Tierschutz

Pelzindustrie

Pelzindustrie einfach erklärt: wie Pelzfarmen arbeiten, was die EU und Deutschland regeln und wo die Entscheidung über ein Verbot steht.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 15.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Zucht und Tötung von Tieren wie Nerzen, Füchsen, Marderhunden und Chinchillas wegen ihres Fells
Schwerpunkte
Weltweit vor allem China und Europa
Deutschland
Pelztierhaltung nur mit befristeter Erlaubnis, die letzte Farm war im März 2019 leer
EU
Kein eigenes Tierschutzrecht für Pelztiere, Entscheidung über ein Verbot noch offen
Stand
15. Oktober 2026

Einfach erklärt

Die Pelzindustrie züchtet und tötet Tiere wie Nerze, Marderhunde, Füchse oder Chinchillas, um ihr Fell zu verkaufen, meist für Kleidung und Besatz. Nach Angaben von VIER PFOTEN stammen 95 Prozent der weltweit gehandelten Pelze aus Farmen, vor allem in China und Europa. Dort leben die Tiere in Drahtgitterkäfigen und können kaum schwimmen, graben oder klettern, obwohl das zu ihrem arttypischen Verhalten gehört. Tierschutzverbände beschreiben Dauerstress und Verhaltensstörungen. Die Jungtiere werden nach einigen Monaten durch Vergasung oder Elektroschocks getötet.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam 2025 zu dem Ergebnis, dass sich die wichtigsten Tierschutzprobleme in den heutigen Käfigsystemen in der Mehrzahl der Fälle weder verhindern noch wesentlich lindern lassen. In Deutschland ist Pelztierhaltung nur mit einer befristeten Erlaubnis und unter strengen Auflagen möglich. Die letzte Farm stellte 2019 den Betrieb ein. Auf EU-Ebene ist offen, ob die Kommission ein Verbot der Pelzfarmen vorschlägt.

Merke

Ein Haltungsverbot und ein Handelsverbot sind zwei verschiedene Dinge. Die EU verbietet bisher den Handel mit Hunde-, Katzen- und grundsätzlich auch mit Robbenfell, nicht aber mit Pelz von Nerzen, Füchsen oder Marderhunden.


Ausführlich erklärt

Wie Pelzfarmen funktionieren

Das EFSA-Gutachten vom 30. Juli 2025 behandelt fünf Arten: Amerikanischer Nerz, Rotfuchs, Polarfuchs, Marderhund und Chinchilla. Bei allen fand die Behörde dieselben drei Hauptprobleme: eingeschränkte Bewegung, fehlende Möglichkeiten zum Erkunden und Futtersuchen sowie Über- oder Unterforderung der Sinne. Als Ursache nennt das Gutachten die Käfiggröße und die karge Ausstattung. Hinzu kommen artspezifische Probleme wie Hautverletzungen bei Nerzen. Mit „aktuellem System“ meint das Gutachten ausdrücklich Käfighaltung, über andere Haltungsformen lagen kaum Daten vor.

Wie groß die Branche heute ist, hängt von der Quelle ab. Die Europäische Kommission schätzte Ende 2023 etwa 1.000 aktive Pelzfarmen in der EU mit rund 7,7 Millionen Tieren. Die Fur Free Alliance, ein Zusammenschluss von Tierschutzorganisationen, nennt für die EU 4.350 Farmen im Jahr 2018 und 1.088 im Jahr 2023 an. Weltweit sank die Zahl der auf Farmen getöteten Tiere laut Humane World for Animals von rund 140 Millionen im Jahr 2014 auf etwa 20 Millionen im Jahr 2023, ein Rückgang um 85 Prozent. Diese globalen Zahlen sind Schätzungen von Tierschutzverbänden, keine amtliche Statistik.

Pelzfarmen gelten auch als Risiko für die menschliche Gesundheit. Eine Studie in „Science“ untersuchte Ausbrüche von SARS-CoV-2 auf 16 Nerzfarmen. Bei 68 Prozent der getesteten Menschen, die auf den Farmen lebten, arbeiteten oder Kontakt hatten, gab es Hinweise auf eine Infektion, und die Genomdaten sprechen für eine Übertragung vom Tier auf Menschen. Eingeschleppt wurde das Virus zunächst von Menschen. Im Juli 2023 wurde auf 20 finnischen Farmen die Vogelgrippe H5N1 bei Füchsen, Nerzen und Marderhunden bestätigt, mutmaßlich von Wildvögeln eingetragen.

1,5 Mio.gültige Unterstützungsbekundungen für die Bürgerinitiative „Fur Free Europe“ (genau 1.502.319)
ca. 1.000aktive Pelzfarmen in der EU mit rund 7,7 Millionen Tieren, laut Schätzung der Kommission von Ende 2023
Juli 2025veröffentlicht die EFSA ihr Gutachten zum Wohlergehen von Pelztieren

Die Rechtslage in Deutschland

Bis 2017 regelte die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung die Pelztierhaltung. Sie sah seit 2006 stufenweise mehr Platz vor, die letzte Stufe trat im Dezember 2016 in Kraft. Die Bundesregierung stellte 2017 fest, dass die Mehrheit der Halter die Vorgaben seit 2011 nicht einhielt. Sie wählte deshalb den Weg über ein Gesetz.

Seitdem gilt § 3 des Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetzes. Er verbietet die Haltung und Zucht von Pelztieren, erlaubt sie aber mit behördlicher Erlaubnis. Die Erlaubnis ist auf zehn Jahre befristet. Die Anlage zum Gesetz legt Mindestanforderungen fest, zum Beispiel für Nerze mindestens 3 Quadratmeter Grundfläche mit einem Schwimmbecken von mindestens 1 Quadratmeter und 30 Zentimetern Tiefe, für Füchse und Marderhunde mindestens 12 Quadratmeter. Betriebe mit einer älteren Erlaubnis durften vorläufig weitermachen, die Übergangserlaubnis erlosch aber, wenn sie nicht bis zum 5. Juli 2022 eine neue beantragten.

Streng genommen ist die Zucht damit nicht verboten. Die Bundesregierung hielt eine wirtschaftliche Haltung unter diesen Auflagen schon 2017 faktisch für nicht möglich, und VIER PFOTEN sieht das bis heute so. Die Gesetzesbegründung hält ausdrücklich fest, dass eine künftige Pelztierhaltung nicht grundsätzlich ausgeschlossen ist. Im März 2019 stellte das Veterinäramt auf der letzten Farm im nordrhein-westfälischen Rahden fest, dass sich keine Nerze mehr dort befanden. VIER PFOTEN fordert dennoch ein ausdrückliches Verbot.

Was die EU regelt und was offen ist

Die EU kennt bisher kein eigenes Tierschutzrecht für Pelztiere. Für sie gelten nur die allgemeinen Vorschriften zum Schutz landwirtschaftlich gehaltener Tiere. Im Handel verbietet die EU seit 2009 Hunde- und Katzenfell sowie, mit Ausnahmen, Robbenerzeugnisse.

Die Bürgerinitiative „Fur Free Europe“ verlangt ein EU-weites Verbot der Haltung und Tötung von Tieren für die Pelzgewinnung sowie des Verkaufs von Zuchtpelz. Die Kommission registrierte sie am 16. März 2022. Gesammelt wurde bis zum 1. März 2023, im Juni 2023 folgte die Einreichung mit 1.502.319 gültigen (also mehr als 1,5 Millionen) Unterstützungsbekundungen. Am 7. Dezember 2023 antwortete die Kommission nicht mit einem Gesetzesvorschlag, sondern beauftragte die EFSA mit dem Gutachten. Zugleich kündigte sie bis März 2026 eine Entscheidung an, ob sie ein Verbot der Haltung, ein Verbot des Inverkehrbringens von Zuchtpelz oder stattdessen verbindliche Haltungsstandards vorschlägt.

Auf der Seite der Kommission war diese Mitteilung am 15. Oktober 2026 nicht verzeichnet. Nach Medienberichten und Angaben von Tierschutzverbänden ist die Entscheidung verschoben, und es ist offen, ob die Kommission ein Verbot oder strengere Haltungsregeln vorschlägt. Beschlossen ist dagegen schon, dass der Amerikanische Nerz als invasive gebietsfremde Art gelistet wird, per Durchführungsverordnung vom 17. Juli 2025, mit Wirkung ab August 2027.

Mehrere Mitgliedstaaten sind weiter. Die Kommission zählte Ende 2023 siebzehn Mitgliedstaaten mit vollständigem oder teilweisem Verbot. Mit Polen, dem größten Pelzproduzenten Europas, ist laut VIER PFOTEN im Dezember 2025 der 18. EU-Staat hinzugekommen. Dort gilt eine achtjährige Übergangsfrist. Die Schweiz verbietet per Verordnung seit dem 1. Juli 2025 die Einfuhr tierquälerisch erzeugter Pelze mit Übergangsfristen. Laut FOUR PAWS hat das Schweizer Parlament am 2. Oktober 2026 dieses Verbot auch im Gesetz verankert.

Die wissenschaftliche Bewertung liegt seit Juli 2025 vor, die politische Entscheidung steht noch aus.

Kerngedanke

Streitpunkte und Grenzen

Was die Zahlen nicht sagen

Die weltweiten Tierzahlen stammen von Tierschutzverbänden, verlässlichere amtliche Daten gibt es vor allem für die EU. Befürworter eines EU-Verbots verweisen auf EFSA und Gesundheitsrisiken. Mitgliedstaaten mit anderer Haltung halten laut Kommission ein Verbot für unverhältnismäßig, weil es wirtschaftlich schwache, ländliche Gemeinschaften träfe. Pelz aus Wildfang, etwa durch Fallenjagd in Nordamerika, ist ein eigenes Thema und nicht Gegenstand dieses Eintrags.

Die Debatte wird auch ethisch geführt. Aus Sicht der Tierrechte ist die Tötung von Tieren für ein Modeprodukt nicht zu rechtfertigen, unabhängig von den Haltungsbedingungen. Wer von Speziesismus spricht, kritisiert zusätzlich, dass bestimmte Tiere als Rohstoff gelten. Die Pelzzucht ist außerdem ein Beispiel für Massentierhaltung zu einem rein modischen Zweck. Besonders deutlich stellt sich die Frage nach artgerechter Haltung, weil Wildtiere mit großem Aktionsradius in kleinen Käfigen leben.

Quellen: Europäische Kommission: ECI „Fur Free Europe“, Antwort und Folgemaßnahmen (abgerufen 15.10.2026) / Europäische Bürgerinitiative: Fur Free Europe, Einreichung 14.06.2023 mit 1.502.319 Unterstützungsbekundungen / Europäische Kommission (07.12.2023): Questions and Answers on the European Citizens‘ Initiative „Fur Free Europe“ / EFSA (2025): Welfare of American mink, red and Arctic foxes, raccoon dog and chinchilla kept for fur production, Scientific Opinion (Abstract gelesen über Europe PMC) / § 3 und Anlage Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetz (TierErzHaVerbG), Pelztiere / Deutscher Bundestag, Drucksache 18/12085 (25.04.2017): Gesetzentwurf zur Änderung futtermittelrechtlicher und tierschutzrechtlicher Vorschriften / VIER PFOTEN (28.03.2019): Letzte deutsche Pelztierfarm ohne Tiere / VIER PFOTEN: Wird Europa pelzfrei? (Länderübersicht, abgerufen 15.10.2026) / VIER PFOTEN: Die Wahrheit über Pelz / Humane World for Animals: Here’s how 2024 brought us closer to ending the fur trade for good / Fur Free Alliance (30.01.2025): Fur going out of fashion as production hits decades-low / Oude Munnink, B. B. et al. (2021): Transmission of SARS-CoV-2 on mink farms between humans and mink and back to humans. Science / Lindh, E. et al. (2023): Highly pathogenic avian influenza A(H5N1) virus infection on multiple fur farms in Finland, July 2023. Eurosurveillance 28 (31) / FOUR PAWS: Activities and Achievements, Fur (Schweiz, Polen, Fur Free Europe; abgerufen 15.10.2026)


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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