Antifaschismus & Demokratie

168:1 Bedeutung

168:1 ist ein Code der extremen Rechten, der den Anschlag von Oklahoma City 1995 verherrlicht. Herkunft, Deutung, Rechtslage und Einordnung.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 15.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Zahlencode der extremen Rechten, der den Bombenanschlag von Oklahoma City 1995 verherrlicht
Herleitung
168 Todesopfer, 1 verurteilter Täter (Timothy McVeigh)
Form
Kein Alphabetcode wie 88 oder 18, sondern eine Zählformel
Wo zu sehen
Laut bpb auf Kleidung, Aufklebern, CD-Covern und in Nutzernamen
Deutschland
Laut Verfassungsschutz Hessen in der Regel nicht nach § 86a StGB strafbar
Einordnung
Verherrlichung von Terror, keine harmlose Zahl

Einfach erklärt

„168:1“ ist ein Code der extremen Rechten. Er bezieht sich auf den Bombenanschlag von Oklahoma City am 19. April 1995, bei dem 168 Menschen starben. Die 168 steht für diese Todesopfer, die 1 für den Täter Timothy McVeigh, der später zum Tode verurteilt wurde. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) schreibt, der Code verherrliche das Attentat. „168 zu eins“ solle aus Sicht von Neonazis eine „positive Bilanz“ der Tat ausdrücken.

Das ist der entscheidende Unterschied zu Codes wie 88 Bedeutung oder 18 Bedeutung: Hier wird kein Buchstabe versteckt. Die Zahlen sind eine Rechnung, die Menschenleben als Punktestand behandelt. Wer den Code benutzt, feiert einen Massenmord und verhöhnt die Toten und ihre Angehörigen.

Merke

168:1 ist keine zufällige Zahlenkombination, sondern die Bilanz eines Terroranschlags aus Sicht der Täterseite. Zu lesen ist sie als Verherrlichung von Gewalt.


Ausführlich erklärt

Der Anschlag von Oklahoma City

Inhaltshinweis

Dieser Abschnitt beschreibt einen Terroranschlag mit vielen Todesopfern, darunter Kinder.

Am Morgen des 19. April 1995 explodierte vor dem Alfred P. Murrah Federal Building in Oklahoma City ein Mietlaster der Firma Ryder, beladen mit knapp 5.000 Pfund Sprengstoff. Die Explosion um 9:02 Uhr zerstörte den größten Teil des neunstöckigen Gebäudes und beschädigte oder zerstörte mehr als 300 Gebäude in der Umgebung. Laut FBI starben 168 Menschen, darunter 19 Kinder, die meisten von ihnen in der Kindertagesstätte des Hauses. Das jüngste Opfer war vier Monate alt. Hunderte Menschen wurden verletzt.

Das FBI bezeichnet den Anschlag als den tödlichsten Fall von „homegrown terrorism“ in der Geschichte der USA, also von Terror, der von Tätern aus dem eigenen Land ausging. Im Gedenkort an der Stelle des zerstörten Gebäudes steht für jedes Todesopfer ein leerer Stuhl: 168 Stühle, davon 19 kleinere für die Kinder. Laut National Park Service ist in jeden Stuhl der Name eines Opfers eingraviert. Auf diese Menschen spielt der Code an.

168Menschen starben beim Anschlag vom 19. April 1995, darunter 19 Kinder
Knapp 5.000Pfund Sprengstoff befanden sich laut FBI im Mietlaster
Mehr als 300Gebäude in der Umgebung wurden laut FBI beschädigt oder zerstört

Der Täter und die Hintergründe

Das FBI schildert Timothy McVeigh als dekorierten Veteranen der US-Armee, der die Regierung für einen Angriff auf die Rechte und Freiheiten der Amerikanerinnen und Amerikaner hielt. Sein Hass auf die Bundesregierung habe sich verfestigt, als am 19. April 1993 bei der Belagerung in Waco, Texas, 76 Menschen starben. Der Anschlag fand genau zwei Jahre später statt. McVeigh habe geplant, mit der Tat „den ersten Schuss“ einer neuen amerikanischen Revolution abzugeben. Die bpb beschreibt ihn als Angehörigen einer rechtsextremen US-Miliz.

McVeigh handelte nicht allein. Nach den Ermittlungen des FBI half sein früherer Armeekamerad Terry Nichols beim Beschaffen und Mischen der Zutaten. Nichols wurde im Dezember 1997 wegen Verschwörung und acht Fällen von „manslaughter“ (Tötung ohne Mordvorsatz) verurteilt und erhielt lebenslange Haft. Michael Fortier sagte gegen McVeigh aus und bekam zwölf Jahre Haft, weil er den geplanten Anschlag nicht gemeldet und das FBI belogen hatte. Eine Jury sprach McVeigh am 2. Juni 1997 in allen Anklagepunkten schuldig. Laut Federal Bureau of Prisons wurde er am 11. Juni 2001 in der Haftanstalt Terre Haute (Indiana) durch eine Giftspritze hingerichtet.

Wie der Code gedeutet wird

Die Quellen deuten die Zahlen leicht unterschiedlich, im Kern aber gleich:

  • bpb: „168 zu eins“ soll die aus Neonazisicht „positive Bilanz“ des Attentats beschreiben.
  • Verfassungsschutz Hessen: 168:1 steht für die 168 Opfer und den zum Tode verurteilten Täter. McVeigh habe einem Journalisten vor seiner Hinrichtung gesagt, er fühle sich als Sieger und es stehe nun 168:1.
  • Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern: Der Code bezeichnet ein „Verlustverhältnis“ beim Anschlag auf das Murrah Federal Building, bei dem 168 Menschen starben.

Die drei Quellen sind sich einig, wofür die Zahlen stehen. Ob der Code vor allem als „Bilanz“ oder als „Verlustverhältnis“ gelesen wird, ist eine Frage der Perspektive: Aus der Sicht der Szene wird die Tat zum Erfolg, aus der Sicht der Opfer ist sie ein Verlust. Die Aussage von McVeigh selbst lässt sich hier nur über die Broschüre des Verfassungsschutzes Hessen belegen. Dieser Eintrag gibt sie deshalb nur als dessen Darstellung wieder.

Ein Code, der Tote zählt und den Täter dazurechnet, macht aus einem Massenmord ein Spiel. Genau darin liegt die Verherrlichung.

Kerngedanke

Wo der Code auftaucht

Die bpb nennt Zahlencodes dieser Art auf Kleidung und Aufklebern, auf CD-Covern und in Internet-Nicknames. Außerdem würden öffentliche Räume häufig mit gesprühten Zahlencodes markiert. Der Verfassungsschutz Hessen führt 168:1 in seiner Liste von Zahlen- und Buchstabencodes neben 14, 88, 18, 28, 318 und 19/8 auf, der Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern in seiner Broschüre ebenfalls. Zum Prinzip dahinter steht mehr im Eintrag Zahlencodes im Rechtsextremismus. Verwandt sind 1488 Bedeutung und C18.

Der Code ist ein Dogwhistle: Wer die Bedeutung nicht kennt, sieht nur eine Zahl. Das Landesamt für Verfassungsschutz Hessen hält fest, dass solche Codes in ihrer Bedeutung oft nur Insidern der Szene bekannt sind.

Rechtslage in Deutschland

§ 86a Strafgesetzbuch bestraft das Verwenden von Kennzeichen bestimmter verfassungswidriger und terroristischer Parteien oder Vereinigungen mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe. Kennzeichen sind laut Gesetz namentlich Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen und Grußformen. Die gelesenen Quellen ordnen 168:1 keiner bestimmten verbotenen Organisation zu.

Das entspricht dem, was die Verfassungsschutzbehörden schreiben. Das Landesamt für Verfassungsschutz Hessen gibt an, dass Codes dieser Art in der Regel nach gängiger Rechtsprechung den Tatbestand des § 86a nicht erfüllen, und führt dabei auch 168:1 auf. Die bpb schreibt, solche Codes seien in der Regel nicht illegal und könnten deshalb selbst dann nicht strafrechtlich verfolgt werden, wenn die Polizei weiß, was gemeint ist.

Das heißt nicht, dass jede Verwendung folgenlos bleibt. § 140 Strafgesetzbuch bestraft, wer bestimmte schwere Taten öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten eines Inhalts billigt, und zwar in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. § 126 Absatz 1 zählt zu diesen Taten unter anderem Mord, Totschlag und bestimmte gemeingefährliche Verbrechen. Ob eine konkrete Verwendung von 168:1 darunter fällt, ist eine Frage des Einzelfalls und wird von Staatsanwaltschaften und Gerichten entschieden. Keine der gelesenen Quellen wendet § 140 auf diesen Code an. Das hier ist deshalb nur der Gesetzeswortlaut, keine Einschätzung der Rechtsprechung.

Nicht strafbar heißt nicht harmlos

Dass 168:1 in der Regel nicht unter § 86a fällt, sagt nichts über die Haltung aus, die dahintersteht. Dieser Eintrag erklärt die Bedeutung des Codes. Er ist keine Rechtsberatung und er verbreitet den Code nicht, sondern ordnet ihn ein.

Die Zahl 1 und die Ermittlungen

Die Formel legt nahe, ein einzelner Täter stehe 168 Opfern gegenüber. Die Ermittlungen des FBI zeigen ein anderes Bild: Neben McVeigh war Terry Nichols an der Vorbereitung beteiligt, und Michael Fortier wusste von dem Plan. Mehr zum politischen Hintergrund steht im Eintrag Rechtsextremismus.

Was du tun kannst

  1. Prüfe den Zusammenhang: Ort, Kleidung, Nutzername, weitere Symbole. Eine einzelne 168 ist kein Beleg, die Formel 168:1 zusammen mit Szene-Bezügen schon eher.
  2. Halte fest, was du gesehen hast (Ort, Datum, Foto, Screenshot), und melde es der Polizei oder der Plattform. Ob etwas strafbar ist, klären die Behörden.
  3. Hole dir Unterstützung bei den Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus. Der Bundesverband Mobile Beratung nennt rund 50 Teams, die kostenlos und vertraulich beraten.

Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung: Zahlencodes (Glossar Rechtsextremismus) / Landesamt für Verfassungsschutz Hessen: Kennzeichen und Symbole der Rechtsextremisten (Stand März 2024), Abschnitt Codes / Ministerium für Inneres und Sport Mecklenburg-Vorpommern, Verfassungsschutz: Rituale und Symbole der rechtsextremistischen Szene (Stand Juli 2015), Abschnitt Zahlen- und Buchstabencodes / FBI: The Oklahoma City Bombing, 20 Years Later / FBI: The Oklahoma City Bombing, 25 Years Later / National Park Service: Oklahoma City National Memorial, We Come Here to Remember / Federal Bureau of Prisons: Federal Executions / § 86a Strafgesetzbuch / § 140 Strafgesetzbuch / § 126 Absatz 1 Strafgesetzbuch / Bundesverband Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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