Einfach erklärt
Das 1,5-Grad-Ziel beschreibt das Bestreben, die globale Durchschnittstemperatur auf maximal 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Es ist die ambitioniertere der beiden Temperaturmarken, die im Paris-Abkommen von 2015 festgehalten wurden, die andere lautet „deutlich unter 2 Grad“.
Was klingt wie eine kleine Differenz, hat massive Auswirkungen: Bei 1,5 Grad Erwärmung sind deutlich weniger Ökosysteme bedroht als bei 2 Grad. Korallenriffe etwa würden bei 1,5 Grad um 70 bis 90 % zurückgehen, bei 2 Grad wären es über 99 %. Für Regionen im Globalen Süden (Länder mit wenig historischen Emissionen, aber hoher Klimaverwundbarkeit), kleine Inselstaaten und arktische Gemeinschaften ist der Unterschied zwischen diesen beiden Marken buchstäblich existenziell. Stand heute liegt der globale Durchschnitt bereits bei etwa 1,1 bis 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau, und das CO₂-Budget für 1,5 Grad ist bei aktuellen Emissionen in etwa einem Jahrzehnt aufgebraucht.
Ausführlich erklärt
Das 1,5-Grad-Ziel wurde nicht willkürlich gewählt: Es basiert auf Forschung, die zeigt, dass viele Kipp-Punkte im Erdsystem, wie das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes oder das Auftauen des Permafrostes, bei 1,5 bis 2 Grad Erwärmung möglicherweise ausgelöst werden. Der IPCC-Sonderbericht SR1.5 (2018) analysierte umfassend, was nötig wäre: eine Halbierung der globalen Emissionen bis 2030 und Klimaneutralität um 2050.
Kritisch anzumerken ist: Das 1,5-Grad-Ziel ist kein absoluter Sicherheitswert, sondern ein politisch vereinbarter Schwellenwert. Für viele vulnerable Gemeinschaften ist auch 1,5 Grad bereits zu viel. Dennoch gilt es als entscheidende Leitplanke: Jedes Zehntelgrad Erwärmung, das verhindert wird, schützt Menschen und Ökosysteme, und jedes Zehntelgrad ist bis zum Schluss erkämpfbar.
Wie ambitioniert die deutsche Klimapolitik dieses Ziel aktuell verfolgt: 67 Maßnahmen, große Lücken: Was das Klimaschutzprogramm 2026 verspricht und was es schuldig bleibt.
Das könnte dich auch interessieren
- Paris-Abkommen: der Vertrag, in dem das 1,5-Grad-Ziel festgehalten wurde
- CO₂-Budget: wie viel Spielraum für das Ziel realistisch bleibt
- Kipp-Punkte: warum ausgerechnet dieser Temperaturbereich so kritisch ist
- Klimaneutralität: die Voraussetzung, um das Ziel noch zu erreichen
- Klimagerechtigkeit: warum der Unterschied zwischen 1,5 und 2 Grad ungleich verteilt ist



