Tierversuche


Kompakt erklärt

Tierversuche sind wissenschaftliche Eingriffe oder Beobachtungen an lebenden Tieren, die diesen Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen können. Sie werden in der Medizin, der Pharmakologie, der Grundlagenforschung und bei gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitstests eingesetzt.

In Deutschland wurden 2023 rund 1,46 Millionen Wirbeltiere und Kopffüßer in Tierversuchen eingesetzt – der niedrigste Wert seit über 20 Jahren. Über 80 Prozent davon waren Mäuse und Ratten (BfR, 2024).

Tierversuche sind in Deutschland und der EU streng reguliert: Sie dürfen laut Tierschutzgesetz (§ 7 TierSchG) nur durchgeführt werden, wenn sie „ethisch vertretbar” und „unerlässlich” sind – also kein alternatives Verfahren existiert. Die EU-Richtlinie 2010/63/EU gibt den gemeinsamen Rechtsrahmen vor und nennt als langfristiges Ziel den vollständigen Ersatz von Tierversuchen.


Für Neugierige

Das Leitprinzip für den wissenschaftlichen Umgang mit Tierversuchen ist das 3R-Prinzip, das der Zoologe William Russell und der Mikrobiologe Rex Burch 1959 formulierten: Replace (ersetzen durch tierversuchsfreie Methoden), Reduce (Anzahl der Tiere verringern), Refine (Leiden minimieren). Es ist heute in der EU-Richtlinie 2010/63/EU und im deutschen Tierschutzgesetz gesetzlich verankert.

Der Rückgang der Versuchstierzahlen in Deutschland ist real und messbar: Das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) verzeichnete 2023 einen Rückgang von 15,6 % gegenüber dem Vorjahr – einen historischen Tiefststand. Gleichzeitig machen rund 20 Gesetze und Verordnungen Tierversuche in bestimmten Bereichen weiterhin verbindlich vorgeschrieben, was einen vollständigen Ausstieg ohne gesetzliche Reformen erschwert.

Die ethische Debatte ist nicht abgeschlossen. Tierschutzorganisationen weisen darauf hin, dass die Übertragbarkeit von Tierversuchsergebnissen auf den Menschen wissenschaftlich oft begrenzt ist und Alternativmethoden – Organoide, Computermodelle, Zellkulturen – immer mehr Bereiche abdecken. Welche Zukunft die tierversuchsfreie Wissenschaft hat, hängt wesentlich davon ab, welche Forschungsmethoden politisch und finanziell gefördert werden.

Quellen: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Versuchstierstatistik 2023 (bf3r.de, 2024). · EU-Richtlinie 2010/63/EU. · Russell & Burch, The Principles of Humane Experimental Technique (1959). · Tierschutzgesetz § 7 TierSchG.


Verwandte Begriffe: Tierschutzgesetz · Sentience · Speziesismus · Massentierhaltung · Artenschutz