Klima & Erde

Klimaanpassung vor Ort: Was Städte gegen Hitze tun, und wie du mitmischen kannst

Wie Städte Hitze abmildern, wo es hakt und wen es am härtesten trifft: Zahlen von RKI, UBA und DUH und Fragen für die Beteiligung.

10 Min. Lesezeit6. Juli 2026
Scenic view of wind turbines on grassy hills in Luxembourg under clear blue sky.

Lesezeit: ca. 9 Minuten

Das Wichtigste in Kürze
  • Das Robert Koch-Institut schätzt für den Sommer 2026 rund 16.000 hitzebedingte Sterbefälle, die meisten bei Menschen ab 75 Jahren.
  • Das Bundes-Klimaanpassungsgesetz gilt seit dem 1. Juli 2024. Die Länder bestimmen, wer vor Ort ein Klimaanpassungskonzept aufstellt und ob die Öffentlichkeit beteiligt wird.
  • Nach dem Hitze-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe gingen in 195 Städten zwischen 2018 und 2025 geschätzt mehr als 900.000 Bäume verloren.
  • Hitze trifft ungleich: Menschen mit geringem Einkommen leben häufiger in Gebieten mit mehreren Belastungen gleichzeitig.
  • Du kannst konkrete Fragen an Klimaanpassungskonzepte und Beteiligungsverfahren stellen.

Im Sommer 2026 schätzt das Robert Koch-Institut (RKI) etwa 16.000 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland, ermittelt für die Kalenderwochen 15 bis 37. Rund 9.600 davon fallen auf die extrem heiße Kalenderwoche 26 Ende Juni.[1] Wie hart ein Sommer ausfällt, schwankt allerdings: Für 2025 schätzt das RKI etwa 2.500 hitzebedingte Sterbefälle, der Median der Jahre 2016 bis 2025 liegt bei 2.900.[2]

Wenn du die letzten Sommer in einer Stadt verbracht hast, kennst du das Gefühl: 38 Grad, kein Baum weit und breit, Asphalt, der Hitze zurückwirft, Luft, die zwischen Fassaden steht. Die Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen seit den 1970er-Jahren eine Zunahme von Hitzewellen, und für die Zukunft ist mit weiteren zu rechnen.[3]

Der Begriff, der das politisch rahmt, heißt Klimaanpassung. Er bedeutet etwas anderes als Klimaschutz. Klimaschutz will verhindern, dass es schlimmer wird. Klimaanpassung akzeptiert, dass es bereits schlimmer wird, und fragt: Wie lässt sich damit leben, und für wen?

Seit dem 1. Juli 2024 gibt es dafür ein Bundesgesetz. Das Klimaanpassungsgesetz soll Leben und Gesundheit schützen und ausdrücklich verhindern, dass soziale Ungleichheiten durch die Folgen des Klimawandels zunehmen (§ 1).[4] Das klingt nüchtern. Das ist es auch. Klimaanpassung ist kein optimistisches Projekt. Es ist ein pragmatisches, das anerkennt, was sich nicht mehr aufhalten lässt, und daraus die nächste Frage macht: Wer bekommt Schutz, wer nicht, und warum? Das ist im Kern eine Frage der Klimagerechtigkeit.

Was Kommunen konkret tun können

Auf lokaler Ebene gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die seit Jahren diskutiert werden. Manche sind umgesetzt, viele stocken.

Das bekannteste Konzept ist die Schwammstadt. Statt Regenwasser schnell in die Kanalisation abzuleiten, soll eine Stadt Wasser aufsaugen, speichern und verzögert wieder abgeben: durch Verdunstung, Versickerung oder Wiedernutzung, etwa zur Bewässerung. So nähert sie sich einem natürlichen Wasserkreislauf an. Das Umweltbundesamt (UBA) schreibt, blau-grüne Infrastrukturen und grünere Städte senkten nicht nur den Hitzeinsel-Effekt, sondern wirkten sich auch positiv auf Lebensqualität, Gesundheit und Wohlbefinden aus.[5]

Dazu gehört, Flächen zu entsiegeln. Das UBA verweist auf Studien, nach denen Entsiegelung wichtige Beiträge zur Klimaanpassung leisten kann, besonders in verdichteten Stadtgebieten.[5] Das Bundesgesetz verpflichtet öffentliche Stellen immerhin dazu, darauf hinzuwirken, dass versiegelte Böden, die dauerhaft nicht mehr gebraucht werden, entsiegelt werden, soweit das erforderlich und zumutbar ist (§ 8 Absatz 3).[4] Diese Formulierung lässt viel Spielraum. Was fehlende Entsiegelung bedeutet, steht im Lexikon unter Bodenversiegelung.

Dazu kommen Stadtbäume. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) haben baumlose Grünflächen einen etwa zwei- bis viermal geringeren Kühleffekt als baumbestandene Flächen.[6] Die DUH fordert deshalb die 3-30-300-Regel: Von zuhause aus sollten mindestens drei Bäume zu sehen sein, die Umgebung sollte zu 30 Prozent von Baumkronen beschirmt sein, und die nächste Grünfläche sollte höchstens 300 Meter entfernt liegen.[7]

Auch Orte zum Abkühlen gehören dazu. Der Hitzeschutzplan des Bundesgesundheitsministeriums von 2023 nennt als Beispiel Trinkwasserbrunnen und stellt eine App in Aussicht, die solche Orte anzeigt, getestet zunächst als Pilotprojekt des Landes Berlin.[8]

Das Wissen um diese Maßnahmen ist seit Jahren vorhanden. Die Umsetzung ist ein anderes Problem.

Was blockiert

Die Deutsche Umwelthilfe wertet seit 2024 jährlich Satellitendaten für deutsche Städte mit mehr als 50.000 Einwohner*innen aus. Im Hitze-Check 2026 (195 Städte) gingen zwischen 2018 und 2025 geschätzt mehr als 900.000 Bäume verloren. Nur sieben Städte erreichen die empfohlene Baumüberschirmung von mindestens 30 Prozent, darunter Hamburg, Berlin, Oldenburg, Potsdam und Solingen. In allen untersuchten Städten wuchs die versiegelte Fläche, deshalb vergab die DUH beim Versiegelungstrend keine einzige grüne Karte. Beim Hitzebetroffenheitsindex sank die Zahl der grünen Karten von 28 auf 21.[7]

16.000geschätzte hitzebedingte Sterbefälle im Sommer 2026 (RKI, Kalenderwochen 15 bis 37)
900.000geschätzt verlorene Stadtbäume in 195 Städten, 2018 bis 2025 (DUH)
50 haneue Siedlungs- und Verkehrsfläche pro Tag, Mittel 2021 bis 2024 (UBA)

Der Baumverlust ist eine Hochrechnung aus Satellitendaten und fließt nicht in die Gesamtwertung des Hitze-Checks ein.[9] Dazu kommt der Flächenverbrauch: Die Siedlungs- und Verkehrsfläche wuchs 2021 bis 2024 im Schnitt um 50 Hektar am Tag. Das ist deutlich weniger als 1997 bis 2000 mit 129 Hektar am Tag, aber weit entfernt vom Ziel der Bundesregierung, den Zuwachs bis 2030 auf unter 30 Hektar zu senken. Flächenverbrauch ist dabei nicht dasselbe wie Bodenversiegelung.[10] Zur Siedlungs- und Verkehrsfläche zählen auch Parks und Friedhöfe.[6]

Wie belastbar sind die Zahlen?

Die zentralen Zahlen in diesem Text sind Schätzungen. Die DUH rechnet den Baumverlust aus Satellitendaten hoch: Erfasst werden Flächen, auf denen die Baumkronenbedeckung zwischen 2018 und 2025 um mindestens 40 Prozent abnahm, umgerechnet mit einer durchschnittlichen Kronenfläche von 70 Quadratmetern je Stadtbaum. Neupflanzungen zählen nur, wenn sie den Verlust am selben Standort ausgleichen.

Auch die hitzebedingten Sterbefälle des RKI sind Modellschätzungen mit Unsicherheitsbereich, denn Hitze steht normalerweise nicht als Todesursache auf dem Totenschein. Für 2026 gibt das RKI 16.000 mit einem 95-Prozent-Bereich von 14.400 bis 17.600 an.

Warum bleibt es so oft bei Plänen? Das UBA hat dazu Kommunen befragen und Fallstudien auswerten lassen (Projekt HAP-DE, Befragung im Frühjahr 2020, 116 Antwortende). Damals hatte noch kein Bundesland und nur vier Kommunen beziehungsweise ein Landkreis nach eigenen Angaben einen Hitzeaktionsplan umgesetzt, bei etwa der Hälfte der Antwortenden war einer in Arbeit oder geplant. Als Hürden nennt das UBA, dass Hitzerisiken unterschätzt werden, dass die Zuständigkeiten von Gesundheit über Umwelt und Soziales bis zu Stadtplanung und Bevölkerungsschutz oft nicht abgestimmt sind und dass Geld und Personal fehlen. Viele Kommunen fordern, den Gesundheitsschutz bei Hitze als kommunale Pflichtaufgabe gesetzlich zu verankern.[3] Die Daten sind älter, beschreiben aber die Struktur des Problems.

Der Bund hat seit 2024 einen Rahmen gesetzt, der vieles offenlässt. Die Länder bestimmen, welche Stellen für Gemeinden und Kreise ein Klimaanpassungskonzept aufstellen, sie können kleine Gemeinden ausnehmen, und sie legen fest, ob und wie die Öffentlichkeit beteiligt wird. Das Konzept soll möglichst Maßnahmen für extreme Hitzelagen enthalten und auf einer Klimarisikoanalyse beruhen (§ 12).[4] Was vor Ort gilt, steht deshalb im jeweiligen Landesrecht.

Das UBA bietet Leitfäden und mit der Tatenbank eine Sammlung von Beispielprojekten an.[5] Aber Leitfäden ersetzen kein Geld und keinen politischen Druck.

Warum es nicht für alle gleich ankommt

Selbst die Maßnahmen, die umgesetzt werden, treffen nicht alle gleich.

Das Umweltbundesamt fasst dazu mehrere Studien zusammen. Eine Studie von 2024 zeigt für Deutschland: Haushalte mit geringeren Einkommen leben häufiger in Gebieten, in denen schlechte Luftqualität, Lärm und besonders hohe Lufttemperaturen zusammentreffen. Nach Auswertungen der Umweltstudie GerES V brauchen Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischem Status in Städten mit mehr als 20.000 Einwohner*innen zu Fuß länger bis zur nächsten öffentlichen Grünfläche. Für Berlin weist das Umweltgerechtigkeitsmonitoring darauf hin, dass sozial benachteiligte Quartiere häufiger überdurchschnittlich schlecht mit Freiräumen versorgt sind.[11] Das Lexikon ordnet diese Verteilung unter Umweltgerechtigkeit ein.

Die Studien zeigen den Zusammenhang, nicht die Ursache. Dass er sich ändern lässt, ist eine Frage von Planung und Haushalt: Wo wird entsiegelt, wo gepflanzt, wo zuerst?

Auch gesundheitlich trifft Hitze ungleich. Nach der RKI-Schätzung für 2026 entfielen etwa 8.200 der 16.000 hitzebedingten Sterbefälle auf Menschen ab 85 Jahren und etwa 3.890 auf 75- bis 84-Jährige. Je 100.000 Einwohner*innen sind das 251,9 Sterbefälle bei Menschen ab 85 Jahren und 2,4 bei Menschen unter 65.[1] Als besonders gefährdet beschreibt das RKI Menschen mit eingeschränkter Anpassungsfähigkeit, etwa im Alter, Menschen mit Vorerkrankungen oder bestimmten Medikamenten und Menschen mit erhöhter Hitzebelastung in ihrer Lebenswelt, zum Beispiel durch eine ungünstige Wohnsituation.[2]

Der Hitzeschutzplan des Bundesgesundheitsministeriums nennt als vulnerable Gruppen ausdrücklich Ältere, Kinder, Vorerkrankte, Pflegebedürftige, Alleinlebende, Menschen mit Behinderungen und Obdachlose. Ihr Schutz sei oberstes Ziel der Hitzeprävention.[8] Was das vor Ort bedeutet, hängt an Details. Wer mit ME/CFS, Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) oder Herzerkrankungen lebt, kann nicht einfach „in den Kühlraum gehen“, wenn dieser drei Stockwerke ohne Aufzug entfernt liegt. Trinkwasserstellen müssen in Rollstuhlreichweite sein. Hitzewarnungen per App helfen wenig, wenn jemand nicht mobil genug ist, darauf zu reagieren. Das sind Folgerungen aus der Lage, keine Studienergebnisse. Eine bundesweite Auswertung, wie kommunale Hitzepläne Barrierefreiheit behandeln, wurde für diesen Text nicht gefunden. Ob ein Plan diese Gruppen nur nennt oder konkret berücksichtigt, lässt sich daher nur im einzelnen Plan prüfen.

Merke

Hitze trifft nicht alle gleich. Alter, Einkommen, Wohnlage, Gesundheit und Mobilität entscheiden mit darüber, wie gut jemand durch einen heißen Sommer kommt. Gute Klimaanpassung fragt deshalb nicht nur, wie viele Bäume gepflanzt werden, sondern auch wo und für wen.

Was sich politisch bewegt

Die DUH fordert vom Bund einen Hitzeschutz-Masterplan mit verbindlichen Standards für Stadtgrün.[7] Dass Druck von unten wirken kann, zeigt Berlin: Nach Angaben der Initiative BaumEntscheid beschloss das Abgeordnetenhaus am 3. November 2025 das von ihr entwickelte BäumePlus-Gesetz ohne Gegenstimmen. Die Initiative nennt es das deutschlandweit erste Klimaanpassungsgesetz. Die Initiative betont selbst, dass ein beschlossenes Gesetz noch nicht umgesetzt ist.[12]

Was du konkret tun kannst

Hier folgt keine Liste mit Einzeltipps, weil Klimaanpassung keine persönliche Verantwortung ist. Aber es gibt Hebel.

Ob und wie die Öffentlichkeit beteiligt wird, regelt dein Bundesland (§ 12 Absatz 4).[4] Du kannst beim Stadtplanungs- oder Umweltamt nachfragen, ob es ein Klimaanpassungskonzept gibt, auf welcher Klimarisikoanalyse es beruht und wann Bürgerbeteiligung stattfindet. Dort kannst du konkrete Fragen stellen.

Was dabei funktioniert: präzise Fragen, keine allgemeinen Appelle. „Hat dieser Plan einen Abschnitt zu vulnerablen Gruppen?“ ist wirksamer als „Bitte tut mehr“. „Wie viele barrierefreie Kühlorte sind geplant, und wo genau?“ kommt weiter als „Denkt an Menschen mit Behinderung.“ Auch Zahlen helfen: Wie hoch ist die Baumüberschirmung in deinem Viertel im Vergleich zur ganzen Stadt, und wie weit ist die nächste Grünfläche? Die 3-30-300-Regel der DUH liefert dafür einen Maßstab, den die Stadt nicht übernehmen muss, den du aber benennen kannst.[7]

Wenn in deinem Viertel eine Entsiegelungsmaßnahme oder Begrünung geplant ist, gibt es meist eine Beteiligungsrunde. Dort tauchen oft Menschen auf, die einen Parkplatz behalten wollen. Wer andere Interessen sichtbar macht, fällt auf. Die DUH ruft zudem dazu auf, fällungsbedrohte Bäume zu melden, und sammelt Unterschriften für den Erhalt schattenspendender Bäume.[7]

Klimaanpassung ist keine Verwaltungsaufgabe, die sich von selbst löst, sondern eine politische Frage: Wer gilt als schützenswert, und wessen Schutz kostet die Stadt etwas?

Kerngedanke

Quellen

[1] Robert Koch-Institut: Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, Kalenderwoche 37/2026 (Stand 24.09.2026). rki.de

[2] Robert Koch-Institut: Hitzebedingte Mortalität, Gesundheitsberichterstattung (Stand 15.07.2026). gbe.rki.de

[3] Umweltbundesamt (26.05.2023): Hitzeaktionspläne, Status quo, Barrieren und Erfolgsfaktoren. umweltbundesamt.de

[4] Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG), § 1, § 8, § 12 und § 14. gesetze-im-internet.de

[5] Umweltbundesamt: Schwammstadt, Zukunftskonzept für klimaresiliente und lebenswerte Städte (Stand 03.07.2024). umweltbundesamt.de

[6] Deutsche Umwelthilfe (30.07.2024): Zu viel Grau, zu wenig Grün, erster Hitze-Check. duh.de

[7] Deutsche Umwelthilfe (09.06.2026): Hitze-Check 2026, fast eine Million Bäume aus deutschen Städten verschwunden. duh.de

[8] Bundesministerium für Gesundheit: Hitzeschutzplan für Gesundheit (Stand 27.07.2023). bundesgesundheitsministerium.de (PDF)

[9] Deutsche Umwelthilfe: FAQ Hitze-Check 2026, Methodik (Stand Mai 2026). duh.de (PDF)

[10] Umweltbundesamt: Siedlungs- und Verkehrsfläche (Stand 25.02.2026). umweltbundesamt.de

[11] Umweltbundesamt: Umwelt, Gesundheit und soziale Lage (Stand 23.06.2025). umweltbundesamt.de

[12] BaumEntscheid Berlin (03.11.2025): Mit dem 3.11.25 ist der Baumentscheid Gesetz in Berlin (Pressemitteilung der Initiative). baumentscheid.de

Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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