Entwaldung


Kompakt erklärt

Entwaldung bezeichnet die dauerhafte Umwandlung von Waldflächen in andere Nutzungsformen: Ackerland, Weideland, Bergbaugebiete oder Siedlungen. Weltweit werden jedes Jahr Millionen Hektar Wald gerodet. Allein im Amazonasbecken verloren laut INPE (Brasilianisches Weltraumforschungsinstitut) zwischen 2000 und 2020 über 400.000 km² ihren Baumbestand.

Das hat weitreichende Folgen. Wälder sind riesige Kohlenstoffspeicher. Werden sie gerodet und oft auch verbrannt, wird das gespeicherte CO₂ freigesetzt. Gleichzeitig geht Lebensraum für Millionen Tier- und Pflanzenarten verloren. Entwaldung ist eine der Hauptursachen des Artensterbens. Der wichtigste Treiber weltweit ist die Ausweitung von Landwirtschaft, vor allem für Rindfleisch und Sojaanbau. Soja wird dabei größtenteils als Tierfutter verwendet.


Für Neugierige

Wissenschaftlich unterscheidet man zwischen Bruttoentwaldung (gesamte verlorene Fläche) und Nettoentwaldung (verlorene minus wiederaufgeforstete Fläche). Letztere kann irreführend sein, da eine Monokultur-Plantage ökologisch nicht einem Primärwald entspricht. Primärwälder, die nie oder kaum durch Menschen verändert wurden, sind besonders wertvolle Ökosysteme und nur begrenzt regenerierbar.

Der IPCC stuft den Schutz und die Wiederherstellung von Wäldern als eine der kosteneffizientesten Klimaschutzmaßnahmen ein. Politisch reagiert die EU mit der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR, 2023). Sie schreibt vor, dass Produkte wie Kaffee, Kakao, Soja, Palmöl, Rindfleisch und Holz keine Entwaldung verursacht haben dürfen. Die Umsetzung ist komplex. Aber der Schritt macht deutlich: Konsum im Globalen Norden hat direkten Einfluss auf Waldverlust im Globalen Süden.

Quellen: INPE, PRODES Deforestation Monitoring System; IPCC AR6, Chapter 7 – Forests (2022); EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) 2023/1115.


Verwandte Begriffe: Artenschutz · Biodiversität · Artensterben · Klimagerechtigkeit · Regenwald