Kompakt erklärt
Am 25. März 1911 brach im achten Stock einer New Yorker Bekleidungsfabrik, der Triangle Shirtwaist Company, ein Feuer aus. Die meisten der 146 Todesopfer waren minderjährige Mädchen aus Einwandererfamilien, die auf engstem Raum Blusen nähten. Weil die Fabrikbesitzer die Ausgangstüren während der Arbeitszeit verschlossen hatten, um Diebstahl und unerlaubte Pausen zu verhindern, konnten viele Arbeiterinnen nicht fliehen. Einige sprangen aus den oberen Stockwerken in den Tod, vor den Augen von Passant*innen auf der Straße.
Die Feuerwehrleitern reichten nur bis zum sechsten Stock, eine Feuertreppe war verrostet und brach unter dem Gewicht der Flüchtenden zusammen. Die Fabrikbesitzer wurden später vom Vorwurf der Fahrlässigkeit freigesprochen, weil ihnen nicht nachgewiesen werden konnte, von den verschlossenen Türen gewusst zu haben.
Für Neugierige
Die öffentliche Empörung über die Katastrophe war so groß, dass sie zu einer der folgenreichsten Wellen von Arbeitsschutzgesetzen in der US-Geschichte führte: Zwischen 1911 und 1914 verabschiedete der Bundesstaat New York über 30 neue Gesetze, darunter Pflicht-Feuerübungen, verbindliche Sprinkleranlagen, unverschlossene Notausgänge und regelmäßige Sicherheitsinspektionen.
Der Fall zeigt eine Parallele, die sich bis heute in der globalen Modeindustrie wiederholt: Über hundert Jahre später führte der Einsturz der Rana-Plaza-Katastrophe in Bangladesch 2013 zu ganz ähnlichen Reaktionen, internationalem Druck, neuen Sicherheitsstandards und dem [Bangladesh-Abkommen (Accord)]. Die geografische Verlagerung der Produktion in Länder mit schwächerer Regulierung bedeutet, dass sich solche Tragödien wiederholen können, wenn Sicherheitsstandards nicht global durchgesetzt werden.
Quelle: Wikipedia: Triangle Shirtwaist Factory
Verwandte Begriffe: Rana-Plaza-Katastrophe · Bangladesh-Abkommen (Accord) · Näherinnen (Berufsbild & Arbeitsbedingungen) · Existenzlohn · Gewerkschaftsfreiheit in der Textilindustrie



