Agroforstwirtschaft


Einfach erklärt

Agroforstwirtschaft kombiniert Ackerbau oder Tierhaltung mit Gehölzen auf derselben Fläche. Bäume und Sträucher stehen zwischen Getreide, Gemüse oder Weidegras, nicht als störendes Element, sondern als Teil des Systems. Das ist keine neue Erfindung: Kleinbäuerliche und indigene Gemeinschaften weltweit haben so über Jahrhunderte gewirtschaftet. Industrialisierung und Flurbereinigung haben dieses Wissen in Europa weitgehend verdrängt.

Die Vorteile sind vielfältig: Bäume stabilisieren den Boden, speichern Wasser, binden CO₂ und bieten Lebensraum für Insekten und Vögel. Sie beschatten Tiere und Kulturen an heißen Tagen, schützen vor Winderosion und verbessern das Mikroklima auf dem Feld. Gleichzeitig können die Bäume selbst Ertrag bringen: Obst, Nüsse, Holz.

Agroforstwirtschaft ist damit eine der wenigen landwirtschaftlichen Methoden, die gleichzeitig produktiv und ökologisch regenerativ sein kann. Sie verknüpft Klimaschutz, Biodiversität und Ernährungssicherung, ohne dass eine dieser Dimensionen auf Kosten der anderen geht.


Ausführlich erklärt

In Deutschland wird Agroforstwirtschaft kaum gefördert. Das EU-Subventionssystem ist auf einheitliche, maschinell bewirtschaftbare Flächen ausgelegt. Bäume gelten im Agrarsystem als Flächenabzug. Erst seit einigen Jahren gibt es vorsichtige politische Signale, das zu ändern: Im Rahmen der GAP-Reform werden Agroforstflächen zumindest nicht mehr automatisch aus der Förderung ausgeschlossen.

Woanders ist das Bild anders. In West- und Zentralafrika sind agroforstliche Systeme weit verbreitet und gelten als zentrale Strategie gegen Desertifikation. In Costa Rica hat Agroforstwirtschaft geholfen, einst abgeholzte Regionen wieder zu begrünen, während die Landwirtschaft weiterlief.

Das Potenzial ist groß, aber es braucht Rahmenbedingungen, die Langfristigkeit belohnen statt bestrafen. Ein Baum bringt seinen Ertrag erst nach Jahren. Das passt schlecht zu einem Fördersystem, das auf Jahresbasis abrechnet. Ob der politische Wille dazu wirklich vorhanden ist, zeigt sich an den konkreten Förderprogrammen. Das ist auch eine Frage, wie ernst Renaturierung und Artenvielfalt wirklich genommen werden.

Quelle: FAO, Agroforestry for Sustainable Development (2019); FONAFIFO Costa Rica, Pago por Servicios Ambientales (Zahlungen für Umweltdienstleistungen).


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