Deadnaming


Kompakt erklärt

Deadnaming bedeutet, eine trans* oder nicht binäre Person mit ihrem Geburtsnamen zu nennen, den sie nicht mehr verwendet – also dem Namen, den sie vor ihrer Transition oder Selbstoffenbarung hatte. Der Begriff setzt sich aus dem englischen „dead“ (tot) und „name“ zusammen: Es ist der Name, den die Person hinter sich gelassen hat.

Deadnaming kann absichtlich oder unbeabsichtigt passieren. Absichtliches Deadnaming – oft in Kombination mit falschem Misgendering – ist eine Form von Diskriminierung und kann erheblichen psychischen Schaden anrichten. Unbeabsichtigtes Deadnaming, etwa durch alte Dokumente, Schulsysteme oder unachtsame Familienmitglieder, ist ebenfalls belastend, aber im Umgang anders zu bewerten.

Wer jemanden deadnamet, macht deutlich – bewusst oder nicht –, dass man die Identität der Person nicht anerkennt. Das Gegenteil: den gewünschten Namen verwenden, auch wenn man ihn erst lernen muss. Wer sich vertut, entschuldigt sich kurz und macht weiter – ohne Drama.


Für Neugierige

Deadnaming ist kein rein sprachliches Problem. Studien zeigen, dass die konsequente Verwendung des richtigen Namens und der richtigen Pronomen die psychische Gesundheit von trans* Jugendlichen signifikant verbessert: weniger Depressionen, weniger Suizidgedanken, stärkeres Selbstwertgefühl (Russell et al., 2018).

Strukturell taucht Deadnaming in Kontexten auf, wo Namensänderungen nicht oder nur mit hohem bürokratischen Aufwand möglich sind: Krankenakten, Schulzeugnisse, Personalausweise, Arbeitszeugnisse. In Deutschland ist eine Namens- und Geschlechtsänderung im Personenstandsregister seit dem Selbstbestimmungsgesetz (in Kraft seit November 2024) vereinfacht möglich – der Weg durch Behörden und Institutionen bleibt jedoch oft langwierig.

Auch Medien tragen Verantwortung: Viele Redaktionen haben inzwischen Leitlinien, den Deadname von Personen nicht zu veröffentlichen – auch wenn er „recherchierbar“ ist. Die Veröffentlichung ist nicht nur ein journalistisches Qualitätsproblem, sondern kann Betroffene direkt gefährden, etwa wenn sie im familiären Umfeld noch nicht geoutet sind.

Quelle: Russell, S. T., et al. (2018). Chosen name use is linked to reduced depressive symptoms, suicidal ideation, and suicidal behavior among transgender youth. Journal of Adolescent Health, 63(4), 503–505.


Verwandte Begriffe: Misgendering · trans* · Coming Out · Passing · Queerfeindlichkeit