Misgendering


Kompakt erklärt

Misgendering bezeichnet die fehlerhafte oder absichtliche Verwendung einer falschen Geschlechtsbezeichnung für eine Person: das falsche Pronomen, der falsche Name oder eine falsche Anrede. Betroffen sind vor allem trans* und nicht-binäre Personen, wenn ihr Geschlecht nicht anerkannt oder ignoriert wird.

Versehentliches Misgendering entsteht aus Unkenntnis oder Gewohnheit. Absichtliches Misgendering ist eine Form von Diskriminierung. Der Unterschied liegt in der Reaktion: Wer sich nach einem Fehler aufrichtig korrigiert, zeigt Respekt. Wer das Anliegen grundsätzlich ablehnt, tut es nicht.

Beispiel: Eine trans Frau wird trotz mitgeteilter Pronomen konsequent mit „er“ angesprochen. Oder eine nicht-binäre Person erhält die Anrede „Herr“ oder „Frau“, obwohl sie neutrale Pronomen und die Anrede „Mx.“ (geschlechtsneutrale Alternative zu Herr/Frau) nutzt. Beides ist keine Kleinigkeit: Es ist die Verweigerung grundlegender Anerkennung.


Für Neugierige

Die psychologischen Auswirkungen von Misgendering sind gut belegt. Russell et al. (2018, Journal of Adolescent Health) zeigten, dass trans* Jugendliche, die in ihrem Umfeld mit korrekten Namen und Pronomen angesprochen wurden, signifikant niedrigere Depressionswerte und geringeres Suizidrisiko aufwiesen. Die korrekte Ansprache ist also keine Frage der Höflichkeit, sondern der physischen und psychischen Gesundheit.

Deadnaming – die Verwendung des früheren, nicht mehr genutzten Namens einer trans Person – ist eine eng verwandte Form der Missachtung. Beide erzeugen einen Alltag, in dem trans Personen konstant mit der Negation ihrer Identität konfrontiert sind.

Rechtlich hat sich in Deutschland einiges bewegt: Das Bundesverfassungsgericht erkannte 2017 geschlechtliche Vielfalt jenseits binärer Kategorien an. Das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG, 2024) stärkt das Recht auf Selbstidentifikation weiter. Hartnäckiges Misgendering entgegen einer ausdrücklich mitgeteilten Geschlechtsidentität kann in Arbeitsverhältnissen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) diskriminierungsrechtlich relevant sein.

Quellen: Russell, S. T. et al. (2018). Chosen Name Use Is Linked to Reduced Depressive Symptoms, Suicidal Ideation, and Suicidal Behavior Among Transgender Youth. Journal of Adolescent Health, 63(4), 503–505. | BVerfG (2017). Beschluss vom 10. Oktober 2017, Az. 1 BvR 2019/16.


Verwandte Begriffe: Deadnaming · Pronomen · Transfeindlichkeit · Genderidentität · Nichtbinär