Postwachstum


Kompakt erklärt

Postwachstum stellt eine grundlegende Frage: Muss eine Gesellschaft immer wachsen, um gut zu funktionieren? Die gängige Antwort in Politik und Wirtschaft lautet: ja. Postwachstum sagt: nein – und fragt weiter, was wirklich zählt. Nicht das Bruttoinlandsprodukt, sondern Lebensqualität, soziale Gerechtigkeit und ökologische Stabilität. Das bedeutet nicht, dass alle ärmer werden müssen. Es geht darum, Wohlstand anders zu verteilen und zu messen – und Wirtschaftsaktivitäten so zu gestalten, dass sie innerhalb planetarer Grenzen bleiben. Postwachstum ist kein Rückschritt in die Vergangenheit, sondern ein Entwurf für eine Gesellschaft, in der Genug tatsächlich genug ist.


Für Neugierige

Der Begriff geht auf die Degrowth-Bewegung zurück, die seit den 1970er Jahren – angestoßen durch den Bericht „Die Grenzen des Wachstums” des Club of Rome (1972) – kontinuierlich an Bedeutung gewonnen hat. Wirtschaftswissenschaftler*innen wie Jason Hickel und Kate Raworth (Donut-Ökonomie) argumentieren, dass dauerhaftes Wachstum auf einem endlichen Planeten physikalisch nicht möglich ist. Postwachstum unterscheidet sich von bloßer Suffizienz: Es geht nicht nur um individuelle Konsumentscheidungen, sondern um die Transformation von Produktionssystemen und politischen Institutionen. In der Klimadebatte wird Postwachstum zunehmend diskutiert, weil Effizienzgewinne durch sogenannte Rebound-Effekte oft wieder aufgezehrt werden – ein Phänomen, das als Jevons-Paradox bekannt ist.

Quellen: Meadows, D. et al. (1972). Die Grenzen des Wachstums. Club of Rome. / Hickel, J. (2020). Less is More. Penguin. / Raworth, K. (2017). Doughnut Economics. Random House.


Verwandte Begriffe: Suffizienz · Kreislaufwirtschaft · Klimagerechtigkeit · Ökologischer Fußabdruck