Nachhaltigkeit

PFAS in Textilien

PFAS in Textilien: Was die Ewigkeitschemikalien in Regenjacken bewirken und was die EU-Beschränkung ab 10. Oktober 2026 regelt.

6 Min. LesezeitAktualisiert am 16.10.2026
Auf einen Blick

Stoffgruppe
Tausende synthetische Chemikalien mit Kohlenstoff-Fluor-Bindungen
Funktion in Textilien
Wasser-, öl- und schmutzabweisende Ausrüstung
Neue EU-Regel
PFHxA und verwandte Stoffe in Kleidung, Schuhen und Zubehör seit 10. Oktober 2026
Grenzwert
25 ppb PFHxA, 1.000 ppb für verwandte Stoffe
Ausgenommen
Bestimmte Schutzausrüstung, Medizinprodukte, Bautextilien

Einfach erklärt

PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) sind eine große Klasse von Tausenden synthetischen Chemikalien, die alle Kohlenstoff-Fluor-Bindungen enthalten. Diese Bindungen gehören zu den stärksten der organischen Chemie. Deshalb widerstehen PFAS Hitze, Wasser und Fett, und deshalb bauen sie sich auch in der Umwelt kaum ab. Nach Angaben der Europäischen Chemikalienagentur ECHA zählen Textilien, Leder und Bekleidung zu den Branchen, die PFAS einsetzen. In Regenjacken und Outdoor-Ausrüstung sorgen sie dafür, dass Wasser und Schmutz abperlen.

Wegen ihrer Beständigkeit heißen PFAS auch Ewigkeitschemikalien. Die ECHA hält fest: Selbst wenn alle Freisetzungen sofort endeten, blieben PFAS noch für Generationen in Umwelt und Menschen. Einige PFAS gelten als gesundheitsschädlich. Die EU hat für Kleidung deshalb eine erste Beschränkung beschlossen, die seit dem 10. Oktober 2026 gilt. Sie betrifft aber nicht alle PFAS, sondern die Stoffgruppe PFHxA und ihre Vorläufer.

Merke

Die Beschränkung seit 10. Oktober 2026 betrifft PFHxA und PFHxA-verwandte Stoffe, nicht die gesamte PFAS-Klasse. Ein Kleidungsstück kann sie einhalten und trotzdem andere PFAS enthalten.


Ausführlich erklärt

Warum PFAS in Textilien eingesetzt werden

PFAS gehören zu den Stoffen, die Wasser und Fett abweisen und gleichzeitig Hitze aushalten. Für Textilien heißt das: Die Ausrüstung hält Regen und Flecken fern, ohne dass das Gewebe sichtbar beschichtet sein muss. Bei der Herstellung und Nutzung gelangen Rückstände in die Umwelt. Die ECHA nennt als Quellen unter anderem professionelle und industrielle Anlagen, die Nutzung von Verbraucherprodukten wie Kleidung und Lebensmittelverpackungen sowie die Entsorgung.

Auf der Seite der Gesundheit ist die Lage differenziert. Die US-amerikanische National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) nennt 2022 in ihrem Bericht zu PFAS-Belastung unter anderem bestimmte Krebsarten, Schilddrüsenfunktionsstörungen, veränderte Cholesterinwerte und leicht verringertes Geburtsgewicht als Gesundheitsfolgen, die mit PFAS-Exposition verbunden sind. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA setzte im September 2020 eine gemeinsame tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge von 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht für die vier Stoffe PFOA, PFOS, PFNA und PFHxS fest. Als kritischste Wirkung wertete sie die verringerte Immunantwort auf Impfungen. Hauptquelle ist laut EFSA und ECHA nicht Kleidung, sondern Nahrung und Trinkwasser. Für PFHxA-verwandte Stoffe zählt der Ausschuss RAC der ECHA Textilien dagegen zu den drei Hauptemissionsquellen, neben Lebensmittelverpackungen aus Papier und Karton und Feuerlöschschäumen.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung IARC stufte 2023 PFOA als krebserregend für Menschen (Gruppe 1) und PFOS als möglicherweise krebserregend (Gruppe 2B) ein. Sie nennt wasserdichte Kleidung ausdrücklich unter den Produkten, in denen beide Stoffe gefunden wurden. Am höchsten ist die Belastung laut IARC bei Beschäftigten, die PFOA oder PFOS herstellen oder direkt verarbeiten. Das ist ein Gerechtigkeitsthema: Die Risiken tragen nicht nur diejenigen, die eine Jacke kaufen, sondern auch Menschen in Produktion und rund um Fabriken, ein Fall von Umweltgerechtigkeit.

Was die EU seit 10. Oktober 2026 regelt

Die Verordnung (EU) 2024/2462 der Kommission vom 19. September 2024 ergänzt Anhang XVII der Chemikalienverordnung REACH um Undecafluorhexansäure (PFHxA), ihre Salze und PFHxA-verwandte Stoffe. Das sind Stoffe, die zu PFHxA abgebaut oder umgewandelt werden können. Den Vorschlag hatte Deutschland 2019 gemacht. Seit dem 10. Oktober 2026 dürfen Textilien, Leder, Pelze und Häute in Kleidung und zugehörigem Zubehör für die breite Öffentlichkeit sowie Schuhe die Grenzwerte nicht überschreiten, ebenso Gemische für die breite Öffentlichkeit wie Imprägniersprays. Die Grenzwerte liegen bei 25 ppb (Teile pro Milliarde) für die Summe aus PFHxA und ihren Salzen und bei 1.000 ppb für die Summe der verwandten Stoffe, gemessen im homogenen Material. Als Beispiele nennt die Kommission Outdoor-Bekleidung wie Regenjacken und Handtaschen.

Für andere Textilien gilt eine längere Frist: Teppiche, Vorhänge, Polstermaterial, Tischtücher oder Bettwäsche sind ab dem 10. Oktober 2027 erfasst. Ausgenommen bleiben persönliche Schutzausrüstung bestimmter Risikokategorien, Medizinprodukte, In-vitro-Diagnostika und Bautextilien. Zudem gilt die Regel nicht für Erzeugnisse, die vor dem jeweiligen Stichtag in Verkehr gebracht wurden. Der Lieferant muss das nachweisen können. Ein Verkaufsverbot für alles, was schon im Laden hängt, besteht also nicht.

25 ppbGrenzwert für PFHxA und ihre Salze in Kleidung
2027Jahr, ab dem die Regel auch für Textilien außerhalb von Kleidung gilt
4,4 ngwöchentlich tolerierbare Aufnahme je Kilogramm Körpergewicht (EFSA)

Weitere Regeln und der große Vorschlag

PFHxA ist nicht der erste geregelte Stoff. PFOS ist seit 2009 in der Stockholmer Konvention erfasst, PFOA in der EU-POP-Verordnung seit dem 4. Juli 2020 verboten, und PFHxS wurde 2023 in die EU-Regelung aufgenommen. Die langkettigen PFAS aus der Gruppe C9 bis C21 hat die Stockholmer Konvention im Mai 2025 aufgenommen, ein weltweites Verbot gilt ab Dezember 2026. Die Regeln greifen Gruppe für Gruppe und kommen den vielen Ersatzstoffen kaum hinterher: Wo ein PFAS verboten wird, rücken andere nach.

Deshalb haben Deutschland, Dänemark, die Niederlande, Norwegen und Schweden im Januar 2023 bei der ECHA einen Vorschlag für eine breite PFAS-Beschränkung eingereicht. Der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) verabschiedete im März 2026 seine endgültige Stellungnahme. Der Ausschuss für sozioökonomische Analyse (SEAC) legte einen Entwurf vor, der eine EU-weite Beschränkung mit gezielten Ausnahmen unterstützt. Die Konsultation dazu lief bis zum 25. Mai 2026, die endgültige Stellungnahme des SEAC soll bis Ende 2026 folgen. Danach schlägt die Kommission eine Beschränkung vor, über die die Mitgliedstaaten abstimmen. Der Stand beruht auf der ECHA-Meldung vom 26. März 2026, neuere Schritte sind hier nicht geprüft.

Stand der Verfahren

Die Beschränkung für PFHxA gilt bereits. Die breite PFAS-Beschränkung ist dagegen noch ein Vorschlag im Verfahren. Wann und mit welchen Ausnahmen sie kommt, ist offen.

Alternativen und Kennzeichnung

Fluorfreie Imprägnierungen existieren. Die Kommission schreibt in der Verordnung, für wasserabweisende Eigenschaften schienen Alternativen verfügbar. Bei öl- und schmutzabweisender Wirkung räumt sie mögliche Funktionsverluste ein und gibt für Textilien außerhalb der Kleidung deshalb mehr Zeit. Ein klassischer Zielkonflikt zwischen Funktion und Umweltschutz bleibt, und die Frage, wer ihn bezahlt, ist politisch. Für Käufende gilt: Die Verordnung regelt Grenzwerte, aber keine einheitliche Kennzeichnung. Ob ein Hinweis wie PFAS-frei oder PFC-frei auf dem Etikett belastbar ist, geht aus ihr nicht hervor. Wer auf Werbeaussagen trifft, sollte sie auf Nachweise prüfen, sonst droht Greenwashing. Ein verwandtes Thema beim Waschen von Kleidung ist Mikroplastik, gegen das ein Waschmaschinenfilter hilft.

Quellen: Verordnung (EU) 2024/2462 der Kommission, Eintrag 79 in Anhang XVII REACH / ECHA: Per- and polyfluoroalkyl substances (PFAS) / ECHA (26.03.2026): ECHA supports PFAS restriction with targeted derogations / IARC (2023): Monographs evaluate PFOA and PFOS / Zahm et al. (2024): Carcinogenicity of PFOA and PFOS, The Lancet Oncology / EFSA (2020): PFAS in food, tolerable intake / NASEM (2022): Guidance on PFAS Exposure, Testing, and Clinical Follow-Up


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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