Gaslighting


Kompakt erklärt

Gaslighting bezeichnet eine Form psychischer Manipulation, bei der eine Person gezielt dazu gebracht wird, an der eigenen Wahrnehmung, Erinnerung oder dem eigenen Urteilsvermögen zu zweifeln. Der Begriff stammt aus dem Theaterstück „Gas Light“ von Patrick Hamilton (1938): Ein Ehemann manipuliert die Gaslampen im Haus, leugnet aber gegenüber seiner Frau jede Veränderung – bis sie an ihrem Verstand zweifelt.

Gaslighting ist kein einmaliger Streit, sondern ein Muster: Aussagen werden verleugnet, Erlebnisse als übertrieben oder eingebildet abgetan, Betroffene als „zu sensibel“ abgestempelt. Typische Sätze: „Das habe ich nie gesagt.“ „Du übertreibst wieder.“ „Du bist viel zu empfindlich.“

Gaslighting passiert in Beziehungen, Familien, am Arbeitsplatz – und in Institutionen wie dem medizinischen System. Besonders häufig betroffen sind Frauen, queere Personen, Menschen mit chronischen Erkrankungen und People of Color (PoC), also Menschen, die rassistischer Diskriminierung ausgesetzt sind. Ihnen wird gesellschaftlich häufig weniger Glaubwürdigkeit zugebilligt – was Gaslighting erleichtert und verstärkt.


Für Neugierige

Gaslighting ist in der Psychologie als Form emotionalen Missbrauchs beschrieben. Robin Stern (Yale University) hat das Konzept in ihrem Buch „The Gaslight Effect“ (2007) systematisch aufgearbeitet. Es beschreibt nicht nur individuelle Manipulation, sondern auch gesellschaftliche Machtgefälle, die bestimmen, wessen Wahrnehmung als gültig gilt.

Die Philosophin Miranda Fricker hat in „Epistemic Injustice“ (2007) das Konzept der testimonialen Ungerechtigkeit entwickelt: Wenn die Aussagen einer Person aufgrund von Identitätsmerkmalen wie Geschlecht, Hautfarbe oder Behinderung systematisch geringer gewichtet werden, ist das strukturelles Gaslighting.

Medical Gaslighting ist eine besonders gut dokumentierte Spielart: Patient*innen – überproportional Frauen und queere Personen – berichten, dass ihre körperlichen Symptome als psychosomatisch abgetan werden, obwohl organische Ursachen vorliegen. Erkrankungen wie Fibromyalgie oder ME/CFS sind besonders bekannte Bereiche. Gaslighting ist damit kein rein persönliches Problem, sondern auch ein strukturelles: Es wird durch gesellschaftliche Machtgefälle ermöglicht – und erfordert systemische Antworten.

Quellen: Stern, R. (2007). The Gaslight Effect. Morgan Road Books. | Fricker, M. (2007). Epistemic Injustice: Power and the Ethics of Knowing. Oxford University Press.


Verwandte Begriffe: Medical Gaslighting · Mikroaggression · Ableismus · Intersektionalität · Machtmissbrauch