Tierrechte


Kompakt erklärt

Tierrechte bezeichnen die Forderung, dass Tiere grundlegende Rechte haben sollen: das Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit und auf Freiheit von Ausbeutung. Das unterscheidet sich vom klassischen Tierschutz, der Leiden begrenzen, aber die Nutzung von Tieren durch Menschen nicht grundsätzlich infrage stellen will.

Wer Tierrechte fordert, geht davon aus, dass Tiere nicht als Eigentum, Ressource oder Mittel zum Zweck betrachtet werden sollten: nicht für Ernährung, Kleidung, Unterhaltung oder Experimente. Ausgangspunkt ist die Fähigkeit von Tieren, Schmerz, Leid und Wohlbefinden zu empfinden (sogenannte Sentience, also Leidensfähigkeit). Tierrechte sind damit nicht nur eine ethische, sondern auch eine rechtspolitische Forderung: In einigen Ländern gibt es erste juristische Schritte, Tieren eine Art Rechtspersönlichkeit zuzuerkennen.


Für Neugierige

Philosophisch wurde der moderne Tierrechtsdiskurs vor allem durch zwei Werke geprägt. Peter Singers „Animal Liberation“ (1975) begründete einen utilitaristischen Ansatz, der Tierleid und Menschenleid gleich gewichtet und Speziesismus als willkürliche Diskriminierung kritisiert. Tom Regan entwickelte in „The Case for Animal Rights“ (1983) einen rechtebasierten Ansatz: Tiere sind „Subjekte eines Lebens“ und haben deshalb inhärenten Wert, unabhängig von ihrem Nutzen für andere.

In der Rechtswissenschaft gewinnen Konzepte wie „Legal Personhood“ für Tiere an Bedeutung. Gerichte in Argentinien und Indien haben einzelnen Tieren bereits begrenzte Schutzrechte zugesprochen. In Deutschland ist Tierschutz seit 2002 im Grundgesetz verankert, aber nicht als Recht der Tiere, sondern als staatliche Pflicht. Ob Tierrechte und gesellschaftliche Nutzung von Tieren grundsätzlich unvereinbar sind, bleibt das zentrale Streitthema.

Quellen: Singer, „Animal Liberation“, Harper Collins, 1975/2009; Regan, „The Case for Animal Rights“, University of California Press, 1983; Grundgesetz Art. 20a (Tierschutz), 2002.


Verwandte Begriffe: Tierschutz · Speziesismus · Sentience · Antispeziesismus · Veganismus