Klima & Erde

Carbon Capture (CCS)

Carbon Capture and Storage einfach erklärt: wie CCS CO₂ abscheidet und speichert, was der IPCC dazu sagt und wie Deutschland und die EU es regeln.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 15.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
CO₂ wird an einer großen Quelle abgeschieden, transportiert und im tiefen Untergrund dauerhaft gespeichert
Abkürzung
CCS, englisch für Carbon Capture and Storage
Eingesetzt bei
Gasaufbereitung, Zement, Chemie, Teilen der Energiewirtschaft
Nicht dasselbe wie
Direct Air Capture und BECCS: Dort stammt das CO₂ aus Luft oder Biomasse
Rechtsrahmen in Deutschland
Kohlendioxid-Speicherung-und-Transport-Gesetz (KSpTG)

Einfach erklärt

Carbon Capture and Storage (kurz CCS, auf Deutsch etwa „CO₂-Abscheidung und -Speicherung“) hält Kohlendioxid zurück, bevor es in die Atmosphäre gelangt. Das Gas wird dort abgefangen, wo es entsteht, zum Beispiel an einem Zementwerk oder einer Gasaufbereitung. Dann wird es verdichtet, per Pipeline oder Schiff zu einer Lagerstätte gebracht und tief im Gestein eingelagert. Es geht also um die Vermeidung neuer Emissionen an großen Punktquellen, nicht um das Zurückholen von CO₂ aus der Luft.

Der Grund für das Interesse ist, dass sich manche Treibhausgase kaum vermeiden lassen. Bei der Zementherstellung entsteht CO₂ nicht nur durch Energie, sondern im Prozess selbst. Der Weltklimarat IPCC nennt CCS deshalb für Zement und Chemie eine „kritische“ Minderungsoption. Umstritten ist die Technik trotzdem: Sie kann Anlagen länger am Laufen halten, die ohne sie stillgelegt würden.

Merke

CCS verhindert Emissionen an der Quelle. Erst wenn das gespeicherte CO₂ aus der Luft oder aus Biomasse stammt, wirkt die Speicherung als Entnahme. Diese beiden Dinge werden oft verwechselt.


Ausführlich erklärt

Die drei Schritte: abscheiden, transportieren, speichern

Für die Abscheidung unterscheidet der IPCC drei Systeme. Bei der Post-Combustion-Abscheidung wird das CO₂ nach der Verbrennung aus dem Abgas gelöst. Bei der Pre-Combustion-Abscheidung wird der Brennstoff vorher umgewandelt, sodass CO₂ als eigener Strom anfällt. Die dritte Variante ist die Verbrennung mit reinem Sauerstoff (Oxyfuel). Die Technik zur Trennung von CO₂ in der Erdgasaufbereitung gilt laut IPCC als ausgereift, ebenso die Pre-Combustion-Technik in der Düngemittel- und Wasserstoffherstellung.

Wie viel dabei tatsächlich vermieden wird, hängt von mehr als der Abscheiderate ab. Der IPCC-Sonderbericht von 2005 nennt etwa 85 bis 95 Prozent des behandelten CO₂. Ein Kraftwerk mit CCS brauche aber grob 10 bis 40 Prozent mehr Energie, sodass die Emissionen netto um etwa 80 bis 90 Prozent sinken. Der Sachstandsbericht von 2022 nimmt für neue Anlagen 90 bis 95 Prozent und mehr an.

Der Transport erfolgt per Pipeline oder Schiff. Das Projekt Northern Lights in Norwegen verflüssigt das CO₂, bringt es mit Spezialschiffen zu einem Terminal und leitet es von dort per Pipeline zu einer Lagerstätte 2.600 Meter unter dem Meeresboden der Nordsee. Als Speicher kommen laut Netto-Null-Industrie-Verordnung der EU erschöpfte Öl- und Gasfelder und salzwasserführende Gesteinsschichten infrage.

Wie sicher ist die Speicherung?

Der IPCC schätzt die technische Speicherkapazität im Untergrund auf etwa 1.000 Gigatonnen CO₂. Das ist mehr, als bis 2100 für das 1,5-Grad-Ziel gespeichert werden müsste, aber die regionale Verfügbarkeit kann begrenzend wirken. Für gut ausgewählte und betriebene Lagerstätten hält der Sonderbericht von 2005 es für sehr wahrscheinlich, dass über 100 Jahre mehr als 99 Prozent des CO₂ zurückgehalten werden, und für wahrscheinlich über 1.000 Jahre.

1996beginnt in der Nordsee die Speicherung von CO₂ aus gefördertem Erdgas im Untergrund (Sleipner, heute Equinor)
1,5 Mio. tCO₂ pro Jahr kann Northern Lights seit dem Betriebsstart 2025 speichern
50 Mio. tjährliche Injektionskapazität, die in der EU nach Artikel 20 der Netto-Null-Industrie-Verordnung bis 2030 erreicht sein muss

Was heute läuft und was fehlt

Die Technik ist keine Zukunftsmusik. Equinor trennt am Sleipner-Gebiet seit 1996 CO₂ aus dem geförderten Gas ab und hatte bis Ende 2020 mehr als 19 Millionen Tonnen in der Utsira-Formation gespeichert. Northern Lights nahm 2025 als erste grenzüberschreitende, für Dritte offene Transport- und Speicherinfrastruktur den Betrieb auf, mit einer Anfangskapazität von 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Im März 2025 fiel die Investitionsentscheidung für die Erweiterung auf mindestens 5 Millionen Tonnen.

Im Verhältnis zum Problem bleibt das klein. Die fossilen CO₂-Emissionen lagen laut Global Carbon Budget 2024 im Jahr 2023 bei 36,8 Gigatonnen. 1,5 Millionen Tonnen entsprechen davon rechnerisch etwa 0,004 Prozent (eigene Rechnung). Der IPCC hält fest, dass die weltweite Anwendung von CCS derzeit weit unter den Werten der Szenarien liegt, die die Erwärmung auf 1,5 oder 2 Grad begrenzen. Er nennt technologische, wirtschaftliche, institutionelle, ökologische und soziokulturelle Hürden.

Was die Szenarien nicht sagen

Die IPCC-Szenarien sind Modellrechnungen dazu, welche Maßnahmenkombinationen rechnerisch zu einem Temperaturziel passen. Sie sind keine Prognosen. Der IPCC betont, dass die Minderung in allen Sektoren rasch und tief ausfallen muss.

Der Streit um die Rolle von CCS

Der IPCC sieht CCS als Option für große fossile und industrielle Quellen, sofern ein geologischer Speicher verfügbar ist. In Energiesystemen mit Netto-Null-CO₂ bleibe CCS im verbleibenden fossilen Teil. Kraftwerke mit einer Abscheidung von 90 Prozent oder mehr des CO₂ rechnet der IPCC nicht mehr zu den ungeminderten fossilen Quellen.

Der Bericht benennt zugleich einen Zielkonflikt. Ein Teil der fossilen Reserven und Anlagen müsste für 2 Grad oder weniger ungenutzt bleiben, was der IPCC auf 1 bis 4 Billionen US-Dollar an entwertetem Vermögen beziffert. CCS könnte fossile Brennstoffe länger nutzbar machen und diesen Wertverlust verringern. Genau darauf zielt die Kritik: Was für Betreiber Verluste vermeidet, kann aus Klimasicht Emissionen verlängern. Ein weiterer Streitpunkt ist die Nutzung des CO₂ zur Erdölgewinnung (Enhanced Oil Recovery), für die die Technik laut IPCC bereits ausgereift ist. Die EU zählt Speicher, die mit solcher Förderung kombiniert sind, nicht zu ihrem Injektionsziel.

Wenn Unternehmen CCS ankündigen, ohne die Emissionen zu senken, die sich vermeiden lassen, nähert sich das Greenwashing an. Dazu kommt die Klimagerechtigkeit: Lagerstätten gibt es nicht überall, und Northern Lights speichert bereits CO₂ aus anderen Ländern. Wer Kosten und Risiken trägt, bleibt eine politische Frage.

Entscheidend ist, ob CCS Emissionen ersetzt, die sich sonst kaum vermeiden lassen, oder ob es den Weiterbetrieb fossiler Anlagen verlängert.

Kerngedanke

CCS, DACCS und BECCS auseinanderhalten

Bei Direct Air Capture mit Speicherung (DACCS) wird CO₂ direkt aus der Umgebungsluft gefiltert, bei BECCS aus Biomasse. In beiden Fällen liefert CCS nur den Speicherteil. Hier geht es um Entnahme, also um negative Emissionen. In den Szenarien für 1,5 Grad ohne oder mit geringer Überschreitung liegt der kumulierte Beitrag von BECCS zwischen 30 und 780 und der von DACCS zwischen 0 und 310 Gigatonnen CO₂ bis 2100. DACCS kostet laut IPCC etwa 100 bis 300 US-Dollar pro Tonne. Für BECCS warnt der IPCC, dass Biomasseanbau bei schlechter Umsetzung Biodiversität, Ernährung, Wasser und Landrechte Indigener gefährden kann. Natürliche Speicher beschreibt der Eintrag zur Kohlenstoffsenke.

Rechtlicher Rahmen in Deutschland und der EU

Das deutsche Kohlendioxid-Speicherung-und-Transport-Gesetz (KSpTG) von 2012 setzt eine EU-Richtlinie von 2009 um. Der Gesetzgeber hat es mit dem Gesetz vom 25. November 2025 geändert und umbenannt, früher hieß es Kohlendioxid-Speicherungsgesetz. Es dient laut § 1 einer umweltverträglichen dauerhaften Speicherung zum Schutz von Menschen, Umwelt und Klima.

  • Wo gespeichert werden darf: Nach § 2 sind Speicher in der ausschließlichen Wirtschaftszone und auf dem Festlandsockel möglich, die Injektion im Küstenmeer ist ausgeschlossen. Auf dem Festland können die Länder die Speicherung für ihr Gebiet zulassen.
  • Leitungen: Bau und Betrieb von CO₂-Leitungen liegen nach § 4 im überragenden öffentlichen Interesse, mit einer Ausnahme für bestimmte Meeresschutzgebiete.
  • Haftung und Nachsorge: Der Betreiber haftet nach § 29 für Schäden. Die Verantwortung kann nach § 31 frühestens 40 Jahre nach der Stilllegung auf das Land übergehen, und der Betreiber muss einen Nachsorgebeitrag leisten, der mindestens 30 Jahre Überwachung deckt.
  • EU-Ziel: Die Netto-Null-Industrie-Verordnung (EU) 2024/1735 verlangt in Artikel 20 bis 2030 eine jährliche Injektionskapazität von mindestens 50 Millionen Tonnen CO₂. Nach den Erwägungsgründen schätzt die Kommission, dass die EU bis 2050 jährlich bis zu 550 Millionen Tonnen abscheiden müsste.

Was du tun kannst

  1. Frage bei Klimaversprechen nach, wie viel CO₂ pro Jahr abgeschieden und wo es gespeichert wird.
  2. Achte darauf, ob das CO₂ aus Abgas (Vermeidung) oder aus Luft oder Biomasse (Entnahme) stammt.
  3. Verfolge, ob in deiner Region Planfeststellungsverfahren für CO₂-Leitungen oder Speicher laufen, die das KSpTG in den §§ 4 und 11 vorsieht.

Quellen: IPCC (2022): AR6 Working Group III, Summary for Policymakers, Abschnitte C.4, C.5, C.11 (Volltext gelesen) / IPCC (2005): Special Report on Carbon Dioxide Capture and Storage, Summary for Policymakers (Volltext gelesen) / Friedlingstein, P. et al. (2025): Global Carbon Budget 2024. Earth System Science Data 17, S. 965 bis 1039 / Equinor: Sleipner-Gebiet / Northern Lights JV: What we do / Northern Lights JV: About the Longship project / KSpTG, §§ 1 bis 4, 29, 31 (Stand 25.11.2025) / Verordnung (EU) 2024/1735, Artikel 20, Erwägungsgründe 36 bis 41

Wie ein staatliches Klimaprogramm trotz vieler Maßnahmen an entscheidenden Stellen zu kurz greift: 67 Maßnahmen, große Lücken: Was das Klimaschutzprogramm 2026 verspricht und was es schuldig bleibt.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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