Nachhaltigkeit

Food Waste

Food Waste einfach erklärt: 1,05 Milliarden Tonnen weltweit, 129 Kilogramm pro Kopf in Deutschland, Messmethoden und EU-Ziele bis 2030.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 13.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Lebensmittel (und die dazugehörigen nicht essbaren Teile), die aus der Versorgungskette für Menschen entfernt werden, etwa im Müll, in der Kompostierung oder in der Biogasanlage
Weltweit
1,05 Milliarden Tonnen im Jahr 2022, 132 Kilogramm pro Kopf (UNEP)
Deutschland
10,9 Millionen Tonnen im Jahr 2023, davon etwa 58 Prozent in privaten Haushalten (Umweltbundesamt)
Abgrenzung
Food Loss: Verluste vor dem Einzelhandel. Food Waste: Einzelhandel, Gastronomie, Haushalte
Ziel
Halbierung bis 2030 (UN-Nachhaltigkeitsziel 12.3), in der EU verbindlich 10 und 30 Prozent

Einfach erklärt

Food Waste, zu Deutsch Lebensmittelverschwendung, bezeichnet Lebensmittel, die für den menschlichen Verzehr hergestellt wurden, aber nicht gegessen werden. Nach der Definition des UN-Umweltprogramms (UNEP) zählen dazu auch die nicht essbaren Teile wie Knochen, Schalen und Kerne, sobald sie aus der Versorgungskette entfernt werden. Wohin sie gelangen, ist dabei zweitrangig: Mülltonne, Kompost, Abwasser, Verbrennung oder Biogasanlage gelten alle als Food Waste.

Weltweit wurden laut UNEP im Jahr 2022 rund 1,05 Milliarden Tonnen Lebensmittel verschwendet. Das entspricht 19 Prozent der Lebensmittel, die Konsumierenden zur Verfügung standen. Hinzu kommen 13 Prozent der weltweiten Lebensmittel, die nach Schätzung der FAO schon früher in der Lieferkette verloren gehen, von der Ernte bis vor den Einzelhandel. Für Deutschland meldete das Umweltbundesamt (UBA) für 2023 insgesamt 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle. Auch die Emissionen spielen eine Rolle: Laut UNEP gehen 8 bis 10 Prozent der weltweiten Treibhausgase auf Lebensmittelverluste und Lebensmittelabfälle zurück.

Merke

Zahlen zu Lebensmittelverschwendung sind nur vergleichbar, wenn klar ist, ob Verluste vor dem Handel mitgezählt werden, ob nicht essbare Teile enthalten sind und ob nach Entsorgungsweg oder nach Haushaltsbefragung gemessen wurde.


Ausführlich erklärt

Food Loss und Food Waste

Die Fachsprache trennt zwei Begriffe. Food Loss sind laut UNEP und FAO die Mengen, die zwischen Ernte beziehungsweise Schlachtung und dem Einzelhandel aus der Kette ausscheiden, etwa bei Lagerung, Transport oder Verarbeitung. Der Food Waste Index des UNEP misst dagegen Einzelhandel, Gastronomie und private Haushalte und erfasst die gesamte Frischmasse, nicht einzelne Produkte. Die Trennung ist politisch relevant, weil an jeder Stelle andere Beteiligte handeln müssen: Landwirtschaft und Verarbeitung auf der einen, Handel, Gastronomie und Haushalte auf der anderen Seite.

Weltweit: Die Zahlen und ihr Wandel

Die oft zitierte Zahl stammt aus einer FAO-Studie von 2011: Etwa ein Drittel der für den Menschen produzierten Lebensmittel gehe verloren oder werde verschwendet, rund 1,3 Milliarden Tonnen im Jahr. Der UNEP-Bericht von 2024 liefert seither eine breitere Datenbasis. Von den 1,05 Milliarden Tonnen im Jahr 2022 entfielen 631 Millionen Tonnen auf private Haushalte (60 Prozent), 290 Millionen auf die Gastronomie und 131 Millionen auf den Einzelhandel. Pro Kopf sind das 132 Kilogramm im Jahr, davon 79 Kilogramm im Haushalt. Laut UNEP entspricht das mindestens einer Milliarde Mahlzeiten täglich, in einer Welt mit 783 Millionen hungernden Menschen.

1,05 Milliarden TonnenLebensmittel wurden 2022 weltweit verschwendet, 19 Prozent des Angebots für Konsumierende (UNEP, 2024)
60 Prozentder verschwendeten Menge entstehen in privaten Haushalten, 28 Prozent in der Gastronomie (UNEP, 2024)
10,9 Millionen TonnenLebensmittelabfälle fielen 2023 in Deutschland an (UBA)

Auffällig ist ein Befund, der das Bild vom reichen Problem korrigiert. Die FAO schätzte 2011, dass Konsumierende in Europa und Nordamerika 95 bis 115 Kilogramm im Jahr wegwerfen, in Subsahara-Afrika und Süd- und Südostasien nur 6 bis 11 Kilogramm. Der UNEP-Bericht von 2024 findet bei den Haushaltsabfällen dagegen eine Annäherung: Zwischen Ländern mit hohem, oberem mittlerem und unterem mittlerem Einkommen liegt der durchschnittliche Unterschied nur bei 7 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Das Problem betrifft also alle Einkommensgruppen. Heißere Länder verzeichnen laut UNEP tendenziell mehr Abfall im Haushalt, vermutlich durch einen höheren Anteil frischer Ware mit viel nicht essbarem Anteil und fehlende Kühlketten.

Deutschland: Wo die Abfälle entstehen

Das UBA nennt für 2023 insgesamt 10,9 Millionen Tonnen und ohne Jahresangabe 129 Kilogramm pro Einwohner. Etwa 58 Prozent entstanden in privaten Haushalten, 17 Prozent in der Verarbeitung, 16 Prozent in Restaurants, Gemeinschaftsverpflegung und Catering, rund 7 Prozent im Handel und etwa 2 Prozent in der Landwirtschaft. Für das Jahr 2022 rechnet das UBA 6,3 Millionen Tonnen im Haushalt vor, das sind etwa 74,5 Kilogramm pro Kopf. Eine Konsumforschungsstudie der GfK von 2020 ordnet laut UBA 35 Prozent der Haushaltsabfälle frischem Obst und Gemüse zu, 13 Prozent Brot und Backwaren, 12 Prozent Getränken und 9 Prozent Milchprodukten. Je jünger der Haushaltsvorstand, desto mehr potenziell verwertbare Lebensmittel werden demnach weggeworfen.

Die Zahlen früherer Studien weichen etwas ab, weil sich die Methode unterscheidet. Die Thünen-Baseline für 2015 kam auf fast 11,9 Millionen Tonnen, davon 52 Prozent (6,14 Millionen Tonnen, etwa 75 Kilogramm pro Kopf) in Haushalten. Die vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamts für 2020 nennen 10,9 Millionen Tonnen, davon 59 Prozent in Haushalten. Das UBA weist darauf hin, dass die aktuelle EU-Methode im Unterschied zur Baseline 2015 bei der Entsorgung ansetzt und auf den amtlichen Abfallstatistiken beruht. Ob die Menge seit 2015 gesunken ist, lässt sich aus den Gesamtzahlen deshalb nicht verlässlich ablesen.

Die Thünen-Baseline hält außerdem fest: Über alle Sektoren hinweg wäre etwa die Hälfte der Abfälle theoretisch vermeidbar. Der Handel beeinflusst zudem die Mengen davor und danach, nämlich durch Qualitätsansprüche und Retouren gegenüber Erzeugern sowie durch Kaufanreize bei den Konsumierenden. Verschwendung entsteht also nicht nur an der Haushaltstür, sondern auch durch Strukturen der Lieferkette.

Europa: Ziele und Pflichten

Im Jahr 2024 fielen in der EU laut Eurostat rund 58 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an, das sind 129 Kilogramm pro Kopf. Gut die Hälfte stammte aus Haushalten (rund 31 Millionen Tonnen). Das UN-Nachhaltigkeitsziel 12.3 verlangt, die weltweiten Lebensmittelabfälle pro Kopf im Handel und bei den Konsumierenden bis 2030 zu halbieren. In der EU gilt seit der Änderung der Abfallrahmenrichtlinie (Richtlinie (EU) 2025/1892) für die Mitgliedstaaten: Bis Ende 2030 sollen die Abfälle in Verarbeitung und Herstellung um 10 Prozent sinken, im Handel, in der Gastronomie und in Haushalten gemeinsam um 30 Prozent pro Kopf. Als Vergleichswert dient der Jahresdurchschnitt von 2021 bis 2023. Deutschland verfolgt das Ziel zusätzlich in seiner Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung.

Was die Zahlen nicht sagen

Eine Tonne Lebensmittelabfall ist nicht gleich eine Tonne vermeidbare Verschwendung. Bananenschalen und äußere Salatblätter sind laut UBA meist nicht vermeidbar, frische Lebensmittel machen dagegen den vermeidbaren Anteil aus. Auch erklären die Mengen nicht, wer die Verschwendung verursacht: Haushalte, Handel und Gastronomie wirken zusammen.

Umweltfolgen

Mit jedem weggeworfenen Lebensmittel gehen auch Fläche, Wasser, Düngemittel und Energie verloren, die für die Herstellung nötig waren. Das UBA verweist auf eine Studie des Thünen-Instituts: Die Ernährung in Deutschland verursachte 2010 rund 177 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente und beanspruchte 38 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche. Würden die Lebensmittelabfälle in Handel und bei den Konsumierenden bis 2030 halbiert, könnten die Emissionen aus dem Lebensmittelkonsum um etwa 10 Prozent (17 Millionen Tonnen) sinken und der Flächenbedarf um 4 Millionen Hektar. Wer die eigene Bilanz nachvollziehen möchte, findet im ökologischen Fußabdruck den größeren Rahmen, im Konzept der planetaren Grenzen die Belastungsgrenzen der Erde.

Lebensmittelverschwendung ist ein Systemproblem mit vielen Stellen: Haushalte verursachen den größten Anteil, aber Erzeugung, Verarbeitung, Handel und Gastronomie tragen ebenfalls Mengen und Strukturen bei.

Kerngedanke

Was du tun kannst

  1. Plane Einkäufe nach dem tatsächlichen Bedarf, denn frisches Obst und Gemüse macht laut GfK mit 35 Prozent den größten Teil der Haushaltsabfälle aus.
  2. Gib überschüssige Lebensmittel weiter, etwa über Foodsharing, bevor sie im Müll landen.
  3. Verwerte Reste und Brot weiter: Das UBA nennt Brotsalat, Brotchips oder Suppen und verweist auf die Beste-Reste-Rezeptdatenbank des Bundesernährungsministeriums.

Quellen: UNEP (2024): Food Waste Index Report 2024, Think Eat Save (Key Messages und Volltext) / FAO (2011): Global food losses and food waste, Extent, causes and prevention / Umweltbundesamt: Lebensmittelabfälle (Stand 27.10.2025) / Statistisches Bundesamt: Lebensmittelabfälle in Deutschland, Berichtsjahr 2020 (vorläufig) / Schmidt, Schneider, Leverenz und Hafner (2019): Lebensmittelabfälle in Deutschland, Baseline 2015, Thünen Report 71 / Eurostat: Food waste and food waste prevention, estimates (Daten für 2024) / Europäische Kommission: Food waste reduction targets (Richtlinie (EU) 2025/1892)


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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