Struktureller Rassismus


Einfach erklärt

Struktureller Rassismus (auch systemischer Rassismus genannt) bezeichnet Rassismus, der nicht durch einzelne rassistische Personen entsteht, sondern durch Strukturen, Gesetze, Institutionen und gesellschaftliche Normen, die Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ethnischen Zugehörigkeit benachteiligen, auch dann, wenn keine explizit rassistische Absicht vorliegt.

Ein konkretes Beispiel: Studien zeigen, dass Bewerbungen mit nicht-deutschklingenden Namen bei gleicher Qualifikation deutlich seltener zu einem Vorstellungsgespräch führen. Das ist struktureller Rassismus, nicht weil alle Personalverantwortlichen rassistisch denken, sondern weil Vorurteile in Prozesse eingebaut sind. Dasselbe zeigt sich in der Gesundheitsversorgung (schlechtere Behandlung für BIPOC-Patient:innen), im Bildungssystem (geringere Schulempfehlungen für Kinder mit Migrationsgeschichte) und im Wohnungsmarkt. Struktureller Rassismus ist schwerer zu sehen als offener Rassismus, und deshalb schwerer zu bekämpfen.


Ausführlich erklärt

Der Begriff geht auf US-amerikanische Bürgerrechtsaktivist:innen der 1960er Jahre zurück und wurde vor allem durch Stokely Carmichael und Charles V. Hamilton in „Black Power“ (1967) theoretisch geprägt. In der deutschen Debatte wurde er lange kontrovers diskutiert, unter anderem, weil er den individuellen Fokus des Rassismusbegriffs auf Systeme und Institutionen verschiebt.

Die Forschung ist klar: Struktureller Rassismus ist messbar. Audit-Studien (Diskriminierungsforschung durch identische Testbewerbungen) belegen ihn auf Arbeits-, Wohnungs- und Kreditmarkt. Das Konzept der Intersektionalität (Kimberlé Crenshaw, 1989) zeigt, dass struktureller Rassismus mit Sexismus, Klassismus und Ableismus verschränkt ist: Schwarze Frauen erleben eine Diskriminierung, die weder auf Rassismus noch auf Sexismus allein reduzierbar ist. Strukturellen Rassismus zu benennen ist keine Schuldzuweisung an Individuen, sondern die Bedingung dafür, strukturelle Lösungen überhaupt denken zu können.

Quellen: Carmichael & Hamilton (1967): Black Power. Vintage Books. Crenshaw, K. (1989): „Demarginalizing the Intersection of Race and Sex“, University of Chicago Legal Forum.


Wer die Folgen struktureller Ungleichheit am stärksten spürt, ist selten Zufall: Hitze trifft nicht alle gleich: Warum chronisch Kranke, Ältere und Menschen in Armut besonders leiden.


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