Medical Gaslighting


Einfach erklärt

Medical Gaslighting bezeichnet das Phänomen, wenn medizinisches Fachpersonal (Ärzt*innen, Therapeut*innen oder andere Gesundheitsfachkräfte) die Symptome von Patient*innen kleinredet, in Frage stellt oder psychologisiert, obwohl organische Ursachen vorliegen oder zumindest möglich sind.

Ein typisches Beispiel: Jemand berichtet seit Jahren von extremer Erschöpfung, Schmerzen und Gedächtnisproblemen. Statt einer gründlichen Diagnostik hört er oder sie: „Das ist Stress“, „Sie sehen aber gut aus“ oder „Haben Sie mal an Sport gedacht?“. Die Person zweifelt zunehmend an sich selbst und verliert wertvolle Zeit bis zur richtigen Diagnose.

Besonders häufig betroffen sind Menschen mit chronischen Erkrankungen wie ME/CFS, Fibromyalgie oder Ehlers-Danlos-Syndrom, außerdem Frauen, FLINTA*-Personen, BIPOC (Black, Indigenous and People of Color) sowie neurodivergente Menschen. Das Problem ist kein Einzelfall, sondern zeigt systemische Lücken im Gesundheitssystem: Manche Erkrankungen werden in der Forschung unterrepräsentiert, Symptome weniger ernst genommen, abhängig davon, wer sie berichtet.


Ausführlich erklärt

Der Begriff Medical Gaslighting leitet sich von „Gaslighting“ ab: einem psychologischen Manipulationsmuster, bei dem eine Person dazu gebracht wird, ihre eigene Wahrnehmung zu bezweifeln. Im medizinischen Kontext geschieht dies oft nicht mit böser Absicht, sondern als Folge struktureller Probleme: Zeitmangel, lückenhafte Ausbildung zu bestimmten Erkrankungen und unbewusste Vorurteile.

Studien belegen, dass Frauen bei Herzinfarkten oder chronischen Schmerzen häufiger als psychosomatisch behandelt werden als Männer mit denselben Symptomen (Hoffmann & Tarzian, 2001). Für BIPOC-Personen kommt rassistische Diskriminierung hinzu: ein strukturelles Problem, das durch wissenschaftlich widerlegte Annahmen über Schmerzempfinden in der Medizingeschichte bis heute nachwirkt.

Medical Gaslighting ist keine diagnostische Kategorie, sondern ein Erfahrungsbegriff aus der Patient*innen-Community, der zunehmend auch in der Gesundheitsforschung Beachtung findet. Die Benennung gibt Betroffenen eine Sprache für ihre Erfahrung und ist damit politisch wie therapeutisch relevant.

Quelle: Hoffmann, D. E., & Tarzian, A. J. (2001). The girl who cried pain: A bias against women in the treatment of pain. Journal of Law, Medicine & Ethics, 29(1), 13–27.


Was neue Forschung über oft übersehene chronische Erkrankungen zeigt: ME/CFS: Was neue Forschung jetzt zeigt und was das für Betroffene bedeutet.


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  • Gaslighting: das allgemeine Manipulationsmuster, von dem sich Medical Gaslighting ableitet
  • Unsichtbare Behinderung: ein Kontext, in dem Medical Gaslighting besonders häufig auftritt
  • ME/CFS: eine der Erkrankungen, deren Betroffene besonders häufig von Medical Gaslighting berichten
  • Ableismus: die strukturelle Diskriminierungsform, die Medical Gaslighting mit ermöglicht
  • Neurodivergenz: eine weitere Gruppe, die überproportional von Medical Gaslighting betroffen ist



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