Antifaschismus & Demokratie

ACAB (1312)

ACAB steht für All Cops Are Bastards, 1312 ist der Zahlencode. Herkunft, Deutungen und was das Bundesverfassungsgericht 2016 zur Strafbarkeit sagte.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 15.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
„All Cops Are Bastards“, auf Deutsch etwa: Alle Polizistinnen und Polizisten sind Bastarde
Zahlencode
1312, also A (1), C (3), A (1), B (2)
Herkunft
Britische Arbeiter- und Jugendmilieus, Fußball-, Skinhead- und Punkkulturen, ab den 1970er Jahren als Kürzel
Verwendung
Aufkleber, Kleidung, Graffiti, Musik, soziale Netzwerke, besonders am 13.12.
Deutschland
Laut Bundesverfassungsgericht eine Meinungsäußerung, als Beleidigung nur bei Bezug auf eine überschaubare, abgegrenzte Gruppe
Einordnung
Das Zeichen allein sagt nicht, welche Haltung dahintersteht

Einfach erklärt

ACAB ist die Abkürzung für „All Cops Are Bastards“, auf Deutsch etwa: Alle Polizistinnen und Polizisten sind Bastarde. Die Parole stammt aus britischen Arbeiter- und Jugendmilieus und ist seit den 1970er und 1980er Jahren in Punk-, Skinhead- und Fußballkulturen verbreitet. Laut Tagesschau wird sie heute vor allem in linken und linksextremistischen Kreisen verwendet. Die Zahl 1312 ist die verschlüsselte Variante: A ist der erste Buchstabe des Alphabets, C der dritte, A wieder der erste, B der zweite, zusammen also 1-3-1-2.

Befürworterinnen und Befürworter verstehen die Parole laut SozTheo als grundsätzliche Kritik an Polizei, Staat und gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Sie richte sich gegen die Polizei als Institution und nicht gegen einzelne Personen. Kritikerinnen und Kritiker sehen darin eine pauschale Herabwürdigung einer ganzen Berufsgruppe. Das Bundesverfassungsgericht beschreibt die Parole als Ausdruck einer „allgemeinen Ablehnung der Polizei“ und eines „Abgrenzungsbedürfnisses gegenüber der staatlichen Ordnungsmacht“.

Strafbar ist die Verwendung nicht ohne Weiteres. Nach zwei Beschlüssen des Bundesverfassungsgerichts von 2016 ist die öffentliche Kundgabe von „ACAB“ eine Meinungsäußerung. Eine Verurteilung wegen Beleidigung setzt voraus, dass sich die Äußerung auf eine hinreichend überschaubare und abgegrenzte Personengruppe bezieht.

Merke

ACAB ist rechtlich eine Meinungsäußerung. Als Beleidigung gilt sie nur, wenn sie sich erkennbar gegen eine überschaubare, abgegrenzte Gruppe von Polizeikräften richtet, nicht gegen „die Polizei“ im Allgemeinen.

2 von 2Verfassungsbeschwerden gegen ACAB-Verurteilungen hatten am 17. Mai 2016 Erfolg
2 JahreHöchststrafe für eine öffentlich begangene Beleidigung nach § 185 StGB
1981veröffentlichte die Band Slime laut SozTheo einen Song namens A.C.A.B., ein Jahr vor The 4-Skins

Ausführlich erklärt

Herkunft der Parole

Die genaue Entstehung lässt sich nicht eindeutig rekonstruieren. SozTheo zitiert den Sprachwissenschaftler Eric Partridge (1986): In dieser Kurzform sei die Formel kaum älter als 1970, ausgeschrieben aber schon in den 1920er Jahren belegt. Gemeint war ursprünglich „All Coppers Are Bastards“, heute wird die Langform fast ausschließlich als „All Cops Are Bastards“ verstanden. Frühe Verwendungen finden sich laut SozTheo in britischen Arbeiter- und Jugendmilieus, bei Fußballfans, Skinheads und später in der Punkbewegung.

Zur Verbreitung trug die Musik bei. Die deutsche Punkband Slime veröffentlichte 1981 ein Lied mit dem Titel A.C.A.B., ein Jahr vor dem gleichnamigen Song der britischen Oi!-Band The 4-Skins (1982). Über Konzerte, Fanzines, Tonträger und später das Internet verbreitete sich das Kürzel weit über seinen Ursprung hinaus. Jährlich am 13. Dezember (13.12. = 1312) wird der Zahlencode laut SozTheo in sozialen Netzwerken aufgegriffen und ironisch inszeniert, ähnlich wie der „4/20“-Tag in der Cannabiskultur.

Der Zahlencode 1312 im Vergleich

Die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung beschreibt die Zahlen 1312 als Graffiti und Schmierereien im öffentlichen Raum, die anstelle des Buchstabenkürzels auftauchen. Sie ordnet ACAB zusammen mit 161 unter den Codes der linksextremen Szene ein und verortet das Kürzel vor allem im gewaltorientierten Spektrum. Als freie Übersetzung gibt sie „Alle Bullen sind Schweine“ an. Solche Codes würden zudem im Rechtsextremismus verwendet oder, wie ACAB, sogar übernommen. Diese Einordnung ist eine behördennahe Sicht. Sie sagt nichts darüber, wer das Zeichen im Alltag tatsächlich nutzt.

Das Prinzip kennen mehrere Lager. In antifaschistischen Szenen steht 161 Bedeutung für „AFA“, Antifaschistische Aktion, der rechtsextreme Gegencode ist die 1161 Bedeutung für „Anti-Antifa“. Weitere Zeichen der Gegenseite sammelt der Eintrag Antifaschistische Codes. Rechtsextreme Zahlencodes wie 88 Bedeutung, 1488 Bedeutung, 28 Bedeutung und C18 funktionieren nach demselben Alphabetprinzip, transportieren aber völlig andere Botschaften. Der Unterschied zu 161: ACAB richtet sich nicht gegen eine Ideologie, sondern gegen eine staatliche Institution.

Dasselbe Zeichen kann Protest, Provokation oder Szenezugehörigkeit bedeuten, und erst der Zusammenhang zeigt, was gemeint ist.

Kerngedanke

Wofür das Zeichen steht

SozTheo betont, dass ACAB längst nicht mehr nur von politischen Aktivistinnen und Aktivisten genutzt wird. Punks, Fußball-Ultras, Rap-Fans, linke Gruppen oder Jugendliche ohne ausgeprägte politische Überzeugung verwenden dasselbe Zeichen und geben ihm unterschiedliche Bedeutungen. Für die einen steht es für Kritik an Polizeigewalt, institutionellem Rassismus oder staatlicher Kontrolle. Als Bezugspunkte polizeikritischer Bewegungen nennt SozTheo unter anderem den Tod von Benno Ohnesorg (1967), von Oury Jalloh (2005) und von George Floyd (2020). Für andere ist ACAB vor allem Provokation oder ein Zeichen der Szenezugehörigkeit.

Die Gegenposition zeigte sich im Mai 2025 in der Debatte um Jette Nietzard, die Vorsitzende der Grünen Jugend. Sie hatte auf Instagram ein Selfie mit einem ACAB-Sweatshirt gepostet. Laut Tagesschau nannte Parteichef Felix Banaszak ihre Beurteilung der Polizei inakzeptabel, und die Abgeordnete Irene Mihalic, selbst Polizeibeamtin, sagte, es habe sie als Polizistin persönlich tief getroffen. Nietzard räumte in einem Podcast Fehler ein, bekräftigte aber ihre Kritik im Grundsatz.

Rechtslage in Deutschland

Das Strafrecht kennt keinen eigenen Paragrafen für ACAB. In Betracht kommt die Beleidigung nach § 185 Strafgesetzbuch. Sie wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft, bei öffentlicher Begehung mit bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Nach § 194 Absatz 1 wird eine Beleidigung grundsätzlich nur auf Antrag verfolgt.

Das Bundesverfassungsgericht hat die Frage 2016 in zwei Beschlüssen der 3. Kammer des Ersten Senats vom 17. Mai 2016 geklärt (1 BvR 257/14 und 1 BvR 2150/14). Im ersten Fall trug ein Fußballfan im Oktober 2012 eine Hose mit dem Aufdruck „ACAB“ und ging damit an Bereitschaftspolizisten vorbei. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu 100 Tagessätzen zu je 30 Euro. Im zweiten Fall hielten fünf Personen im Oktober 2010 bei einem Fußballspiel in Karlsruhe vier Buchstaben in der Formation „A C A B !“ hoch, nachdem sie Transparente gegen Polizeigewalt bei Stuttgart 21 und für die Abschaffung der Beweis- und Festnahmeeinheiten gezeigt hatten. Das Landgericht verwarnte den Beschwerdeführer mit Strafvorbehalt zu 20 Tagessätzen zu je 30 Euro, das Amtsgericht hatte ihn zuvor freigesprochen.

Das Gericht stellte zunächst fest, dass die Auflösung „all cops are bastards“ allgemein bekannt ist und die Buchstabenfolge deshalb wie der ausgeschriebene Satz behandelt werden darf. Es handle sich um eine Meinungsäußerung, die nicht von vornherein inhaltlos sei. Entscheidend war dann die Kollektivbeleidigung: Je größer die Gruppe, auf die sich eine herabsetzende Äußerung bezieht, desto schwächer kann die persönliche Betroffenheit des einzelnen Mitglieds sein. Dass die im Stadion eingesetzten Polizeikräfte eine Teilgruppe aller Polizistinnen und Polizisten bilden, reicht nicht aus. Nötig ist eine „personalisierende Adressierung“. Das Wissen, dass Polizei im Stadion ist, genügt dafür nicht. Im ersten Verfahren fehlte die Feststellung, dass sich der Fan bewusst in die Nähe der Einsatzkräfte begab, um sie mit der Parole zu konfrontieren.

Im zweiten Verfahren kam ein weiterer Punkt hinzu: Die Gerichte hatten die Aktion als Schmähung gewertet. Das Verfassungsgericht hält den Begriff der Schmähung für eng zu fassen. Er erfasse nur Fälle, in denen nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Diffamierung der Person im Vordergrund steht. Weil unmittelbar zuvor Kritik an Polizeieinsätzen geäußert worden war, durften diese Transparente nicht außer Betracht bleiben. Die Maßstäbe zur Kollektivbeleidigung entnimmt das Gericht einem Grundsatzbeschluss von 1995 (BVerfGE 93, 266), dem Beschluss zu „Soldaten sind Mörder“.

Die Entscheidungen waren Kammerbeschlüsse. Das Gericht hob die Urteile auf und verwies die Sachen an die Oberlandesgerichte München und Karlsruhe zurück. Es hielt ausdrücklich fest, dass diese bei erneuter Befassung zu einer anderen Entscheidung kommen könnten. Schon 2015 hatte dieselbe Kammer eine Verurteilung wegen eines Ansteckers mit „FCK CPS“ aufgehoben und dabei offengelassen, ob ein bewusst kryptisches Kürzel überhaupt wie ein ausgeschriebener Satz zu behandeln ist (1 BvR 1036/14).

Kein Freibrief

Die Beschlüsse sagen nicht, dass ACAB immer straffrei ist. Es kommt auf den Einzelfall an, und das Gericht hielt ausdrücklich fest, dass die Fachgerichte bei erneuter Befassung anders entscheiden könnten. Dieser Eintrag erklärt die Bedeutung des Zeichens und ist keine Rechtsberatung.

Quellen: Bundesverfassungsgericht: Pressemitteilung Nr. 36/2016 vom 24. Juni 2016 / Bundesverfassungsgericht: Beschluss vom 17. Mai 2016, 1 BvR 257/14 / Bundesverfassungsgericht: Beschluss vom 17. Mai 2016, 1 BvR 2150/14 / Bundesverfassungsgericht: Beschluss vom 26. Februar 2015, 1 BvR 1036/14 (FCK CPS) / Bundesverfassungsgericht: Beschluss vom 10. Oktober 1995, 1 BvR 1476/91 u. a. (BVerfGE 93, 266) / § 185 Strafgesetzbuch / § 194 Strafgesetzbuch / SozTheo: ACAB (1312), Bedeutung, Herkunft und Geschichte / Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung: Symbole und Erkennungszeichen der linksextremen Szene / tagesschau.de (26.05.2025): Kritik an Nietzard wegen „ACAB“-Sweatshirt


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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