Solastalgie


Einfach erklärt

Solastalgie bezeichnet das Gefühl von Schmerz oder Trauer, das entsteht, wenn sich die eigene vertraute Umgebung durch Umweltveränderungen zerstörend verändert, während man noch dort lebt. Der Begriff wurde 2003 vom australischen Umweltphilosophen Glenn Albrecht geprägt. Er kombiniert das lateinische „solacium“ (Trost) mit dem griechischen „algos“ (Schmerz).

Anders als klassisches Heimweh, bei dem man sich nach einem verlassenen Ort sehnt, entsteht Solastalgie am vertrauten Ort selbst: Man ist zuhause, aber die Heimat ist nicht mehr dieselbe. Das kann durch Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen oder den schleichenden Wandel ganzer Landschaften ausgelöst werden. Ein Bauer, der erlebt, wie sein Ackerland durch anhaltende Trockenheit stirbt. Eine Küstenbewohnerin, die zusieht, wie das Meer ihr Dorf langsam verschluckt. Das sind konkrete Gesichter von Solastalgie. Das Konzept macht sichtbar, dass der Klimawandel nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein psychologisches und soziales Problem ist.


Ausführlich erklärt

Albrecht entwickelte den Begriff ursprünglich im Kontext des australischen Kohleabbaus und seiner Auswirkungen auf ländliche und indigene Gemeinschaften, darunter australische First Nations, eine Herkunft, die die Verbindung zwischen Umweltzerstörung, Kolonialismus und psychischer Gesundheit bereits einschreibt. In der Wissenschaft wird Solastalgie als Form des ökologischen Trauerns (eco-grief) eingeordnet und von Klimaangst abgegrenzt: Klimaangst meint die Sorge um zukünftige Klimaveränderungen, Solastalgie reagiert auf bereits erlebte, gegenwärtige Verluste.

Studien aus dem Kontext australischer Buschbrände und der IPCC-Berichte (AR6, 2022) belegen, dass Menschen in direkt betroffenen Regionen, besonders im sogenannten Globalen Süden (Länder, die überproportional von Klimafolgen betroffen sind, historisch aber am wenigsten zu Emissionen beitragen) deutlich höhere psychische Belastungen durch Umweltverluste tragen. Die Benennung von Solastalgie ist mehr als Theorie: Sie macht psychosoziale Unterstützung zu einer Forderung der Klimagerechtigkeit, nicht einer Zusatzleistung.

Quellen: Albrecht et al. (2007): „Solastalgia: the distress caused by environmental change“, Australasian Psychiatry. IPCC AR6 (2022), Chapter 8.


Wie sich veränderte Landschaften ganz konkret auf das Leben vor Ort auswirken: Moore retten: Warum Torfböden mehr CO₂ speichern als alle Wälder zusammen.


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  • Klimaangst: die Sorge um zukünftige Klimafolgen, von der sich Solastalgie klar abgrenzt
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