Kompakt erklärt
Pronomen sind Wörter, die Namen ersetzen – im Deutschen etwa „er“, „sie“ oder „es“. Für viele Menschen sind Pronomen mehr als Grammatik: Sie sind ein Teil der eigenen Identität. Wer als trans* Mann lebt, möchte in der Regel mit „er/ihm“ angesprochen werden; eine nicht binäre Person bevorzugt vielleicht „sie“, „er“ oder explizit neutrale Varianten.
In Deutschland haben sich in den letzten Jahren verschiedene geschlechtsneutrale Pronomen im Sprachgebrauch etabliert. Am verbreitetsten ist „they/them“ in englischen Kontexten – auf Deutsch werden häufig „xier“, „dey“ oder einfach der Name der Person als Ersatz genutzt.
Das richtige Pronomen zu verwenden ist eine einfache Form des Respekts. Jemanden wiederholt mit dem falschen Pronomen anzusprechen – auch wenn man das Pronomen kennt – wird als Misgendering bezeichnet und kann für Betroffene belastend und verletzend sein.
Für Neugierige
Sprachwissenschaftlich sind genderneutrale Pronomen kein neues Phänomen. Das englische Singular-„they“ existiert bereits seit dem 14. Jahrhundert. Die American Psychological Association (APA) empfiehlt seit ihrer 7. Auflage des Publication Manuals ausdrücklich die Verwendung von Singular-„they“ als genderneutrales Pronomen.
Im Deutschen ist die Debatte komplexer, weil das grammatikalische Genus tief in der Sprache verankert ist. Trotzdem wächst die gesellschaftliche Akzeptanz alternativer Pronomen – besonders unter jüngeren Generationen und in aktivistischen, queeren und akademischen Kontexten.
Die Praxis, das eigene Pronomen in E-Mail-Signaturen, auf Namensschildern oder in sozialen Medien anzugeben, verbreitet sich zunehmend. Sie dient nicht nur der Selbstbenennung, sondern auch der Allyship: Wenn Menschen, die nicht zwingend marginalisiert sind, ihre Pronomen angeben, normalisiert das die Praxis und nimmt Druck von queeren Menschen.
Pronomen-Nutzung hängt eng mit Deadnaming, Genderidentität und dem Selbstbestimmungsgesetz (SBGG, in Kraft seit November 2024) zusammen.
Quellen: American Psychological Association (2020). Publication Manual of the APA, 7th Edition. APA Press. Bundesministerium der Justiz: Selbstbestimmungsgesetz (SBGG), 2024.
Verwandte Begriffe: Misgendering · Deadnaming · Genderidentität · nicht binär · trans*



