nicht binär


Kompakt erklärt

nicht binär bezeichnet Menschen, die sich nicht ausschließlich als Mann oder Frau identifizieren. Das kann bedeuten, dass jemand sich zwischen beiden Polen verortet, keinem zugehörig fühlt, sich mit beiden identifiziert oder das Konzept von Geschlecht als binäre Kategorie grundsätzlich ablehnt.

nicht binäre Identitäten sind keine neue Erfindung. Viele Kulturen weltweit kennen seit Jahrhunderten dritte oder weitere Geschlechtskategorien: die Hijra in Südasien, die Two-Spirit-Identitäten indigener Gemeinschaften Nordamerikas oder die Fa’afafine in Samoa. nicht binäre Menschen verwenden häufig geschlechtsneutrale Pronomen, im Deutschen zum Beispiel „they/them“ oder „dey/denen“. Das Sichtbarmachen nicht binärer Identitäten in Sprache, Recht und Alltag ist Teil einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Geschlecht als sozialem Konstrukt.


Für Neugierige

nicht binäre Identitäten fallen unter den breiteren Begriff trans, sind aber nicht dasselbe. Nicht alle trans Menschen sind nicht binär, und nicht alle nicht binären Menschen verstehen sich als trans*. Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck (wie man sich kleidet, bewegt, verhält) sind zusätzlich voneinander unabhängig.

Die EU-LGBTI-II-Erhebung der EU-Grundrechteagentur (FRA 2020) zeigt, dass nicht binäre Menschen überproportional häufig Diskriminierung, psychische Belastung und mangelnde rechtliche Anerkennung erleben. Das deutsche Selbstbestimmungsgesetz (SBGG, 2024) ermöglicht erstmals einen Eintrag als „divers“ oder die Streichung des Geschlechtseintrags. Cissexismus macht nicht binäre Erfahrungen strukturell unsichtbar: Formulare, Toiletten, Ansprachen. Die meisten gesellschaftlichen Strukturen gehen von Zweigeschlechtlichkeit aus. Das ist keine Neutralität, sondern eine politische Entscheidung, die sich verändern lässt.

Quellen: EU-LGBTI-II Survey, FRA (2020); SBGG Deutschland (2024); APA, Inclusive Language Guidelines (2021).


Verwandte Begriffe: Geschlechtsidentität · trans* · Genderdiversität · Cissexismus · Intersektionalität