Tierschutz

Artgerechte Haltung

Artgerechte Haltung einfach erklärt: Was das Tierschutzgesetz verlangt, was die Verordnung festlegt und warum der Begriff nicht definiert ist.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 17.10.2026
Auf einen Blick

Gemeint
Haltung von Tieren, die ihren Bedürfnissen und ihrem arttypischen Verhalten entspricht
Rechtlich
Der Begriff „artgerecht“ ist gesetzlich nicht definiert, das Tierschutzgesetz spricht von „angemessen“, „verhaltensgerecht“ und „artgemäß“
Verbindlich
Mindeststandard aus § 2 Tierschutzgesetz und der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung
Kennzeichnung
Staatliche Tierhaltungskennzeichnung, Pflicht für frisches Schweinefleisch aus Deutschland laut Ministerium ab 1. Januar 2027
Streitpunkt
Ob der gesetzliche Mindeststandard den Bedürfnissen der Tiere gerecht wird

Einfach erklärt

Artgerechte Haltung soll heißen, dass Tiere so gehalten werden, wie es ihren Bedürfnissen und ihrem arttypischen Verhalten entspricht: mit genug Platz, Rückzugsmöglichkeiten, Beschäftigung und einer Gruppengröße, die zu ihrem Sozialverhalten passt. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen beschreibt es so, dass sich artgerechte Tierhaltung an den spezifischen Bedürfnissen, dem natürlichen Verhalten und dem Wohlergehen der Tiere orientiert.

Als Rechtsbegriff ist das Wort jedoch offen. Nach der Verbraucherzentrale sind „Tierwohl“, „tiergerecht“ und „aus artgerechter Haltung“ gesetzlich nicht definiert. Fleischprodukte dürfen mit solchen Hinweisen werben, solange der Hersteller nicht gegen gesetzliche Vorgaben verstößt. Auch im Wortlaut von § 2 des Tierschutzgesetzes kommt „artgerecht“ nicht vor. Verbindlich ist ein Mindeststandard, den das Gesetz und Verordnungen festlegen. Wie dieser Standard im Alltag aussieht, beschreibt der Eintrag zur Massentierhaltung.

Mindeststandard und artgerecht

Rechtlich verbindlich ist der Mindeststandard aus Tierschutzgesetz und Verordnungen. Das Wort „artgerecht“ auf einer Verpackung sagt darüber hinaus nichts Festgelegtes aus.

Ausführlich erklärt

Was das Tierschutzgesetz verlangt

Zweck des Tierschutzgesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen (§ 1). Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Der Staat schützt die Tiere außerdem nach Artikel 20a des Grundgesetzes im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung.

Die Grundpflichten der Tierhaltung stehen in § 2. Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss es seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen. Die Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung darf nicht so eingeschränkt werden, dass dem Tier Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden entstehen. Außerdem braucht die haltende Person die dafür nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten.

Durchgesetzt wird das von den zuständigen Behörden. Sie können nach § 16a Anordnungen treffen, ein erheblich vernachlässigtes Tier fortnehmen und bei wiederholten oder groben Verstößen das Halten von Tieren untersagen. Wer einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt oder es ohne vernünftigen Grund tötet, wird nach § 17 mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.

Was die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung festlegt

Die Verordnung gilt für das Halten von Nutztieren zu Erwerbszwecken (§ 1). Allgemein verlangt sie unter anderem, dass jedes Tier Zugang zu ausreichend Futter und Wasser hat und das Befinden der Tiere mindestens einmal täglich durch direkte Inaugenscheinnahme geprüft wird (§§ 3 und 4). Besondere Abschnitte gibt es nur für Kälber, Legehennen, Masthühner, Schweine und Kaninchen. Für andere Tiere, etwa Rinder über sechs Monate oder Puten, gelten nach der Verordnung nur die allgemeinen Anforderungen. Die hier genannten Werte entsprechen der Fassung auf gesetze-im-internet.de vom 17. Oktober 2026, Übergangsfristen für ältere Anlagen stehen in § 45.

Bei Mastschweinen verlangt § 29 Gruppenhaltung und für jedes Tier mit einem Gewicht von über 50 bis 110 Kilogramm mindestens 0,75 Quadratmeter uneingeschränkt nutzbare Bodenfläche. Mindestens die Hälfte davon muss als Liegebereich zur Verfügung stehen. Jedes Schwein braucht jederzeit Zugang zu organischem und faserreichem Beschäftigungsmaterial wie Stroh (§ 26). Bei Einzelhaltung von Sauen im Kastenstand muss die uneingeschränkt nutzbare Bodenfläche mindestens 220 Zentimeter lang sein, eine frei bewegliche Abferkelbucht mindestens 6,5 Quadratmeter messen (§ 24).

Bei Legehennen gilt je neun Tiere mindestens ein Quadratmeter nutzbare Fläche. Auf mehreren Ebenen dürfen höchstens 18 Hennen je Quadratmeter Stallgrundfläche gehalten werden, und ohne räumliche Trennung höchstens 6.000 Tiere (§ 13a). Der Einstreubereich muss mindestens ein Drittel der begehbaren Stallgrundfläche umfassen, und für höchstens sieben Hennen muss ein Nest vorhanden sein. Bei Masthühnern darf die Besatzdichte 39 Kilogramm je Quadratmeter nicht überschreiten, bei einem Durchschnittsgewicht unter 1.600 Gramm im Durchschnitt dreier Durchgänge höchstens 35 Kilogramm. Vorgeschrieben sind außerdem Einstreu, mindestens 20 Lux Licht und ein Lichtprogramm mit mindestens sechs Stunden ununterbrochener Dunkelheit (§ 19).

0,75 m²Mindestbodenfläche je Mastschwein zwischen 50 und 110 Kilogramm (§ 29 Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung)
39 kg/m²höchste zulässige Besatzdichte bei Masthühnern (§ 19 Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung)
1. Januar 2027Start der Pflichtkennzeichnung für frisches Schweinefleisch aus Deutschland laut Informationsportal des Ministeriums

Bei Kälbern, also Hausrindern bis sechs Monate, müssen die Ställe unter anderem ungehindertes Liegen und Aufstehen erlauben und Seitenbegrenzungen haben, die Sicht- und Berührungskontakt zu anderen Kälbern zulassen (§ 6).

Transport und Schlachtung regelt die Nutztierhaltungsverordnung nicht. Dafür bestehen eigene Verordnungen, die Tierschutztransportverordnung und die Tierschutz-Schlachtverordnung. Eine Werbeaussage zur Haltung betrifft damit nur einen Teil des Tierlebens.

Grenzen dieser Darstellung

Die genannten Werte stammen aus den Rechtstexten selbst. Wie weit sie den Bedürfnissen der Tiere entsprechen, belegt dieser Eintrag nicht, sondern gibt dazu die Einschätzung der Verbraucherzentrale Niedersachsen wieder.

Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung

Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz vom 17. August 2023 ist seit August 2023 in Kraft, seine Pflicht zur Kennzeichnung wurde aber noch nicht wirksam. Nach dem Informationsportal des Ministeriums gilt zunächst eine Übergangsfrist, die bis zum 1. Januar 2027 verlängert wurde, bis dahin ist die Kennzeichnung freiwillig nutzbar. Nach § 40 Absatz 2 dürfen Lebensmittel, die vor diesem Datum in Verkehr gebracht oder gekennzeichnet wurden, bis zum Aufbrauchen der Bestände weiter verkauft werden. Wer nach Beginn der Pflicht nicht kennzeichnet, riskiert ein Bußgeld von bis zu 30.000 Euro (§ 38).

Zunächst gilt sie für frisches Schweinefleisch, das in Deutschland produziert wurde. Lebensmittel aus dem Ausland können freiwillig gekennzeichnet werden. Es gibt fünf Haltungsformen: Stall, Stall+Platz, Frischluftstall, Auslauf/Weide und Bio. Die Stufe „Stall“ entspricht laut Informationsportal der gesetzlichen Mindestanforderung. „Stall+Platz“ bietet mindestens 12,5 Prozent mehr Platz.

Die Kennzeichnung informiert über die Haltungsform, sie ist kein Tierwohllabel. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen merkt an, dass Tiergesundheit, Tierverhalten und Stressmanagement nicht berücksichtigt werden und Lebensabschnitte wie Aufzucht, Transport und Schlachtung außen vor bleiben. Sie sieht die Gefahr, dass Menschen die Kennzeichnung mit einem Tierwohllabel verwechseln. Einen Überblick über die Siegel gibt der Eintrag Tierwohl-Siegel.

Rechtsstand am 17. Oktober 2026: Das Ministerium hat einen Referentenentwurf mit Bearbeitungsstand 17. April 2026 veröffentlicht. Er sieht vor, ausländische Lebensmittel verpflichtend einzubeziehen, die Kennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung und bestimmte verarbeitete Lebensmittel auszuweiten und das sogenannte Downgrading auszudehnen, also die Angabe einer niedrigeren Haltungsform als der tatsächlichen. Das Inkrafttreten ist dort für den 1. Januar 2027 vorgesehen. Ob der Entwurf inzwischen beschlossen wurde, ist hier nicht belegt: Die Gesetzesfassung auf gesetze-im-internet.de trägt den Stand 4. Februar 2026, und die Themenseite des Ministeriums zeigt als jüngste Meldungen zum Thema zwei Interviews vom 17. April 2026.

Bio: ein geregelter Standard

Anders als „artgerecht“ ist „Bio“ rechtlich definiert. Die EU-Verordnung 2018/848 verlangt in Anhang II Teil II, dass die Besatzdichte in Stallgebäuden den Tieren Komfort und Wohlbefinden gewährleistet und natürliches Stehen, bequemes Abliegen, Umdrehen, Putzen sowie alle natürlichen Bewegungen wie Strecken und Flügelschlagen erlaubt (Nummer 1.6.3). Käfige, Boxen und Flat-Deck-Anlagen sind für keine Tierart zulässig (1.6.8). Tiere müssen ständigen Zugang zu Freigelände haben, vorzugsweise zu Weideland, wann immer Witterung, Jahreszeit und Bodenzustand es erlauben (1.7.3). Die Anbindung von Tieren ist grundsätzlich untersagt, mit einer Ausnahme für Rinder in Betrieben mit höchstens 50 Tieren (1.7.5). Mehr dazu steht im Eintrag ökologische Landwirtschaft.

Kritik und offene Fragen

Die Zahlen oben sind Mindestwerte des Rechts, sie sagen nichts darüber, wie es einem einzelnen Tier geht. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen fordert, den gesetzlichen Standard anzuheben und umfassend zu kontrollieren. Aus der Tierethik und dem Speziesismus kommt eine weitergehende Frage: Selbst eine bessere Haltung stellt nicht infrage, dass Tiere zur Nutzung gehalten und getötet werden.

Das Gesetz legt fest, was Tiere mindestens bekommen müssen. „Artgerecht“ ist ein Versprechen, das darüber nichts sagt.

Kerngedanke

Was du tun kannst

  1. Hinweise wie „artgerecht“ oder „tiergerecht“ allein nicht als Nachweis behandeln, sie sind gesetzlich nicht definiert.
  2. Auf die Haltungsform achten, wo sie angegeben ist, zum Beispiel bei der staatlichen Kennzeichnung oder bei Bio.
  3. Bei freiwilligen Programmen die veröffentlichten Kriterien mit dem gesetzlichen Mindeststandard vergleichen, zum Beispiel die Fläche je Tier.

Quellen: Tierschutzgesetz, §§ 1, 2, 16a und 17 / Grundgesetz, Artikel 20a / Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (zuletzt geändert am 29. Januar 2021), §§ 1, 2, 3, 4, 6, 13a, 19, 22, 24, 26, 29, 33 und 45 / Tierschutztransportverordnung (Inhaltsverzeichnis) / Tierschutz-Schlachtverordnung, § 1 / Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (zuletzt geändert am 4. Februar 2026), §§ 1, 38 und 40 / BMLEH: Informationsportal Tierhaltungskennzeichnung (abgerufen am 17. Oktober 2026) / BMLEH: Themenseite Tierhaltungskennzeichnung (abgerufen am 17. Oktober 2026) / BMLEH: Referentenentwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes (Bearbeitungsstand 17. April 2026) / Verordnung (EU) 2018/848 über die ökologische/biologische Produktion, Anhang II Teil II / Verbraucherzentrale Niedersachsen: Tierschutz, Tierwohl und artgerechte Haltung


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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