Kompakt erklärt
Klimaangst – im Englischen eco-anxiety oder climate anxiety – bezeichnet anhaltende Sorge, Angst oder Trauer angesichts der Klimakrise und des Verlusts biologischer Vielfalt. Sie ist keine psychiatrische Erkrankung, sondern eine verständliche emotionale Reaktion auf eine reale Bedrohung. Das unterscheidet sie von Phobien oder anderen Angststörungen: Die Klimakrise ist kein irrationaler Auslöser.
Klimaangst kann sich unterschiedlich äußern: als diffuse Sorge um die Zukunft, als Schuldgefühle beim Konsumieren, als Überwältigung angesichts der Komplexität des Problems oder als Trauer über bereits verlorene Ökosysteme – im Englischen auch solastalgia genannt, das Heimweh nach einer veränderten Heimat. Besonders häufig betroffen sind junge Menschen, die mit dem Bewusstsein aufwachsen, eine Welt zu erben, die sie nicht zerstört haben. Klimaangst ist damit auch eine politische Aussage: Sie benennt, wer die Last trägt – und wer Verantwortung tragen sollte.
Für Neugierige
In der Psychologie und Klimaforschung wird Klimaangst inzwischen intensiv untersucht. Eine globale Studie von Hickman et al. (2021) mit 10.000 jungen Menschen in 10 Ländern zeigte: 59 % sind sehr oder extrem besorgt über den Klimawandel, 45 % gaben an, dass Klimaangst ihr Alltagsleben beeinträchtigt.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen adaptiver Klimaangst (die zu Handeln motiviert) und maladaptiver Klimaangst (die lähmt und zu Vermeidung führt). Forschung zeigt, dass kollektives Handeln – z. B. Aktivismus, Community-Engagement oder lokales Engagement – Schutzfaktoren sein können, die Klimaangst in produktive Energie umwandeln. Klimaangst ist also kein Problem, das wegtherapiert werden sollte – sie ist oft ein angemessenes Signal. Die gesellschaftliche Frage ist, wie wir gemeinsam damit umgehen.
Quelle: Hickman et al., „Climate anxiety in children and young people and their beliefs about government responses to climate change“, The Lancet Planetary Health, 2021; Clayton, S., „Climate anxiety: Psychological responses to climate change“, Journal of Anxiety Disorders, 2020.
Verwandte Begriffe: Aktivismus · Klimagerechtigkeit · Ziviler Ungehorsam · Intersektionalität · Klimakrise



