwei roten Fahnen im Ring ist, abgewandelt, bis heute eines der bekanntesten Symbole der Antifa-Bewegung.
Trotz ihres Namens blieb die Antifaschistische Aktion keine echte Einheitsfront. Die KPD sah die SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) intern weiterhin als „Hauptfeind“, die SPD-Zeitung „Vorwärts“ nannte die Initiative eine „antisozialdemokratische Aktion“, und die KPD-Führung verbot im Juli 1932 Verhandlungen mit unteren Gliederungen von SPD und Gewerkschaften. Die Eiserne Front, die SPD, Gewerkschaften, Arbeitersportverbände und das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold im Dezember 1931 ausgerufen hatten, blieb ein eigenes Lager. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde die Antifaschistische Aktion verfolgt. Mitte der 1970er Jahre beanspruchte der Kommunistische Bund die Tradition für sich, und seit den frühen 1980er Jahren verbindet man das Logo in modifizierter Form mit dem autonomen Antifaschismus. Heute dienen Name und Logo einem heterogenen Spektrum als Symbole, die verbindende Klammer ist laut FoDEx eine kapitalismuskritische Grundhaltung.
Ausführlich erklärt
Entstehung im Krisenjahr 1932
Das Jahr 1932 war von hoher Arbeitslosigkeit infolge der Weltwirtschaftskrise und von blutigen Straßenkämpfen geprägt, die allein in Preußen 155 Todesopfer forderten; die Beteiligten kamen vor allem aus den Reihen von KPD und NSDAP. Der Rote Frontkämpferbund (RFB), der uniformierte Wehrverband der KPD, war bereits seit Mai 1929 verboten: Nach den Zusammenstößen des „Blutmai“ in Berlin hatte ihn die von der SPD geführte preußische Regierung verboten, auf Beschluss der Landesinnenminister vom 10. Mai 1929 galt das Verbot reichsweit. Der RFB bestand illegal weiter und lieferte sich laut dem Deutschen Historischen Museum bis 1933 bürgerkriegsähnliche Straßen- und Saalschlachten mit der SA (Sturmabteilung). Die KPD erklärte nach dem Blutmai den Kampf gegen den sozialdemokratischen „Sozialfaschismus“ zu einem Hauptziel ihrer künftigen Politik. Bereits 1928 hatte der VI. Weltkongress der Komintern (Kommunistische Internationale) die Sozialfaschismusdoktrin für verbindlich erklärt, die die Sozialdemokratie als den am schärfsten zu bekämpfenden politischen Gegner einstufte.
Die KPD verfolgte zudem seit beinahe einem Jahrzehnt die Strategie der „Einheitsfront von unten“: Ziel war, die sozialdemokratische Anhängerschaft zur KPD hinüberzuziehen, nicht eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Am 24. Mai 1932 forderte Parteichef Ernst Thälmann auf einer Tagung des Zentralkomitees das „Herumreißen der Partei zu einer wirklichen Einheitsfront von unten“ und schlug eine „große antifaschistische Aktion in Deutschland“ vor. Einen Tag später überfiel die NSDAP-Fraktion im preußischen Landtag die Kommunisten und ihren Redner Pieck. Für die KPD war das laut dem Zeithistoriker Hermann Weber das auslösende Moment, die geplante „Antifaschistische Aktion“ zu proklamieren. In der „Roten Fahne“ vom 26. Mai 1932 erschien ein an alle „Klassengenossen“ gerichteter Aufruf, der die Passivität der sozialdemokratischen Parlamentarier während des Angriffs anklagte und sozialdemokratische Arbeiter*innen als „rote Einheitsfront“ aufrief, der „Faschisierung Deutschlands Einhalt zu gebieten“. Die Aktion sollte nach Weber „unter Führung der KPD“ stehen.
Am 10. Juli 1932 wurde die Antifaschistische Aktion beim Reichseinheitskongress der antifaschistischen Komitees in Berlin offiziell bekannt gegeben. Das Logo zeigt zwei Fahnen in einem Ring mit dem Schriftzug „Antifaschistische Aktion“ und stammt von einem Grafikerduo des Bundes revolutionärer Bildender Künstler, Max Gebhard und Max Keilson. Die zwei roten Fahnen standen nach Darstellung des Verfassungsschutzes für die kommunistische KPD und für die sozialistische Basis der SPD. Laut FoDEx sollte das Logo den Schulterschluss der gespaltenen Arbeiterbewegung im Kampf gegen den Nationalsozialismus symbolisieren.
Ein Bündnis nur dem Namen nach
Eine echte Einheitsfront war die Antifaschistische Aktion nicht. Die SPD-Zeitung „Vorwärts“ urteilte in der Spätausgabe „Der Abend“ vom 22. Juni 1932: „Die ›antifaschistische Aktion‹ ist also nichts anderes als eine antisozialdemokratische Aktion!“ In parteiinternen Papieren der KPD wurde die SPD nach wie vor als „Hauptfeind“ identifiziert. Alexander Deycke vom Göttinger Institut für Demokratieforschung hält im FoDEx-Beitrag fest, dass wenig dafür spreche, dass die Aktion besondere Akzente in der Zurückdrängung des SA-Terrors gesetzt habe. Mehr als den Versuch einer Propagandaoffensive habe die KPD mit ihr kaum zustande gebracht, und ein erkennbarer Kurswechsel gegenüber dem „Hauptfeind“ Sozialdemokratie sei mit ihr nicht einhergegangen.
An der Basis wollten untere KPD-Einheiten die Einheitsfront durchaus forcieren: In Württemberg etwa traten die Leitungen von Heilbronn und Göppingen mit Vorschlägen an SPD und ADGB (Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund) heran. Doch ein Rundschreiben der KPD-Führung vom 14. Juli 1932 verbot laut Weber alle Einheitsfrontverhandlungen mit unteren Organen von ADGB und SPD unter der Parole „keine Spitzenverhandlungen“. Verantwortlich dafür war nach Weber in erster Linie der Einfluss der Komintern, der die KPD auf den Kurs zurückdrängte, die SPD sei „Hauptstütze der Bourgeoisie“ und daher nicht bündnisfähig.
Parallel dazu hatten Vertreter von SPD, ADGB, Arbeitersportverbänden und Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold am 16. Dezember 1931 auf einer gemeinsamen Tagung die Eiserne Front zur „Abwendung der faschistischen Gefahr“ proklamiert. Anlass war die Harzburger Front rechter Parteien und Verbände vom Oktober 1931. Das Deutsche Historische Museum beschreibt die Eiserne Front als keine straff gegliederte Organisation, sondern als „nur ein Name“, wie es der Gewerkschaftsführer Theodor Leipart ausdrückte: Sie hatte weder einen eigenen Vorsitzenden noch eigene Mitglieder oder Beiträge und koordinierte die beteiligten Organisationen über „Kampfausschüsse“. Ihr Symbol war ab Februar 1932 der von Sergei Tschachotin erfundene Dreipfeil, der wahlweise den Kampf gegen die dreifache Bedrohung der Republik durch Nationalsozialismus, Kommunismus und Monarchismus oder positive Werte wie Aktivismus, Disziplin und Einheit symbolisierte.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz beschreibt die Eiserne Front als Bewegung aus republiktreuen Kräften, die gegen Extremismus von rechts wie von links eintrat. Von ihr wollte sich die Antifaschistische Aktion ebenso abgrenzen wie von der NSDAP, und die SPD als Gesamtpartei lehnte die KPD ebenfalls als „faschistisch“ ab.
Verbot 1933 und die Folgen
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Die Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933 setzte laut der Bundeszentrale für politische Bildung unter anderem die Freiheit der Person, die Meinungs- und Pressefreiheit sowie die Vereins- und Versammlungsfreiheit außer Kraft und richtete sich insbesondere gegen die KPD: Polizei und SA verhafteten mehrere Tausend Menschen, mehrheitlich Kommunisten, in den folgenden Wochen Zehntausende Oppositionelle, und die SA richtete provisorische Konzentrationslager ein. Der „organisierte rote Massenselbstschutz“ der Antifaschistischen Aktion mit eigenem Logo wurde laut bpb von den Nationalsozialisten verfolgt. Auch die Träger der Eisernen Front wurden zerschlagen: Am 2. Mai 1933 besetzten Polizei, SA und SS die Einrichtungen des ADGB und der Einzelgewerkschaften, am 22. Juni 1933 wurde die SPD verboten. Die KPD hielt dabei laut Weber bis zum Schluss an ihrer Frontstellung gegen die SPD fest: Noch am 28. Januar 1933 nannte die Parteiführung die SPD in einem Rundschreiben die „soziale Hauptstütze der Kapitalsherrschaft“.
Wiederbelebung: von den K-Gruppen in die autonome Szene
Mitte der 1970er Jahre beanspruchte der Kommunistische Bund (KB), eine vor allem in Norddeutschland aktive K-Gruppe, die im maoistischen Spektrum durch ihr antifaschistisches Engagement hervorstach, die Tradition der Antifaschistischen Aktion von 1932 für sich. Der KB sammelte Informationen über rechtsradikale und neonazistische Organisationen und Personen und organisierte Demonstrationen gegen Aufmärsche und Parteitage rechter Parteien. Bereits seit den frühen 1980er Jahren verbindet man das Logo mit einem sich als „autonom“ verstehenden Antifaschismus, nun in modifizierter Form: Eine der roten Fahnen wurde als Bezugnahme auf anarchistische Traditionen durch eine schwarze ersetzt, zudem wurde die Ausrichtung der Fahnen umgekehrt. Nach Angaben des Verfassungsschutzes steht die schwarze Fahne für den autonomen Anarchismus, die rote für den Sozialismus. Für diesen Antifaschismus etablierte sich das Kürzel „Antifa“ als Eigen- und Fremdbezeichnung.
In den 1990er Jahren erfuhr der Antifaschismus unter dem Eindruck von Wiedervereinigung, rechtsradikalen Wahlerfolgen und einem deutlichen Anstieg rechter, vor allem rassistischer Gewalt einen Bedeutungszuwachs. Es entstanden zwei Bündnisstrukturen, die lokale autonome Gruppen zusammenbrachten: die „Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation“ (AA/BO), in der eine Göttinger Gruppe namens „Autonome Antifa [M]“ eine führende Rolle spielte und die eher förmlich organisiert und auf Öffentlichkeitswirksamkeit bedacht war, sowie das spontanere, unverbindlichere Bundesweite Antifa Treffen (BAT). Das Streben nach einer linken Sammlungsbewegung unter dem Doppelbanner endete 2001 mit der Selbstauflösung der AA/BO. Einige Antifa-Gruppen schlossen sich danach den postautonomen Bündnissen „Interventionistische Linke“ und „… ums Ganze!“ an, die Mehrheit der autonomen Antifa-Gruppen blieb diesen Zusammenschlüssen fern.
Heute dienen das historische Logo und der Name der KPD-Initiative laut FoDEx einem heterogenen Akteursspektrum als Symbole für Identität und Zusammenhalt (mehr zu solchen Zeichen unter Antifaschistische Codes). Das Bundesamt für Verfassungsschutz hält fest, dass es „die Antifa“ als bundesweit agierende, klar umgrenzte Organisation nicht gibt. Die verbindende Klammer ist laut FoDEx weniger ein geteilter Faschismusbegriff als eine kapitalismuskritische Grundhaltung und der Anspruch, rechtsextremen Akteuren kämpferisch, aber nicht zwingend auch gewaltsam entgegenzutreten. Der antifaschistische Konsens überbrückte zudem nicht die innerlinke Konfliktlinie zwischen antiimperialistischen und antideutschen Positionen, die zu Spaltungen führte. Gerade die Geschichte der Antifaschistischen Aktion zeigt damit, wie wenig selbstverständlich Einigkeit im Kampf gegen Faschismus war und ist.
Quelle: bpb.de (2019): „Die Antifa“, eine Spurensuche (Tagungsbericht Linke Militanz) / FoDEx Berlin (Alexander Deycke, 2018): Von einer KPD-Initiative zur autonomen Antifa / Bundesamt für Verfassungsschutz: Die „Antifa“, Antifaschistischer Kampf im Linksextremismus (Stand März 2026) / Hermann Weber (1982): Die Generallinie der KPD 1929 bis 1933, bpb (APuZ 48/1982) / Deutsches Historisches Museum (LeMO): Die Eiserne Front / Deutsches Historisches Museum (LeMO): Jahreschronik 1931 / Deutsches Historisches Museum (LeMO): Jahreschronik 1933 / Deutsches Historisches Museum (LeMO): Blutmai 1929 / Deutsches Historisches Museum (LeMO): Der Rote Frontkämpferbund / bpb.de: Reichstagsbrand, auf dem Weg in die Diktatur / analyse & kritik: Antifa, her zu uns / Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen: 80 Jahre Antifaschistische Aktion
Verwandte Begriffe: Antifa · Antifaschismus · Antifaschistische Codes · 161 Bedeutung · Drei Pfeile

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