Antifaschismus & Demokratie

Drei Pfeile

Drei Pfeile: Symbol der Eisernen Front von 1931/32, von Tschachotin gegen das Hakenkreuz entworfen. Geschichte, Verwendung heute und Rechtslage.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 20.10.2026
Auf einen Blick

Zeichen
Drei parallele Pfeile, nach links unten gerichtet
Herkunft
Eiserne Front, proklamiert am 16. Dezember 1931
Entworfen von
Sergej Tschachotin, ausgebaut mit Carlo Mierendorff, 1932
Zweck
Gegenzeichen zum Hakenkreuz, auch zum Durchstreichen
Verbot
Eiserne Front am 11. März 1933
Rechtslage
Kein Kennzeichen einer von § 86a StGB erfassten Organisation, Stand 20. Oktober 2026
Symbol der Drei Pfeile: drei parallele, schräg nach unten zeigende Pfeile in einem Kreis
Das Dreipfeil-Symbol, bekannt als Zeichen der Eisernen Front (1932), in einer heutigen grafischen Darstellung. Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Einfach erklärt

Die drei Pfeile (Dreipfeil) sind ein antifaschistisches Symbol aus der Endphase der Weimarer Republik. Sie waren das Zeichen der Eisernen Front, die Vertreter von SPD, Allgemeinem Deutschen Gewerkschaftsbund, Arbeitersportverbänden und Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold (einem Wehrverband zum Schutz der Republik) am 16. Dezember 1931 zur „Abwendung der faschistischen Gefahr“ proklamierten. Die Pfeile sollten das Hakenkreuz sichtbar durchstreichen: Sie zeigen nach links unten und laufen so der Bewegungsrichtung des Hakenkreuzes entgegen.

Entworfen hat das Zeichen der russische Naturwissenschaftler Sergej Tschachotin, der in Heidelberg forschte. Mit dem SPD-Politiker Carlo Mierendorff baute er daraus 1932 eine Kampagne aus. Allein im Wahlkampf um das Amt des Reichspräsidenten im März und April 1932 verbreiteten Mitglieder der Eisernen Front nach Schätzung des Deutschen Historischen Museums rund 60 Millionen Flugblätter und Plakate. Für die Zahl drei gibt es mehrere Deutungen, etwa Aktivität, Disziplin und Einigkeit. Auch welche Gegner gemeint waren, überliefern die Quellen unterschiedlich.

Am 11. März 1933 wurde die Eiserne Front reichsweit verboten. Das Zeichen blieb: In Österreich wurde es Abzeichen der Sozialdemokratie und des Widerstands, in Deutschland taucht es heute vor allem als historischer Bezug auf. Anders als das Hakenkreuz wird es von § 86a StGB nicht erfasst; Einzelheiten stehen unten.

Merke

Die drei Pfeile sind ein Zeichen gegen das Hakenkreuz und kein Zahlencode wie 161. Sie gehören zur sozialdemokratischen Tradition der Eisernen Front, nicht zur Antifaschistischen Aktion der KPD.


Ausführlich erklärt

Entstehung: Kreidestriche in Heidelberg

Nach Tschachotins eigenem Rückblick von 1933 sah er rund fünf Tage nach dem Bekanntwerden der Boxheimer Dokumente am 26. November 1931 in Heidelberg ein Hakenkreuz, durch das ein weißer Strich gezogen war. Das Geheimpapier enthielt Pläne für den Fall einer gewaltsamen Machtübernahme. Tschachotin verteilte danach Kreide an junge Reichsbannerleute, die Hakenkreuze durchstreichen sollten. Aus dem Strich wurde ein Pfeil, später drei. Eine anonyme Erinnerung von 1983 bestätigt die Kreideaktion. Der Historiker Reinhard Riese hält fest, dass Tschachotin den Dreipfeil in den ersten Wochen des Jahres 1932 weiterentwickelte. Die Heidelberger Volkszeitung druckte ihn nach Riese erstmals am 12. März 1932.

Die Kampagne 1932

Das Deutsche Historische Museum (DHM) nennt Februar 1932 als Beginn der einheitlichen Verwendung. Tschachotin wurde nach der Reichspräsidentenwahl im März 1932 nach Berlin gerufen und Propagandaleiter der Eisernen Front. Mit Mierendorff organisierte er den Wahlkampf zur hessischen Landtagswahl am 19. Juni 1932. Beide verfassten die Broschüre „Grundlagen und Formen politischer Propaganda“. Ein Rundschreiben der SPD vom 14. Juni 1932 verpflichtete die Arbeiterbewegung auf den Kampf mit Symbolen. Seit dem 29. Juni 1932 stand der Dreipfeil im Kopf des Vorwärts, auf Fahnen erschien er weiß auf rotem Grund. Dazu kam der Gruß „Freiheit!“ mit erhobener, geballter Faust, nach der Friedrich-Ebert-Stiftung ein Pendant zum Hitlergruß. Anders als das Reichsbanner, das nur Männer organisierte, sprach die Propaganda der Eisernen Front laut DHM auch Frauen an.

Die NS-Presse verspottete die Pfeile als „Mistgabeln“. Wie gefährlich das Tragen des Abzeichens war, zeigt ein Vorfall vom 22. Juli 1932: Einem Redakteur der Vossischen Zeitung schlugen SS-Männer den Kopf blutig, weil er das Abzeichen nicht vom Revers entfernen wollte.

Bedeutung: Deutungen und Kritik

Die Zahl drei wurde verschieden gelesen. Nach dem Historischen Lexikon Bayerns richtete sich die häufigste Lesart gegen „Kapitalismus, Faschismus und Reaktion“. Das DHM nennt Nationalsozialismus, Kommunismus und Monarchismus, die Friedrich-Ebert-Stiftung Nationalsozialisten, Kommunisten und reaktionären Adel. Dazu kamen die drei Säulen des Bündnisses sowie Aktivität, Disziplin und Einigkeit.

Schon 1932 gab es Kritik. Die SPD-Führung lehnte Tschachotins Methoden nach Riese als nicht seriös und „amerikanisch“ ab. Eine Werbezeitschrift nannte die nach unten zeigenden Pfeile einen „psychologischen Fundamentalfehler“, weil sie als passives Abwehrzeichen lesbar seien. Das DHM verweist darauf, dass die affektgeladene Propaganda inhaltliche Widersprüche ausblendete, etwa die Unterstützung Hindenburgs bei antikapitalistischem Grundton. Das Historische Lexikon Bayerns hält fest, dass die Front ein SPD-dominiertes Bündnis blieb. Auf den „Preußenschlag“ vom 20. Juli 1932, die Absetzung der preußischen Regierung durch die Reichsregierung, antwortete die SPD nicht mit einem Generalstreik, und Anfang 1933 verzichtete die Führung auf außerparlamentarische Aktionen.

Verbot, Widerstand und Österreich

Am 11. März 1933 wurde die Eiserne Front reichsweit verboten. Die Pfeile verschwanden nicht sofort: Der Hamburgische Correspondent berichtete am 22. März 1933 von Kolonnen, die sie an Hauswände malten. In Österreich beschloss der Parteivorstand der Sozialdemokratie am 8. August 1932 auf Vorschlag von Otto Felix Kanitz, die Pfeile zu übernehmen. Sie wurden Widerstandszeichen der Revolutionären Sozialisten. Nach 1945 ergänzte die SPÖ einen roten Ring. Nach dem Austria-Forum hielt sich das Zeichen lange nach dem Zweiten Weltkrieg, bis der Schriftzug „SPÖ“ es ablöste. Das Karl-Renner-Institut nennt es bis heute ein beliebtes Abzeichen. In der deutschen Sozialdemokratie taucht es laut Friedrich-Ebert-Stiftung kaum noch auf.

Verwendung heute

Der SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf trägt die Pfeile als Tattoo am linken Arm. Die Eiserne Front hat laut Vorwärts vom 2. Juli 2025 für ihn Vorbildcharakter. Im September 2026 sagte er zur Neuaufstellung des Vorwärts, das neue Logo knüpfe bewusst an die Tradition der Titelseiten mit den drei Pfeilen an. Zudem entstand am 17. Juni 2026 der Verein „Eiserne Front, Demokratischer Schutzbund“, der laut eigener Angabe (abgerufen am 20. Oktober 2026) noch nicht im Vereinsregister eingetragen ist. Er verwendet die Pfeile als historisches Zeichen der demokratischen Arbeiterbewegung.

2019 zeigten Fans der Portland Timbers und der Seattle Sounders „Iron Front“-Fahnen, welche die Liga MLS als politische Stellungnahme verbot. Nach Protesten hob sie das Verbot am 24. September 2019 vorerst bis Saisonende auf, während der Verhaltenskodex überarbeitet wurde. Die spätere Regelung wurde nicht geprüft.

16. Dezember 1931Vertreter von SPD, Gewerkschaften, Sportverbänden und Reichsbanner proklamieren die Eiserne Front
60 MillionenFlugblätter und Plakate laut DHM-Schätzung im Reichspräsidentenwahlkampf 1932
11. März 1933reichsweites Verbot der Eisernen Front

Rechtliche Lage (Stand 20. Oktober 2026)

§ 86a des Strafgesetzbuchs stellt das Verwenden von Kennzeichen bestimmter Organisationen unter Strafe. Erfasst sind etwa vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärte Parteien, unanfechtbar verbotene Vereinigungen sowie Mittel, die Bestrebungen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation fortsetzen sollen. Die Eiserne Front gehört nicht dazu. Ihr Verbot 1933 ging vom NS-Regime aus und ist keine Feststellung nach diesem Paragrafen. Eine Strafvorschrift gegen das Zeigen der drei Pfeile ergibt sich daraus nicht.

Ein Sonderfall ist das durchgestrichene Hakenkreuz. Der Bundesgerichtshof entschied am 15. März 2007 (3 StR 486/06), dass ein Kennzeichen in einer Darstellung, die offenkundig und eindeutig die Gegnerschaft zur Organisation zeigt, nicht vom Tatbestand erfasst wird. Zudem gilt das Verbot nicht für Handlungen, die etwa der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Wissenschaft oder der Berichterstattung über die Geschichte dienen (§ 86 Absatz 4 StGB).

Einordnung

Ob das Zeichen auf Fremdeigentum zulässig ist, regelt ein anderer Paragraf: Wer unbefugt das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert, begeht Sachbeschädigung (§ 303 Absatz 2 StGB). Das gilt auch für Pfeile an Hauswänden. Für den Einzelfall ist eine Rechtsberatung nötig.

Abgrenzung zu anderen Zeichen

Das Logo der Antifaschistischen Aktion zeigte 1932 zwei nach links geneigte rote Fahnen. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz wollte sich die Antifaschistische Aktion von der Eisernen Front abgrenzen, und die KPD lehnte die SPD als Gesamtpartei ebenfalls als „faschistisch“ ab. Das heutige Antifa-Zeichen mit roter und schwarzer Fahne steht nicht für eine einzelne Organisation. Die drei Pfeile gehören dagegen zu einem klar umrissenen historischen Bündnis. Mehr dazu in den Einträgen Antifaschistische Aktion und Antifaschistische Codes.

Quellen: DHM (LeMO, Sebastian Elsbach, 2019): Die Eiserne Front / DHM (LeMO): Jahreschronik 1931 / Reinhard Riese (2019): Dreipfeil gegen Hakenkreuz, Heidelberg-Jahrbuch 23 / Friedrich-Ebert-Stiftung: Drei Pfeile, die gegen das Hakenkreuz flogen / Historisches Lexikon Bayerns (Günther Gerstenberg, 2006): Eiserne Front, 1931-1933 / Karl-Renner-Institut (Rot Bewegt): Die drei Pfeile / Austria-Forum (Peter Diem): Drei Pfeile / Vorwärts (23. September 2026): Interview mit Tim Klüssendorf / Vorwärts (2. Juli 2025): Wie Tim Klüssendorf die SPD verändern will / Eiserne Front, Demokratischer Schutzbund (Verein in Gründung): Selbstdarstellung / Mitteldeutsche Zeitung (sid, 2019): Iron-Front-Fahne nicht mehr verboten / KOMO News (2019): MLS lifts ban on Iron Front flag / Strafgesetzbuch § 86a (gesetze-im-internet.de) / Strafgesetzbuch § 86 (gesetze-im-internet.de) / Strafgesetzbuch § 303 (gesetze-im-internet.de) / BGH, Urteil vom 15. März 2007, 3 StR 486/06 / Bundesamt für Verfassungsschutz: Die „Antifa“ (Stand März 2026)

Hinweis zur Quellenlage: Stand 20. Oktober 2026. Die Entstehung in Heidelberg beruht auf Tschachotins Rückblick von 1933 und einer anonymen Erinnerung von 1983, wiedergegeben bei Riese. Das neue Vorwärts-Logo wurde nicht selbst eingesehen. Dieser Eintrag ist keine Rechtsberatung.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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