Kompakt erklärt
Wildtierhandel bezeichnet den Kauf und Verkauf von wild lebenden Tieren, Tierteilen und daraus hergestellten Produkten, sei es legal reguliert oder illegal als Wilderei. Betroffen sind Elefanten wegen ihres Elfenbeins, Nashörner wegen ihres Horns, Schuppentiere wegen ihrer Schuppen für die traditionelle Medizin und unzählige weitere Arten als Exoten-Haustiere, Trophäen oder Statussymbole. Die Dimensionen sind gewaltig: Der WWF beziffert den jährlichen Wert des illegalen Wildtierhandels auf bis zu 20 Milliarden Euro und stuft ihn damit als viertgrößtes illegales Geschäft der Welt ein, nach Drogen-, Produktpiraterie- und Menschenhandel. Allein an Elefanten sterben jedes Jahr rund 20.000 Tiere durch Wilderei. Beim Schuppentier, dem meistgehandelten Säugetier der Welt, waren es zwischen 2000 und 2016 im Schnitt 70.000 Tiere pro Jahr. Wildtierhandel treibt damit nicht nur einzelne Arten in Richtung Ausrottung, er ist eng verknüpft mit organisierter Kriminalität, Korruption und dem weltweiten Verlust an Artenvielfalt.
Für Neugierige
International wird der legale Handel über das CITES-Abkommen (Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten) reguliert. Das 1973 unterzeichnete Abkommen hat inzwischen 185 Vertragsstaaten und schützt mehr als 5.000 Tier- und rund 28.000 Pflanzenarten vor unkontrolliertem Handel, gestaffelt in drei Anhänge mit unterschiedlich strengen Auflagen. Das Problem: Illegaler Handel umgeht diese Regeln systematisch, oft über dieselben Routen wie Drogen- oder Waffenschmuggel. Die Nachfrage entsteht aus sehr unterschiedlichen Motiven, von traditioneller ostasiatischer Medizin wie der Traditionellen Chinesischen Medizin über Jagdtrophäen bis zum exotischen Haustier im westlichen Wohnzimmer. Organisationen wie der WWF setzen deshalb an mehreren Punkten der Kette an: Sie bilden Wildhüter:innen aus, unterstützen Herkunftsnachweise und versuchen, die Nachfrage in Schlüsselmärkten wie China, Vietnam und Thailand zu senken. Wildtierhandel lässt sich also nicht allein an der Grenze stoppen. Er braucht wirksame Gesetze, funktionierende Strafverfolgung und eine Nachfrage, die spürbar zurückgeht, sonst bleibt jede beschlagnahmte Ladung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Quelle: WWF Deutschland: Wilderei und illegaler Artenhandel / Bundesamt für Naturschutz: Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES)
Verwandte Begriffe: Artensterben · Tierrechte · Speziesismus · Wilderei



