Antifaschismus & Demokratie

Triangle-Shirtwaist-Fabrikbrand

Am 25. März 1911 starben in New York 146 Beschäftigte der Triangle Waist Company. Ablauf, Prozess und die Gesetze, die darauf folgten.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 16.10.2026
Auf einen Blick

Datum
Samstag, 25. März 1911, kurz vor Feierabend
Ort
Asch Building, Greenwich Village, New York
Todesopfer
146 von rund 500 Beschäftigten
Folge
Factory Investigating Commission, 36 verabschiedete Gesetze

Einfach erklärt

Am Samstag, dem 25. März 1911, brach kurz vor Feierabend in der Triangle Waist Company in New York ein Feuer aus. Die Firma stellte Blusen her, englisch Shirtwaists, und belegte das achte, neunte und zehnte Stockwerk des Asch Building. Von den rund 500 Beschäftigten starben 146 (Cornell University, Kheel Center). Die Beschäftigten waren überwiegend junge Frauen, meist kürzlich eingewanderte Italiener:innen und europäische Jüd:innen. Manche waren erst 14 Jahre alt.

Beschäftigte sagten später aus, sie hätten die Tür zum Treppenhaus an der Washington Place nicht öffnen können. Die Besitzer hatten Ausgangstüren nach Darstellung des Kheel Center früher häufig verschlossen, mit der Begründung, Beschäftigte würden Material stehlen. Dazu kamen eine Feuertreppe, die ins Leere führte, und Feuerwehrleitern, die nur bis zum sechsten Stock reichten. Viele Menschen sprangen aus den Fenstern.

Der Brand gilt als Wendepunkt des Arbeitsschutzes in den USA. Er führte zu einer staatlichen Untersuchungskommission und zu 36 neuen Gesetzen im Bundesstaat New York. Die Besitzer wurden strafrechtlich nicht verurteilt.


Ausführlich erklärt

Die Arbeit vor dem Feuer

Das Kheel Center der Cornell University beschreibt die Triangle Waist Company als typischen Ausbeutungsbetrieb (englisch sweatshop): niedrige Löhne, überlange Arbeitszeiten, unhygienische und gefährliche Bedingungen. Die Besitzer Max Blanck und Isaac Harris vergaben einen Teil der Arbeit an Subunternehmer, die Löhne nach Belieben festlegten.

Schon 1909 hatte eine spontane Arbeitsniederlegung die rund 400 Beschäftigten des Betriebs erfasst. Die Women’s Trade Union League half den jungen Frauen beim Streikposten, und auf einer Versammlung in der Cooper Union rief die junge Clara Lemlich zum Generalstreik auf. Der Streik der Mantelmacher:innen 1910 brachte ein Beschwerdesystem für die Branche. Triangle selbst war ein Betrieb ohne Gewerkschaft, auch wenn einzelne Beschäftigte der Internationalen Gewerkschaft der Damenbekleidungsarbeiter:innen (ILGWU) angehörten. Das Jewish Women’s Archive hält fest, dass die Firma die Forderungen von 1909 ablehnte und die meisten Gewerkschaftsmitglieder entließ. Wer sich äußerte, riskierte nach dem Kheel Center die Stelle, auf die Familien dringend angewiesen waren. Mehr zur Organisation in Betrieben steht unter Gewerkschaft und Streikrecht.

Die Opferliste, die der Forscher Michael Hirsch erarbeitet hat und die das Kheel Center veröffentlicht, nennt für alle 146 Toten ein Alter. Der jüngste Mensch war 14, der älteste 43 Jahre alt. 30 der Toten waren jünger als 18, 116 waren zwischen 14 und 23. Laut Liste starben 129 Frauen und Mädchen sowie 17 Männer. Als Geburtsland nennt sie bei 74 Personen Russland (im Kaiserreich, also mit den heutigen Gebieten Polens und der Ukraine), bei 38 Italien und bei 15 Österreich.

146Tote bei rund 500 Beschäftigten
30der Toten waren unter 18 Jahre alt
36Gesetze der Untersuchungskommission wurden verabschiedet

Der Brand und die Fluchtwege

Inhaltshinweis

Der folgende Abschnitt beschreibt den Tod von Menschen im Feuer, auch durch Sprünge aus Fenstern. Er darf übersprungen werden.

Das Feuer brach auf den oberen Stockwerken aus, der Notruf ging um 16:45 Uhr ein. Das Jewish Women’s Archive schildert, dass viele Beschäftigte der achten Etage über die Treppe entkamen und die der zehnten auf das Dach, während die Menschen im neunten Stock eingeschlossen waren. Beschäftigte berichteten, sie hätten vergeblich versucht, die Tür zum Treppenhaus an der Washington Place zu öffnen. Die Treppe an der Greene Street stand in Flammen. Üblicherweise war nur der Ausgang an der Greene Street offen, an dem die Taschen der Beschäftigten kontrolliert wurden, um Diebstahl zu verhindern.

Die Feuertreppe des neunten Stocks führte laut Kheel Center praktisch ins Nichts und bog sich unter dem Gewicht der Fliehenden. Die Leitern der Feuerwehr reichten nicht über den sechsten Stock, die Wasserstrahlen ebenso wenig, und die Sprungtücher reichten nicht aus, um die Stürze abzufangen. Viele Menschen sprangen, um nicht zu verbrennen. Die Zahl 146 hat sich durchgesetzt. Zeitungen nannten damals je nach Ausgabe 141, 147 oder 148 Tote, und sechs Tote blieben bis 2011 namenlos, bis Michael Hirsch ihre Namen nach mehrjähriger Archivarbeit wiederfand.

Prozess und Urteil

Am 11. April 1911 klagte eine Grand Jury Blanck und Harris an, in sieben Punkten wegen Totschlags zweiten Grades nach Abschnitt 80 des Arbeitsgesetzes, der verbot, Türen während der Arbeitszeit zu verschließen. Der Prozess begann am 4. Dezember. Am 27. Dezember 1911 sprachen die Geschworenen die Besitzer frei.

Worum es im Prozess ging

Die Geschworenen mussten klären, ob die Besitzer wussten, dass die Türen verschlossen waren. Mehrere Beschäftigte sagten aus, sie hätten die Tür nicht öffnen können. Der Verteidiger Max Steuer säte laut Kheel Center genug Zweifel an diesen Aussagen, um einen Freispruch zu erreichen.

Angehörige und große Teile der Öffentlichkeit hielten den Freispruch für ungerecht. 23 Familien klagten zivilrechtlich. Am 11. März 1914 einigten sich Blanck und Harris auf 75 US-Dollar je verlorenem Leben. Im August 1913 wurde Blanck erneut angezeigt, weil er in seinem neuen Betrieb eine Tür während der Arbeitszeit verschlossen hatte. Er zahlte 20 Dollar Strafe, das Kheel Center vermerkt, der Richter habe sich bei ihm entschuldigt. 1918 stellte die Firma den Betrieb ein.

Die Reformen nach dem Brand

Dass auf den Brand Gesetze folgten, geht laut Kheel Center auf organisierten Druck zurück. Die National Women’s Trade Union League befragte Beschäftigte über Fabrikzustände und sammelte Hunderte Antworten. Sie gründete ein Bürgerkomitee, und auf einer Massenversammlung in der Metropolitan Opera forderten Tausende ein Amt für Brandverhütung. Frances Perkins, die den Brand erlebt hatte und später Arbeitsministerin der USA wurde, arbeitete in einem Komitee für öffentliche Sicherheit mit. Am 30. Juni 1911 beschloss der Staat New York, Mittel für die Factory Investigating Commission bereitzustellen, und im Oktober 1911 schuf der Stadtrat ein Amt für Brandverhütung.

Diese Kommission untersuchte nicht nur Brandschutz, sondern auch Löhne, Arbeitszeiten, Kinderarbeit und Hygiene, im ganzen Bundesstaat. Sie hörte 222 Zeug:innen an und sammelte rund 3.000 Seiten Aussagen. Im ersten Jahr entwarf sie 15 Gesetze, von denen sieben 1912 an republikanischem Widerstand scheiterten und später doch durchkamen. Im zweiten Jahr schlug sie 28 weitere vor, darunter die Pflicht, Fabriktüren während der Arbeitszeit unverschlossen zu lassen. Zudem wurde die Arbeitsbehörde gestärkt und ein Gremium mit Regelungsbefugnis geschaffen. Als die Kommission nach vier Jahren endete, hatte der Staat 36 ihrer Gesetze verabschiedet. Sie dienten anderen Bundesstaaten als Vorbild, und die Gesetzgebung des New Deal knüpfte rund 20 Jahre später mit teils denselben Personen an.

Die Reformen kamen nicht von den Besitzern, sondern vom Druck der Öffentlichkeit, den Gewerkschaften und Reformorganisationen in die Gesetzgebung trugen.

Kerngedanke

Was die Gesetze nicht lösten

Das Kheel Center betont, dass Sweatshops und unsichere Fabriken blieben und viele Besitzer weiter Türen verschlossen. Immobilien- und Herstellerinteressen erwirkten Ausnahmen, und in Wirtschaftskrisen wurden Budgets für Kontrolleur:innen gekürzt. Die gemeinsame Aufsichtsstelle von Gewerkschaft und Branche fand noch 1922 verschlossene Türen und versperrte Notausgänge. 1958 starben bei einem Brand in einer Bekleidungswerkstatt am Broadway (Monarch) 25 Beschäftigte, die im Obergeschoss ebenfalls nicht fliehen konnten.

Am 24. April 2013 stürzte das Rana-Plaza-Gebäude in Bangladesch ein. Die ILO nennt 1.138 Tote und mehr als 2.500 Verletzte. Danach entstand das Bangladesh-Abkommen (Accord), ein bindender Vertrag zwischen Marken und Gewerkschaften über Gebäudesicherheit. Wer die Näharbeit hinter heutiger Kleidung verstehen will, findet Hintergründe unter Näherinnen. Die ILGWU zog aus Triangle den Schluss, dass Beschäftigte Sicherheit über ihre Gewerkschaft selbst in ihre Forderungen aufnehmen müssen.

Merke

Das Feuer forderte 146 Tote, weil Fluchtwege nicht ausreichten oder versperrt waren. Strafrechtlich verurteilt wurde dafür niemand, geändert hat sich das Recht.

Quellen: Cornell University, Kheel Center: The Triangle Factory Fire, Fire! / Kheel Center: Sweatshops and Strikes / Kheel Center: Investigation and Trial / Kheel Center: Timeline / Kheel Center: Legislative Reform at State and Local Level / Kheel Center: Triangle Fire and the ILGWU / Kheel Center: Victims List / Kheel Center: Final Six Victims Identified in 2011 / Jewish Women’s Archive: Triangle Shirtwaist Fire / ILO: Rana Plaza, More needs to be done to ensure workplace safety (2021)


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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