Nachhaltigkeit

Löwenzahn

Löwenzahn einfach erklärt: Aufbau, Fortpflanzung ohne Befruchtung, Nutzen für Insekten, Konflikte und was die EMA zur Heilpflanze sagt.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 16.10.2026
Auf einen Blick

Wissenschaftlicher Name
Taraxacum officinale agg., ein Korbblütler (Asteraceae)
Wuchs
Mehrjährig, Blattrosette am Boden, pro Schaft ein Körbchen aus bis zu 250 Zungenblüten
Fortpflanzung
Samenbildung ohne Befruchtung, die Nachkommen sind Klone
Herkunft
Ursprünglich aus Eurasien, heute weltweit als Wildkraut verbreitet
Nutzung
Blätter als Salat, Blätter und Wurzel traditionell als Arzneitee

Einfach erklärt

Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist eine mehrjährige Wildpflanze aus der Familie der Korbblütler. Was wie eine einzelne gelbe Blüte aussieht, ist ein Körbchen aus bis zu 250 Zungenblüten (Blüten mit einem zungenförmigen Blütenblatt). Daraus entstehen Samen mit Haarschirmchen, die der Wind verbreitet. Im Alltag heißt dieser Fruchtstand oft Pusteblume. Der Name geht auf die gezähnten Blätter zurück: Löwenzahn bedeutet „Zahn eines Löwen“.

Für Insekten ist die Pflanze früh im Jahr eine wichtige Nahrungsquelle. In einer britischen Untersuchung stammte im Mai fast der gesamte, damals noch knappe Nektar der Staudenwiesen von heimischen Wildkräutern, vor allem vom Löwenzahn. Zugleich gilt er in Rasen und Äckern als Störung, und sein Pollen kann Allergien auslösen. Die Blätter sind essbar. Als Heilpflanze beruht der Löwenzahn auf Überlieferung, nicht auf Studien.

Merke

Löwenzahn ist weder Wundermittel noch bloßes Unkraut: Er bietet Insekten früh im Jahr Nahrung, bringt aber Konflikte mit Rasen, Ackerbau und Allergien, und sein Ruf als Heilpflanze stützt sich auf Tradition.


Ausführlich erklärt

Aufbau und Name

Nach Stewart-Wade et al. (2002) ist Löwenzahn eine fast stängellose, milchsaftführende Staude. Die Blätter bilden eine Grundrosette und werden 5 bis 40 Zentimeter lang. Aus der Rosette wachsen Blütenschäfte mit je einem Körbchen. Anders als bei vielen Korbblütlern sind alle Blüten Zungenblüten. Nach der Blüte biegt sich der Schaft nahe an den Boden und entgeht so Mähern und Weidetieren. Zur Samenreife streckt er sich wieder, bis zu 75 Zentimeter hoch, damit der Wind die Samen weit tragen kann.

Der Name übersetzt laut Etymologischem Wörterbuch (Pfeifer, über DWDS) das mittellateinische dens leonis, gemeint ist ein Korbblütler mit scharf gezähnten Blättern. Die Herkunft des Gattungsnamens Taraxacum ist nach Stewart-Wade et al. (2002) ungeklärt. Die Wurzel der Pflanze behandelt der Eintrag zur Löwenzahnwurzel.

Fortpflanzung ohne Befruchtung

Löwenzahn ist nach Stewart-Wade et al. (2002) ein Apomikt, also ein Gewächs, dessen Embryo ohne Befruchtung entsteht. Er hat einen dreifachen Chromosomensatz (triploid) und ist hybrider Herkunft, der Großteil seines Pollens ist unfruchtbar. Majeský et al. (2012) beschreiben Apomixis als klonale Fortpflanzung über Samen und fanden bei 187 Pflanzen aus neun Kleinarten wenig genetische Vielfalt innerhalb derselben Herkunft. Die Klone gehen demnach vor allem auf Kreuzungen zwischen sexuellen und apomiktischen Pflanzen zurück.

Das hat eine praktische Folge für den Namen: „Löwenzahn“ meint meist eine ganze Artengruppe. Macháčková et al. (2018) nennen die Gattung eine der in der Systematik schwierigsten überhaupt und die Gruppe um Taraxacum officinale die größte darin. Bei allen 28 untersuchten Kleinarten zählten sie 24 Chromosomen (2n = 3x). In Studien steht dafür oft „agg.“ (Aggregat, also Artengruppe).

Samen, Verbreitung und Alter

Wie viele Samen eine Pflanze bildet, hängt stark vom Standort ab. Stewart-Wade et al. (2002) geben für eine Messung unter fast optimalen Bedingungen im Mittel 93 Blütenstände je Pflanze und 252 Samen je Blütenstand an (130 bis 412), zusammen rund 23.400 Samen. In einer britischen Studie lagen die Werte bei 12,2 Blütenständen und etwa 2.170 Samen je Pflanze. Für die Verbreitung per Wind nennt die Übersicht eine geschätzte Reichweite von 200 bis 500 Meter. Anhand der Jahresringe der Hauptwurzel wurden häufig 10 bis 13 Jahre alte Pflanzen festgestellt.

Nahrung für Insekten

Hicks et al. (2016) zählten in vier britischen Städten über 2 Millionen Blüten und vermaßen 65 Arten. Der Löwenzahn (Taraxacum agg.) erreichte im Mittel 2.137 Mikrogramm Nektarzucker je Blütenstand. Heimische Wildkräuter, darunter er, stellten die fünf nektarreichsten und zwei der zehn pollenreichsten Arten je Blüte. Im Mai stammte in den Staudenwiesen fast der gesamte Nektar von ihnen, vor allem vom Löwenzahn. Die Studie misst Angebot, keine Bestandsentwicklung.

In Kentucky sammelten Larson et al. (2014) an Löwenzahn und Weißklee in Rasen rund 50 Insektenarten, darunter 37 Bienenarten.

Einschränkung: Löwenzahnpollen ist nicht für alle Bienen gleich gut verwertbar. Loper und Cohen (1987) fanden ihn gemessen am Bedarf der Honigbiene arm an den Aminosäuren Valin, Isoleucin, Leucin und Arginin und sehen darin die wahrscheinliche Ursache für seine schlechte Eignung zur Brutaufzucht. Hicks et al. (2016) betonen, daraus lasse sich nicht ableiten, Wildkräuter seien generell nährstoffärmer, und solitäre Bienen nutzten verschiedene Pollen unterschiedlich.

252Samen je Blütenstand im Mittel unter sehr günstigen Bedingungen (Stewart-Wade et al. 2002)
2.137 µgNektarzucker je Blütenstand im Mittel (Hicks et al. 2016)
37Bienenarten an Löwenzahn und Weißklee in Rasen von Kentucky (Larson et al. 2014)

Rasen, Wiese und Herbizide

Dass jedes Blütenangebot im Siedlungsraum zählt, hat einen ernsten Hintergrund: Hallmann et al. (2017) maßen 27 Jahre lang in 63 deutschen Schutzgebieten die Biomasse fliegender Insekten und schätzen den Rückgang auf 76 Prozent im Saisonmittel. Ob Löwenzahn dagegen hilft, zeigt die Studie nicht. Mehr zum Thema steht im Eintrag zum Insektensterben.

Bei Lerman und Milam (2016) blühten in 17 Vorstadtgärten in Massachusetts ohne Pestizide und Herbizide vor allem Löwenzahn und Klee. Dort fingen sie 5.331 Bienen aus 111 Arten. Ein Mähversuch in 16 Gärten (Lerman et al. (2018)) zeigte, dass Rasen mit dreiwöchigem Schnitt bis zu 2,5-mal mehr Blüten trugen als häufiger gemähte. Die meisten Bienen zählte das Team jedoch bei zweiwöchigem Schnitt, die geringste Artenvielfalt ebenfalls. Mehr Blüten bedeuten also nicht automatisch mehr Arten. Herbizide gehören zu den Pestiziden.

Wo Löwenzahn stört

Stewart-Wade et al. (2002) nennen auch die Nachteile: Er unterbricht die Gleichmäßigkeit von Rasen, kann Erträge von Nutzpflanzen mindern, verlangsamt das Trocknen von Heu und dient mehreren Schädlingen und Krankheiten als Ersatzwirt. Sein Pollen ist als Allergen in Honig beschrieben und kann Kontaktdermatitis auslösen. Dass er Honigbienen von Obstblüten abzieht, bestätigte eine dort zitierte Studie aus Ontario nicht: Selbst bei 28 Löwenzahn- je Apfelblütenstand stammte über 90 Prozent des gesammelten Pollens vom Apfel. Was als Störung gilt, hängt vom Ort ab.

Essen und Sammeln

Rohe Löwenzahnblätter enthalten laut USDA FoodData Central je 100 Gramm unter anderem 187 Milligramm Calcium, 35 Milligramm Vitamin C und 778 Mikrogramm Vitamin K. Wer Warfarin einnimmt, bekommt laut Booth und Centurelli (1999) üblicherweise die Anweisung, die Vitamin-K-Zufuhr gleichmäßig zu halten. Größere Mengen Löwenzahnblätter gehören deshalb vorab mit der behandelnden Praxis besprochen.

Sammeln darf jede Person nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz Blumen sowie Tee- und Heilkräuter in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf, pfleglich und an Stellen ohne Betretungsverbot. Nach Stewart-Wade et al. (2002) reichert Löwenzahn in Blättern und Wurzeln Metalle an, unter anderem Blei, Cadmium und Quecksilber, und dient deshalb als Biomonitor (Anzeiger für Umweltbelastung). Zur Vorsicht empfiehlt sich daher, nicht an stark befahrenen Straßen oder auf belasteten Böden zu sammeln und nur dort, wo nicht gespritzt wurde.

Heilpflanze: was die EMA sagt

Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) beschreibt Löwenzahnblätter in einer Monografie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel: zur Erhöhung der Harnmenge als Hilfe bei leichten Harnwegsbeschwerden, ausschließlich aufgrund langer Anwendung. Für Löwenzahnwurzel mit Kraut nennt die Monografie ebenfalls traditionell leichte Verdauungsbeschwerden und vorübergehenden Appetitverlust. Der Bewertungsbericht zu den Blättern fand keine klinischen Studien, deshalb sei ein „well-established use“ nicht belegbar. Gegenanzeigen sind eine Allergie gegen Korbblütler sowie Erkrankungen der Gallenwege oder der Leber, Gallensteine und ein aktives Magengeschwür. Bei Nierenversagen, Diabetes oder Herzschwäche soll die Anwendung wegen möglicher Hyperkaliämie (zu viel Kalium im Blut) unterbleiben. Für Kinder unter 12 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit wird sie nicht empfohlen.

Was „traditionell“ bedeutet

Die Einstufung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel beruht auf dokumentierter Anwendung über mindestens 30 Jahre, nicht auf einem Wirksamkeitsnachweis in Studien. Die Monografie rät, bei Beschwerden über mehr als 2 Wochen oder bei Fieber, Beschwerden beim Wasserlassen, Krämpfen oder Blut im Urin ärztlichen Rat einzuholen.

Löwenzahn ist ein früher Nahrungsspender für Insekten und zugleich ein Gewächs, das je nach Ort stört oder nützt.

Kerngedanke

Quellen: Stewart-Wade et al. (2002), Canadian Journal of Plant Science 82 / Majeský et al. (2012), PLOS ONE 7 / Macháčková et al. (2018), Comparative Cytogenetics 12 / Hicks et al. (2016), PLOS ONE 11 / Larson et al. (2014), Journal of Insect Conservation 18 / Loper und Cohen (1987), Journal of Economic Entomology 80 / Lerman und Milam (2016), Annals of the Entomological Society of America 109 / Lerman et al. (2018), Biological Conservation 221 / Hallmann et al. (2017), PLOS ONE 12 / EMA: Taraxaci folium, Monographie EMA/HMPC/579636/2008 und Bewertungsbericht EMA/HMPC/579634/2008 / EMA: Taraxaci radix cum herba, Monographie EMA/HMPC/212895/2008 / USDA FoodData Central: Dandelion greens, raw (SR Legacy, 169226) / Booth und Centurelli (1999), Nutrition Reviews 57 / Bundesnaturschutzgesetz, § 39 / DWDS: Löwenzahn, Etymologisches Wörterbuch (Pfeifer)

Mehr dazu im Blogartikel Löwenzahn: Warum das gelbe Wildkraut wertvoller ist als sein Ruf.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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