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Feminismus

Feminismus einfach erklärt: Herkunft des Wortes, Wellen, intersektionaler und trans-inklusiver Ansatz sowie aktuelle Zahlen zur Gleichstellung.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 15.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Bewegungen und Theorien, die Benachteiligung wegen des Geschlechts beenden und gleiche Rechte, Chancen und Selbstbestimmung durchsetzen wollen
Wortgeschichte
1882 gibt Hubertine Auclert dem zuvor abwertend gebrauchten französischen „féminisme“ einen positiven Sinn
Wellenmodell
Erste Welle ab dem 19. Jahrhundert (Wahlrecht), zweite ab den 1960ern, dritte ab den 1990ern, vierte umstritten
Haltung dieser Seite
Inklusiv und intersektional: trans Frauen sind Frauen, trans Männer, nichtbinäre und inter Personen sind mitgedacht
Nicht gemeint
Hass auf Männer oder ein einheitliches Programm

Einfach erklärt

Feminismus ist der Sammelbegriff für politische Bewegungen und Theorien, die Benachteiligung wegen des Geschlechts erkennen und beenden wollen. Im Kern steht die Kritik am Patriarchat, also an einer Ordnung, in der Männlichkeit mit Macht und Weiblichkeit mit Unterordnung verbunden wird. Feministische Anliegen reichen vom Wahlrecht über gleiche Bezahlung und unbezahlte Sorgearbeit bis zum Schutz vor Gewalt und zur Selbstbestimmung über Körper und Geschlecht.

Feminismus ist keine einheitliche Lehre. Er umfasst liberale, sozialistische, Schwarze, queere und ökologische Strömungen, die sich auch widersprechen. Auf dieser Seite gilt ein inklusiver und intersektionaler Feminismus: Er meint alle Frauen, trans Frauen eingeschlossen, und wendet sich zugleich gegen eine Geschlechterordnung, die auch trans Männer, nichtbinäre und inter Personen trifft. Verwandte Begriffe sind Sexismus und Misogynie.

Merke

Feminismus richtet sich gegen eine Ordnung, nicht gegen Männer als Gruppe. Er fragt, wer wegen seines Geschlechts Rechte, Geld, Zeit oder Sicherheit verliert, und will das ändern.


Ausführlich erklärt

Woher das Wort kommt

Das Wort „féminisme“ ist älter als seine heutige Bedeutung. Laut dem Pariser Centre Hubertine Auclert eignete sich die Frauenrechtlerin Hubertine Auclert den Begriff 1882 an, den Gegner der Sache bis dahin abwertend benutzt hatten, und gab ihm einen positiven Sinn für den Kampf um bessere Lebensbedingungen von Frauen. Dass der Sozialist Charles Fourier das Wort geprägt habe, gilt laut derselben Stelle als Irrtum. Verbreitet hat es die französische Presse 1892 anlässlich des „Congrès général des sociétés féministes“ in Paris.

Die Wellen: eine Ordnungshilfe

Das Wellenmodell sortiert Feminismus in Phasen. Es hilft beim Überblick, glättet aber vieles.

Erste Welle (19. Jahrhundert bis 1918). 1848 beriefen Frauenrechtlerinnen im US-amerikanischen Seneca Falls ein Treffen ein, für das Elizabeth Cady Stanton gemeinsam mit Mary Ann M’Clintock die „Declaration of Sentiments“ entwarf. Sie kritisiert unter anderem den minderen Rechtsstatus von Frauen, auch das fehlende Wahlrecht. In Deutschland forderte laut dem Deutschen Historischen Museum Louise Otto-Peters im Zuge der Revolution 1848/49 als Erste das Frauenwahlrecht. Hedwig Dohm formulierte es 1876 in „Der Frauen Natur und Recht“ ausdrücklich. Die Verordnung über die Wahlen zur Nationalversammlung vom 30. November 1918 machte alle deutschen Männer und Frauen ab 20 Jahren wahlberechtigt, bei der Wahl am 19. Januar 1919 zogen 37 Frauen ins Parlament ein, knapp 10 Prozent der Abgeordneten.

Zweite Welle (ab den 1960ern). Gleichberechtigung stand im Grundgesetz, aber nicht im Alltag. Der Hauptausschuss des Parlamentarischen Rates nahm den Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ am 18. Januar 1949 einstimmig auf, nachdem Elisabeth Selbert öffentlich dafür geworben hatte. Das Gleichberechtigungsgesetz trat erst am 1. Juli 1958 in Kraft, und die Ehefrau durfte laut bpb nur arbeiten, wenn sie ihre Pflichten in Ehe und Familie nicht vernachlässigte. Erst die Reform des Ehe- und Familienrechts, 1976 beschlossen und 1977 in Kraft getreten, beendete die Einwilligung des Ehemannes. 1994 kam in Artikel 3 Absatz 2 der Satz hinzu, dass der Staat die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung fördert und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirkt.

Dritte Welle (ab den 1990ern). Rebecca Walker schrieb 1992 in der Zeitschrift „Ms.“ den Essay „Becoming the Third Wave“, der laut Alison Piepmeier den hartnäckigen Sexismus der frühen 1990er dokumentiert und junge Feministinnen zum Handeln aufruft. Sein Schlusssatz grenzt die dritte Welle vom „Postfeminismus“ ab.

Vierte Welle? Ob es eine vierte Welle gibt, ist umstritten. Ealasaid Munro fragte 2013 in der Zeitschrift „Political Insight“, ob die wachsende Bedeutung des Internets für feministischen Aktivismus einen Wechsel von der dritten zur vierten Welle markiert.

Intersektional: warum eine Achse nicht reicht

Schon die Schwarzen Feministinnen des Combahee River Collective, die sich seit 1974 trafen, erklärten 1977, sie kämpften gegen rassistische, sexuelle, heterosexuelle und Klassenunterdrückung und gingen davon aus, dass die großen Unterdrückungssysteme ineinandergreifen. Kimberlé Crenshaw zeigte 1989 am Beispiel des Falls DeGraffenreid gegen General Motors, wie ein Denken in einer einzigen Achse, das Antidiskriminierungsrecht, feministische Theorie und antirassistische Politik prägt, Schwarze Frauen unsichtbar macht. Daraus entstand die Intersektionalität. Für Feminismus heißt das: Rassismus, Klassismus und Behindertenfeindlichkeit (siehe Disability Justice) sind keine Nebenthemen, sondern verändern, was Gleichstellung konkret bedeutet.

Eine Gleichstellung, die nur den am besten gestellten Frauen nützt, ist keine.

Kerngedanke

Wer gehört dazu: trans, nichtbinär, inter

Ein Feminismus, der Geschlecht als gesellschaftliche Ordnung versteht, kann trans Frauen nicht ausschließen. Die Istanbul-Konvention des Europarats von 2011 definiert „Geschlecht“ in Artikel 3 als „gesellschaftlich geprägte Rollen, Verhaltensweisen, Tätigkeiten und Merkmale“, und Artikel 4 Absatz 3 verlangt, ihre Maßnahmen ohne Diskriminierung unter anderem wegen der Geschlechtsidentität umzusetzen. Auch Sexismus und starre Rollenbilder treffen mehr als cis Frauen: trans Männer, nichtbinäre und inter Personen erleben, wie die Zweiteilung in „männlich“ und „weiblich“ ihre Körper und Biografien bewertet (siehe Heteronormativität, Cissexismus, Transidentität, nichtbinär und Intergeschlechtlichkeit). Rechtlich ist Deutschland diesen Weg zuletzt mit dem Selbstbestimmungsgesetz gegangen, das seit dem 1. November 2024 gilt und laut § 1 die Geschlechtszuordnung von der Einschätzung Dritter lösen soll.

Strömungen, die trans Frauen aus dem Feminismus ausschließen, werden oft mit der Abkürzung TERF bezeichnet (trans-exklusiver radikaler Feminismus). Sie gehören nach dem Verständnis dieser Seite nicht zum Feminismus, den das Lexikon beschreibt. Der Widerspruch ist inhaltlich: Wer Frauenrechte verteidigt und dafür einer Gruppe von Frauen die Zugehörigkeit abspricht, wendet das Gleichheitsversprechen nur selektiv an.

Wo Gleichstellung heute steht

16 %geringerer durchschnittlicher Bruttostundenverdienst von Frauen 2025 (Destatis, unbereinigt)
44,3 %Gender Care Gap 2022: Frauen leisten so viel mehr unbezahlte Arbeit als Männer (Destatis)
171 Jahrebis zur Erreichung von SDG 5 bei heutigem Tempo (UN Women, Gender Snapshot 2026)

Laut Statistischem Bundesamt verdienten Frauen 2025 mit 22,81 Euro pro Stunde 4,24 Euro weniger als Männer (27,05 Euro). Mit vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie bleiben 6 Prozent. In Ostdeutschland lag die unbereinigte Lücke bei 5 Prozent, im Westen bei 17 Prozent. Beim Gender Care Gap lagen Frauen 2022 bei knapp 30 Wochenstunden unbezahlter Arbeit, Männer bei knapp 21 Stunden, der Abstand betrug 44,3 Prozent (2012/13: 52,4 Prozent). Weltweit liegt nach dem Gender Snapshot 2026 von UN Women keines der Ziele von SDG 5 auf Kurs, bei heutigem Tempo dauert es 171 Jahre. Von 131 Ländern haben 51 Prozent erhebliche Rechtslücken, kein Land hat volle rechtliche Gleichstellung erreicht. Diese Statistiken unterscheiden nur Frauen und Männer. Wie nichtbinäre und inter Personen betroffen sind, zeigen sie nicht.

Kritik und Grenzen

Feminismus wird von innen und außen kritisiert. Der Vorwurf, er habe lange vor allem die Erfahrungen weißer Frauen in den Mittelpunkt gestellt, hat zu intersektionalen Ansätzen geführt. Dem Vorwurf des Männerhasses steht entgegen, dass der Begriff Strukturen beschreibt, nicht Einzelne.

Was der Begriff nicht sagt

Feminismus verlangt nicht, dass alle Frauen gleich leben oder denken. Kritisch wird es, wenn Unterschiede zu Rangfolgen und Pflichten werden.

Was du tun kannst

  1. Halte eine Woche lang fest, wer im Haushalt oder Team welche Sorgearbeit übernimmt, und sprich die Verteilung offen an.
  2. Frage bei Gehaltsverhandlungen und Beförderungen nach, wie Bezahlung und Aufstieg festgelegt werden.
  3. Prüfe bei Veranstaltungen und Texten, ob trans, nichtbinäre und inter Personen, Schwarze Frauen und Frauen mit Behinderung vorkommen und mitreden können.

Quellen: Centre Hubertine Auclert: Biografie Hubertine Auclert / National Park Service (USA): The Declaration of Sentiments / Deutsches Historisches Museum: Einführung des Frauenwahlrechts / Deutscher Bundestag: Reichswahlgesetz vom 30. November 1918 / Wissenschaftliche Dienste des Bundestages (2024): Vor 75 Jahren, Gleichberechtigung im Grundgesetz / Artikel 3 Grundgesetz / bpb (2026): Bundestag reformiert das Ehe- und Familienrecht / Combahee River Collective (1977): Statement / Crenshaw, K. (1989): Demarginalizing the Intersection of Race and Sex. University of Chicago Legal Forum (nur Zusammenfassung und Einleitung gelesen) / Piepmeier, A. (2006): Postfeminism vs. the Third Wave (zu Walker, Ms., 1992) / Munro, E. (2013): Feminism: A Fourth Wave? Political Insight 4 (2) / Destatis (2025): Gender Pay Gap 2025 unverändert bei 16 % / Destatis (2024): Gender Care Gap 2022 / UN Women (2026): The Gender Snapshot 2026 / Europarat: Istanbul-Konvention (2011), Artikel 3 und 4, deutsche Fassung / § 1 Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) / § 15 SBGG

Wie sich Hitze und Armut auf Frauen und andere benachteiligte Gruppen auswirken, zeigt der Blogartikel Hitze trifft nicht alle gleich: Warum chronisch Kranke, Ältere und Menschen in Armut besonders leiden.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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