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Desinformation

Desinformation einfach erklärt: Definition, Abgrenzung zu Misinformation und Malinformation, Verbreitung, Recht (DSA) und Gegenmittel.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 16.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Falsche oder irreführende Inhalte, die absichtlich erstellt oder verbreitet werden
Abgrenzung
Misinformation (Fehlinformation) geschieht ohne Schädigungsabsicht, Malinformation stützt sich auf wahre Tatsachen
Definitionen
Je nach Quelle zählt die Schädigungsabsicht (Wardle und Derakhshan) oder die Täuschungsabsicht (EU-Kommission)
Rechtlicher Rahmen
In der EU der Digital Services Act, in Deutschland die Grenzen der Meinungsfreiheit nach Artikel 5 Grundgesetz

Einfach erklärt

Desinformation bezeichnet falsche oder irreführende Inhalte, die absichtlich erstellt oder verbreitet werden. Entscheidend ist die Absicht: Wer Falsches weitergibt, ohne es als falsch zu erkennen, verbreitet Misinformation (auf Deutsch auch Fehlinformation). Wie die Absicht gefasst wird, unterscheidet sich je nach Quelle. Wardle und Derakhshan (2017) sprechen von Inhalten, die falsch sind und bewusst geschaffen werden, um einer Person, Gruppe, Organisation oder einem Land zu schaden. Die Mitteilung der EU-Kommission von 2018 nennt als Ziele den wirtschaftlichen Gewinn oder die vorsätzliche Täuschung der Öffentlichkeit.

Wardle und Derakhshan zeigen die Unterschiede am französischen Präsidentschaftswahlkampf 2017. Desinformation war eine täuschend echt nachgebaute Version der belgischen Zeitung Le Soir mit einem erfundenen Artikel über eine angebliche Finanzierung aus Saudi-Arabien. Misinformation entstand nach dem Angriff auf den Champs-Élysées am 20. April 2017: Auf sozialen Medien kursierte das Gerücht, ein zweiter Polizist sei getötet worden. Die Teilenden wollten laut Bericht meist helfen. Malinformation war die Veröffentlichung echter E-Mails aus dem Wahlkampf kurz vor der Stichwahl: echte Inhalte, strategisch eingesetzt.

Merke

Nicht jede falsche Aussage ist Desinformation. Es kommt darauf an, ob jemand sie absichtlich einsetzt, um zu täuschen oder zu schaden.


Ausführlich erklärt

Drei Begriffe, zwei Fragen

Wardle und Derakhshan (2017) ordnen Informationen nach zwei Fragen: Ist die Information falsch? Soll sie schaden? Desinformation ist falsch und absichtlich zum Schaden geschaffen. Misinformation ist falsch, aber nicht in Schädigungsabsicht entstanden. Malinformation beruht auf Tatsachen und wird eingesetzt, um zu schaden, oft indem Privates öffentlich gemacht wird. Der Bericht rechnet auch einige Formen von Hassrede dazu, weil Menschen dabei gezielt wegen ihrer Zugehörigkeit angegriffen werden.

Der Bericht betont, dass Urheberschaft, Herstellung einzelner Beiträge und Weiterverbreitung oft in verschiedenen Händen liegen, mit jeweils anderen Motiven. Dieselbe Falschmeldung kann bei den Urhebenden Desinformation sein und bei denen, die sie gutgläubig weiterleiten, Misinformation.

Den Ausdruck „Fake News“ verwenden die Autoren nicht: Er sei unzureichend, und Politikerinnen und Politiker weltweit setzten ihn gegen Nachrichtenorganisationen ein, deren Berichterstattung ihnen missfällt.

Wie die EU den Begriff fasst

Die Mitteilung der EU-Kommission von 2018 definiert Desinformation als nachweislich falsche oder irreführende Informationen, die mit dem Ziel des wirtschaftlichen Gewinns oder der vorsätzlichen Täuschung der Öffentlichkeit konzipiert, vorgelegt und verbreitet werden und öffentlichen Schaden anrichten können. Öffentlicher Schaden meint Bedrohungen für demokratische Prozesse und für Gesundheit, Umwelt und Sicherheit. Keine Desinformation sind demnach Irrtümer, Satire und Parodie sowie eindeutig gekennzeichnete parteiliche Nachrichten oder Kommentare.

Im Europäischen Aktionsplan für Demokratie von 2020 trennt die Kommission zusätzlich die Einflussnahme auf Informationen (koordinierte Bemühungen inländischer oder ausländischer Akteure, ein Publikum mit Täuschungsmitteln zu beeinflussen) und die Einmischung aus dem Ausland. Fehlinformationen lassen sich laut Dokument mit zuverlässigen Informationen bekämpfen, bei Schädigungsabsicht braucht es mehr.

Wie sich Falschmeldungen verbreiten

Vosoughi et al. (2018) untersuchten alle verifizierten wahren und falschen Nachrichten, die von 2006 bis 2017 auf Twitter verbreitet wurden, eingestuft anhand von sechs unabhängigen Faktencheck-Organisationen: rund 126.000 Geschichten, von etwa 3 Millionen Personen mehr als 4,5 Millionen Mal gepostet. Falsches verbreitete sich signifikant weiter, schneller, tiefer und breiter als Wahres, am stärksten bei falschen politischen Nachrichten. Automatisierte Konten beschleunigten wahre und falsche Meldungen gleich stark, entscheidend waren also menschliche Nutzende. Die Studie klassifiziert nach wahr und falsch, nicht nach Absicht, erfasst also Desinformation und Misinformation zusammen.

126.000Geschichten wertete die Twitter-Studie von Vosoughi et al. (2018) aus
80 %der Kontakte mit Fake-News-Quellen entfielen laut Grinberg et al. (2019) auf nur 1 % der Personen
45 Mio.monatlich aktive Nutzende in der EU: ab dieser Schwelle gelten Plattformen nach dem Digital Services Act als sehr groß

Wie wenige Konten viel ausmachen, zeigen Grinberg et al. (2019). Sie analysierten Twitter-Konten registrierter Wählender in den USA im Wahlkampf 2016. Auf 1 % der Personen entfielen 80 % der Kontakte mit Quellen, die Falschnachrichten verbreiten, und auf 0,1 % fast 80 % der geteilten Inhalte. Über das gesamte politische Spektrum kam der Großteil der politischen Nachrichten weiter aus etablierten Medien. Das gilt für diese Plattform und diesen Zeitraum. Zur Verfestigung in geschlossenen Umfeldern siehe Echokammer.

Warum Korrekturen so schwer sind

Lewandowsky et al. (2012) werteten die Forschung zu Falschinformationen und ihrer Korrektur aus. Ein Kernbefund: Berichtigungen sind im Gedächtnis oft wenig wirksam, und manche Korrekturversuche können Falschglauben sogar verstärken. Wirksame Verfahren gibt es dennoch, und die Studie leitet daraus Empfehlungen für die Gestaltung von Korrekturen ab. Eine Rolle spielen dabei auch kognitive Verzerrungen.

Ein dokumentierter Fall ist die Studie von 1998 über Darmerkrankungen und Entwicklungsstörungen bei Kindern. The Lancet (2010)60175-4) zog sie vollständig zurück, nachdem das Disziplinargremium der britischen Ärztekammer im Januar 2010 geurteilt hatte: Die Angaben, die Kinder seien der Reihe nach überwiesen und die Untersuchungen von der Ethikkommission genehmigt worden, seien nachweislich falsch. BMJ (2011) nannte den Artikel in einem Beitrag von Godlee, Smith und Marcovitch betrügerisch. Den angeblichen Zusammenhang zwischen Kinderimpfungen und Autismus führen Lewandowsky et al. (2012) als Beispiel für einen hartnäckigen Falschglauben an, der zu Impfverzicht und vermeidbaren Erkrankungen beigetragen hat. Wie zäh sich Fehlannahmen halten, zeigt auch der Blogartikel Vegane Mythen im Faktencheck.

Eine Korrektur muss gegen den Eindruck ankommen, der sich bereits festgesetzt hat.

Kerngedanke

Recht und Plattformen

In Deutschland ist Desinformation kein eigener Rechtsbegriff. Maßgeblich ist die Meinungsfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes. Das Bundesverfassungsgericht hielt im Beschluss vom 13. April 1994 (1 BvR 23/94, zu einer Versammlung, auf der die Leugnung der Judenverfolgung erwartet wurde) fest: Die bewusst oder erwiesen unwahre Tatsachenbehauptung wird nicht vom Schutz der Meinungsfreiheit umfasst. Zugleich darf die Wahrheitspflicht nicht so streng sein, dass zulässige Äußerungen aus Furcht vor Sanktionen unterbleiben. Lassen sich Tatsache und Wertung nicht trennen, gilt die Äußerung insgesamt als geschützte Meinung.

Auf EU-Ebene gilt der Digital Services Act (Verordnung (EU) 2022/2065) grundsätzlich seit dem 17. Februar 2024 (Artikel 93). Den Begriff Desinformation definiert er in den Begriffsbestimmungen (Artikel 3) nicht. Sehr große Online-Plattformen und Suchmaschinen (Artikel 33: mindestens 45 Millionen aktive Nutzende pro Monat in der EU, von der Kommission benannt) müssen aber mindestens einmal jährlich systemische Risiken bewerten, darunter rechtswidrige Inhalte, nachteilige Auswirkungen auf die gesellschaftliche Debatte und auf Wahlprozesse sowie auf Gesundheitsschutz und geschlechtsspezifische Gewalt (Artikel 34). Erwägungsgrund 83 nennt koordinierte Desinformationskampagnen zur öffentlichen Gesundheit, Erwägungsgrund 84 verlangt, die algorithmische Verstärkung irreführender Inhalte in den Risikobewertungen zu berücksichtigen.

Was der Begriff nicht sagt

Desinformation ist kein Etikett für Meinungen, die jemand ablehnt. Satire, Irrtümer und klar gekennzeichnete parteiliche Kommentare zählen nach der EU-Kommission nicht dazu, und Äußerungen, in denen Tatsache und Wertung verschmelzen, gelten als Meinung.

Wen Desinformation besonders trifft

Inhaltshinweis

Dieser Abschnitt nennt Feindbilder, die gegen queere Personen verbreitet werden. Er darf übersprungen werden.

Queere Gemeinschaften gehören laut EU-Auswärtigen Dienstes (EEAS, 2023) zu den Gruppen, gegen die manipulative Einflussnahme aus dem Ausland (FIMI) stark gerichtet ist. Der Bericht zählt 31 Fälle zwischen Juni 2022 und Juli 2023, erfasst in den östlichen EU-Nachbarstaaten, auf dem Westbalkan und im südlichen Nachbarschaftsraum. Fast 80 % davon zogen westliche Regierungen, die ukrainische Regierung, Organisationen oder die EU heran, um queere Gemeinschaften herabzusetzen. Mehr als die Hälfte der Fälle wurde Russland zugeschrieben, bei 45 % waren die Kanäle zuvor nicht zugeordnet. Laut Bericht belegen die Daten keine allgemeinen Trends. Als besonders spaltungsträchtig nennt er unter anderem trans Rechte. Wie sich solche Feindbilder im Alltag auswirken, beschreibt der Eintrag zu Queerfeindlichkeit.

Was Studien zur Gegenwehr zeigen

Roozenbeek et al. (2022) entwickelten fünf kurze Videos, die Zuschauende über Manipulationstechniken aufklären: emotionalisierende Sprache, Unstimmigkeiten, falsche Gegensätze, Sündenböcke und persönliche Angriffe. In sieben vorab registrierten Studien (sechs Zufallsexperimente mit 6.464 Teilnehmenden, eine Feldstudie auf YouTube mit 22.632) erkannten die Teilnehmenden Manipulationstechniken besser, unterschieden vertrauenswürdige von unglaubwürdigen Inhalten sicherer und teilten bewusster, über das politische Spektrum hinweg. Der Ansatz setzt vor der Falschmeldung an: Er macht Techniken erkennbar, statt einzelne Behauptungen zu widerlegen. Zur Zuspitzung auf Wissenschaftsfeindlichkeit siehe die Einträge Wissenschaftsleugnung und Klimaleugnung.

Quellen: Wardle, C. und Derakhshan, H. (2017), Information Disorder, Europarat DGI(2017)09 / Europäische Kommission (2018), Bekämpfung von Desinformation im Internet, COM(2018) 236 / Europäische Kommission (2020), Europäischer Aktionsplan für Demokratie, COM(2020) 790 / Verordnung (EU) 2022/2065 (Digital Services Act) / Bundesverfassungsgericht (1994), Beschluss 1 BvR 23/94 / Vosoughi et al. (2018), Science 359 / Grinberg et al. (2019), Science 363 / Lewandowsky et al. (2012), Psychological Science in the Public Interest 13 / Roozenbeek et al. (2022), Science Advances 8 / Retraction, The Lancet 375 (2010) / Godlee, Smith und Marcovitch (2011), BMJ 342 / EEAS Stratcom (2023), FIMI targeting LGBTIQ+ people


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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