Nachhaltigkeit

Agroforstwirtschaft

Agroforstwirtschaft verbindet Bäume mit Ackerbau oder Tierhaltung. Begriff, Förderung in Deutschland (Stand 2026), Studienlage und offene Fragen.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 19.10.2026
Auf einen Blick

Kurz gesagt
Gehölze und Landwirtschaft (Acker oder Tierhaltung) auf derselben Fläche
Drei Typen
silvoarabel (mit Ackerbau), silvopastoral (mit Tierhaltung), agrosilvopastoral (beides)
Rechtlich
seit 2023 im deutschen Förderrecht landwirtschaftliche Fläche (§ 4 GAPDZV)
Förderung in Deutschland
Öko-Regelung 3 für die Bewirtschaftung, Investitionsförderung (GAK und Länder) für die Anlage

Einfach erklärt

Agroforstwirtschaft verbindet Landwirtschaft und Gehölze auf derselben Fläche. Bäume und Sträucher stehen in Streifen zwischen Feldern, einzeln auf der Weide oder als Hecken am Rand. Fachleute unterscheiden silvoarable Systeme (Gehölze mit Ackerbau), silvopastorale (Gehölze mit Tierhaltung) und agrosilvopastorale (Gehölze mit Ackerbau und Tierhaltung zusammen).

Das Prinzip ist alt: Streuobstwiesen gelten als traditionelle Form, und in Südeuropa sind Weidesysteme wie Dehesa und Montado bis heute verbreitet. Neu ist das Interesse als Antwort auf aktuelle Probleme. Gehölze können den Boden vor Erosion schützen, Wasser auf der Fläche halten, die Biodiversität fördern, Wind und Hitze abmildern und Kohlenstoff speichern. Das kann die Klimaresilienz der Betriebe stärken. Dazu kommen Erträge wie Obst, Nüsse oder Holz.

Ob diese Vorteile eintreten, hängt von Standort, Gehölzwahl und Planung ab. In Deutschland ist die Agroforstfläche bisher klein, denn Anlage und Pflege sind teuer und rechtlich unsicher. Seit 2023 zählen Agroforstflächen im Förderrecht als landwirtschaftliche Fläche, und es gibt eine eigene Prämie.


Ausführlich erklärt

Was als Agroforstsystem zählt

Das Förderrecht definiert den Begriff genau. Nach § 4 der GAP-Direktzahlungen-Verordnung (GAPDZV) liegt ein Agroforstsystem vor, wenn auf Ackerland, in Dauerkulturen oder auf Dauergrünland mit dem vorrangigen Ziel der Rohstoff- oder Nahrungsmittelproduktion Gehölze angebaut werden, die nicht auf einer Negativliste stehen (zehn Einträge, darunter Robinie und Roteiche). Sie wachsen entweder in mindestens zwei Streifen, die höchstens 40 Prozent der Fläche einnehmen, oder verstreut mit 50 bis 200 Gehölzen je Hektar. Flächen, die Ende 2022 schon als nicht zu beseitigendes Landschaftselement galten, zählen nicht.

Merke

Nicht jeder Baum auf dem Acker ist ein Agroforstsystem im Sinne des Förderrechts. Es zählen Anordnung, Dichte und das Ziel, auf der Fläche Nahrungsmittel oder Rohstoffe zu erzeugen.

Wie verbreitet Agroforst ist

Eine Auswertung von Landnutzungsdaten schätzte 2017 die Agroforstfläche der EU auf rund 15,4 Millionen Hektar, das sind 8,8 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Den größten Teil machen Weidesysteme mit Bäumen aus (15,1 Millionen Hektar, die Klassen überlappen sich), Ackeragroforst kommt auf 0,3 Millionen Hektar. Gemessen an der Agrarfläche liegen Zypern (40 Prozent), Portugal (32 Prozent) und Griechenland (31 Prozent) vorn.

Für Deutschland gibt es eine freiwillige Erfassung: Die Agroforst-Landkarte des Fachverbands DeFAF, der sich für mehr Agroforst einsetzt, verzeichnete Ende 2024 203 Flächen mit 1.703 Hektar, davon 375 Hektar Gehölzfläche. Ein Gutachten für den Wissenschaftlichen Beirat für Natürlichen Klimaschutz schätzt die tatsächliche Fläche um 50 Prozent bis zwei Drittel größer.

Was Studien zu Nutzen und Grenzen zeigen

Bäume auf Agrarflächen sind weit verbreitet: 2010 hatten 43 Prozent der globalen Agrarfläche mindestens 10 Prozent Baumbedeckung. Die Satellitenstudie unterscheidet allerdings nicht, ob die Bäume als Agroforstsystem geplant wurden.

Für die Klimawirkung rechnete eine europäische Studie mit 64 vorgeschlagenen Systemen. Die Kohlenstoffbindung (siehe Kohlenstoffsenke) lag bei 0,09 bis 7,29 Tonnen Kohlenstoff je Hektar und Jahr. Hochgerechnet auf besonders belastete Regionen ergäben sich 7,78 bis 234,85 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent jährlich, also 1,4 bis 43,4 Prozent der Treibhausgasemissionen der europäischen Landwirtschaft. Das Gutachten für den Beirat merkt an, dass viele Studien den Boden nur bis 30 Zentimeter Tiefe messen.

Beim Ertrag fand eine Metaanalyse für Getreide zwischen Baumstreifen zum Pflanzzeitpunkt 96 Prozent des Ertrags reiner Ackerflächen. Danach sank er im Mittel um 2,6 Prozent pro Jahr über 21 Jahre, weil die Bäume stärker konkurrieren. In Dehesa und Montado zeigte sich kein negativer Einfluss der Bäume.

Förderung in Deutschland (Stand Oktober 2026)

Rechtlich hat sich viel geändert. Die EU-Verordnung 2021/2115 verlangt in Artikel 4, dass der Begriff der landwirtschaftlichen Fläche auch Agrarforstsysteme umfasst. Deutschland setzt das seit 2023 in § 4 GAPDZV um. Eine Fläche verliert durch Gehölzstreifen also nicht ihren Status als Acker oder Grünland.

Der erste Förderweg ist die Öko-Regelung 3, eine jährliche Prämie aus der ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für die Beibehaltung einer agroforstlichen Bewirtschaftung auf Ackerland und Dauergrünland. Bezahlt wird die Gehölzfläche, also die Fläche der Gehölzstreifen. Die Streifen müssen 2 bis 40 Prozent der Fläche einnehmen, es braucht mindestens zwei, jeder darf höchstens 25 Meter breit sein. Die Verordnung nennt als geplante Einheitsbeträge je Hektar 60 Euro für 2023, 200 Euro für 2024 und 2025 und 600 Euro für das Antragsjahr 2026. Die tatsächliche Höhe richtet sich nach den beantragten Flächen und darf höchstens 130 Prozent des geplanten Betrags erreichen. Die Anhebung auf 600 Euro geht auf einen Beschluss der Agrarministerkonferenz vom März 2025 zurück.

600 Eurogeplanter Einheitsbetrag der Öko-Regelung 3 je Hektar Gehölzfläche im Antragsjahr 2026
15,4 Mio. hageschätzte Agroforstfläche der EU, rund 8,8 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche
1.703 hain der freiwilligen Agroforst-Landkarte eingetragene Fläche in Deutschland Ende 2024

Die Nachfrage blieb gering: Die Öko-Regelung 3 wurde laut Gutachten für 51 Hektar (2023) und 173 Hektar (2024) beantragt, bewilligt wurden 22,11 und 27,07 Hektar Gehölzfläche. Das Flächenziel im GAP-Strategieplan sank von 200.000 auf 11.500 Hektar bis 2027. Der DeFAF meldet für 2026 doppelt so viele angemeldete Streifen, aber weiter unter zehn Prozent der Planung. Er hält 600 Euro für die Pflege für angemessen, die Anlage aber für zu schwach gefördert.

Der zweite Weg ist die Investitionsförderung für die erstmalige Anlage über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK, Maßnahme L 1.0), seit Herbst 2025 aus Mitteln des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz finanziert. Der Bund erstattet 60 Prozent der Ausgaben, die Länder entscheiden selbst, ob sie die Maßnahme anbieten. Über die GAK fördern Mecklenburg-Vorpommern (seit 2023), Niedersachsen (seit 2025) und Brandenburg (seit 2026), Bayern und Sachsen mit reiner Landesförderung. Die EU erlaubt bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten (Artikel 73 der Verordnung 2021/2115).

Das Bundesministerium nennt als Hemmnisse hohe Anfangsinvestitionen, lange Kapitalbindung, fehlende Vermarktungsstrukturen, naturschutzrechtliche Unsicherheiten und Pachtflächen. Manche Landbewirtschaftende fürchten laut Gutachten, ihre Flächen könnten als Wald eingestuft werden. Ob die Öko-Regelungen nach 2027 fortgeführt werden, war im Juni 2025 nicht gesichert.

Ein Baum braucht Jahre bis zum Ertrag, die Prämie wird dagegen für jedes Antragsjahr neu festgelegt.

Kerngedanke

Beispiele aus Niger und Costa Rica

In Niger lassen Bäuerinnen und Bauern seit den 1980er Jahren in Zinder, Maradi und Tahoua Gehölze aus Wurzeln und Baumstümpfen auf ihren Feldern nachwachsen und lenken den Aufwuchs. Das betrifft rund 5 Millionen Hektar, ohne Pflanzprogramm. Die Praxis heißt farmer managed natural regeneration. Ein Überblick über die Studien nennt Mehrerträge von 31 bis 350 Kilogramm je Hektar, Einkommen aus Brenn- und Nutzholz, kürzere Wege der Frauen zur Brennholzsuche und mehr Futter. Eine Studie aus Dogonkiria zeigt, dass ein von außen angestoßenes Programm die Beteiligung vor Ort brauchte. Belastbare quantitative Belege stammen laut einem Fachartikel von 2020 vor allem aus Maradi und Zinder, wo die Methode sonst passt, ist unklar.

In Costa Rica zahlt der Fonds FONAFIFO seit dem Forstgesetz von 1996 für Umweltleistungen von Wäldern und Bäumen und hat eine eigene Aktivität für Agroforstsysteme. Welche Wirkung das auf Landschaft und Einkommen hat, belegen die geprüften Quellen nicht.

Zur Quellenlage

Die Klimazahlen sind Modellrechnungen mit großer Spanne, die Ertragsdaten stammen aus wenigen Feldversuchen, die Förderbeträge für 2026 sind geplante Werte. Die Quellen kommen überwiegend aus Deutschland, Europa und der englischsprachigen Forschung. Erfahrungen aus Niger und anderen Regionen des Globalen Südens (Länder, die oft kolonial geprägt und wirtschaftlich benachteiligt sind) kommen nur vermittelt über Studien vor.

Was noch offen ist

Bei der Kohlenstoffbilanz fehlen laut einer Übersichtsarbeit von 2022 klare Klassifikationen und einheitliche Methoden. Das Bundesministerium fördert über 40 Forschungsvorhaben mit über 21 Millionen Euro (Stand März 2026). Ob Agroforst aus der Nische kommt, hängt davon ab, ob Anlage und Pflege sich für Betriebe rechnen, auch auf Pachtland.

Quellen: BMLEH: Agroforst als multifunktionales Anbausystem (Seite vom 24.09.2026) / § 4 GAPDZV (Stand 12.08.2026) / Anlage 1, Anlage 4 und Anlage 5 GAPDZV / Verordnung (EU) 2021/2115, Artikel 4 und 73 / Hübner (2025): Status quo der Agroforstwirtschaft in Deutschland, Gutachten 25/01 für den Wissenschaftlichen Beirat für Natürlichen Klimaschutz / den Herder et al. (2017), Agriculture, Ecosystems and Environment / Zomer et al. (2016), Scientific Reports / Kay et al. (2019), Land Use Policy / Ivezić et al. (2021), Frontiers in Sustainable Food Systems / Golicz et al. (2022), Current Research in Environmental Sustainability / Abasse et al. (2023): Farmer managed natural regeneration in Niger, Tropenbos International / Chomba et al. (2020), Frontiers in Forests and Global Change / Dogonkiria, Niger (2025), Human Ecology / FONAFIFO: Manual del Programa de Pago de Servicios Ambientales / DeFAF: Pressemitteilung vom 31.03.2025 / FÖL Berlin-Brandenburg (01.09.2026), Angaben des DeFAF


Warum gesunde Böden so viel mehr leisten, als die meisten ahnen: Lebendiger Boden: Wie das unsichtbare Mikroleben unter unseren Füßen das Klima schützt.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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