Solidarische Landwirtschaft


Einfach erklärt

Solidarische Landwirtschaft (kurz: SoLaWi) ist ein Modell, bei dem eine Gruppe von Menschen einen landwirtschaftlichen Betrieb gemeinschaftlich trägt. Mitglieder zahlen im Voraus regelmäßige Beiträge und erhalten dafür einen Anteil an der Ernte, unabhängig davon, ob das Jahr ertragsreich oder schwierig war.

Das Prinzip ist Risikoteilung: Nicht die Bäuerin oder der Bauer trägt allein das wirtschaftliche Risiko von Wetter, Krankheiten oder Marktschwankungen, sondern die gesamte Gemeinschaft. Das befreit Betriebe vom Preisdruck der konventionellen Landwirtschaft und ermöglicht ökologisches Wirtschaften ohne den Zwang, immer billiger zu produzieren.

Wer Mitglied einer SoLaWi ist, weiß, woher das Essen kommt und wer es anbaut, und hilft oft auch selbst mit. Das schafft Verbindung zwischen Stadt und Land, zwischen Konsumierenden und Produzierenden.


Ausführlich erklärt

Die Idee geht auf das japanische Konzept „Teikei“ (wörtlich: Partnerschaft) der 1970er Jahre zurück und wurde in den 1980ern in den USA und Europa als Community Supported Agriculture (CSA, deutsch: gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft) weiterentwickelt. In Deutschland gibt es heute über 400 aktive SoLaWi-Betriebe, dokumentiert vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL).

SoLaWi ist eng mit dem Konzept der Ernährungssouveränität verbunden: dem Recht von Gemeinschaften, ihre Ernährungssysteme demokratisch zu gestalten. Die Bewegung steht im Gegensatz zur agroindustriellen Massentierhaltung und zu globalen Lieferketten, die auf Externalisierung von ökologischen und sozialen Kosten beruhen.

Kritisch diskutiert wird, dass SoLaWi in seiner derzeitigen Form oft schwer zugänglich ist: sowohl finanziell als auch zeitlich. Solidarische Beitragsmodelle (mehr zahlen, wer mehr kann) versuchen, diese Barriere zu adressieren. SoLaWi verändert nicht nur, was wir essen: es verändert, wie wir über Verantwortung, Gemeinschaft und Ressourcen nachdenken.

Quellen: SoLaWi-Netzwerk Deutschland / FiBL (2022): Solidarische Landwirtschaft in Deutschland / La Via Campesina (2023): Ernährungssouveränität


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