Einfach erklärt
Geplante Obsoleszenz (von lat. obsolescere: veralten) beschreibt die Strategie, Produkte bewusst so zu gestalten, dass sie nach einer bestimmten Zeit aufhören zu funktionieren oder unattraktiv wirken, damit Verbraucher*innen schneller neu kaufen.
Es gibt drei Hauptformen: Bei technischer Obsoleszenz hört ein Gerät gezielt nach einer festgelegten Zeit auf zu funktionieren: klassisch sind Drucker, die nach einer bestimmten Seitenanzahl blockieren, oder Akkus, die bewusst schlecht tauschbar sind. Psychologische Obsoleszenz entsteht durch Trends und Modewechsel: Das alte Modell wirkt veraltet, obwohl es technisch einwandfrei ist. Softwarebasierte Obsoleszenz tritt auf, wenn Geräte keine Updates mehr erhalten und dadurch langsam unbenutzbar werden.
Die Folgen sind enorm: Rund 62 Millionen Tonnen Elektroschrott fielen laut dem Global E-Waste Monitor 2024 weltweit an, ein neuer Rekord. Davon werden weniger als 25 % offiziell recycelt.
Ausführlich erklärt
Der Begriff wurde in den 1920er und 1930er Jahren in der US-Wirtschaft geprägt und zunächst als Konjunkturmittel diskutiert. Dokumentiert ist das Phoebus-Kartell (1924–1940), in dem führende Glühbirnenhersteller (darunter Osram, General Electric und Philips) die Lebensdauer ihrer Produkte künstlich auf rund 1.000 Stunden begrenzten, obwohl technisch 2.500 Stunden möglich gewesen wären.
In der EU-Ökodesign-Verordnung (schrittweise umgesetzt seit 2021) werden Reparierbarkeit und Ersatzteilversorgungspflicht zunehmend verankert. Frankreich hat geplante Obsoleszenz als Straftatbestand definiert. Politisch gewinnt das Right to Repair (Recht auf Reparatur) in der EU und den USA an Fahrt.
Was oft unerwähnt bleibt: Ein Großteil des Elektroschrotts aus dem Globalen Norden landet in Ländern des Globalen Südens (Länder mit begrenzten wirtschaftlichen Ressourcen infolge kolonialer Geschichte und globaler Machtstrukturen), etwa in Ghana, Nigeria oder Indien, wo er unter gesundheitsschädlichen Bedingungen zerlegt wird. Geplante Obsoleszenz ist damit auch eine Frage globaler Gerechtigkeit, nicht nur ein Konsumproblem.
Die eigentliche Frage ist strukturell: Ein Wirtschaftssystem, das auf ständigem Wachstum durch Konsum aufgebaut ist, hat einen systemischen Anreiz, Produkte vergänglich zu machen.
Quelle: Global E-Waste Monitor 2024 (UNITAR/ITU/UNEP) / Europäische Kommission: Ökodesign-Verordnung (2022)
Warum Reparieren oft die nachhaltigere Wahl ist als Wegwerfen und Neukaufen: Die Repair-Café-Bewegung: Warum Reparieren das neue Kaufen ist.
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