Masking (Neurodivergenz)


Einfach erklärt

Masking (auch: Camouflaging) bezeichnet das bewusste oder unbewusste Verbergen neurodivergenter Verhaltensweisen, um als neurotypisch zu gelten. Neurodivergent bedeutet: das Gehirn funktioniert auf eine Art, die von der gesellschaftlich gesetzten Norm abweicht. Dazu gehören unter anderem Autismus und ADHS.

Wer masked, passt sein Verhalten an neurotypische Erwartungen an: unterdrückt repetitive Bewegungen zur Selbstregulation (Stimming), übt Blickkontakt, ahmt Mimik nach, überspielt soziale Unsicherheiten, trainiert Smalltalk. Masking umfasst drei Ebenen: das Verbergen von Eigenschaften (Masking im engeren Sinn), aktive Kompensationsstrategien (Compensation) und der Versuch, sich anzupassen (Assimilation).

Kurzfristig kann Masking soziale Teilhabe erleichtern. Langfristig ist die Belastung hoch: chronische Erschöpfung, Identitätskonflikt, autistischer Burnout (ein Zustand extremer Erschöpfung durch anhaltende Überanpassung) und erhöhte Raten von Angststörungen und Depression. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Masking ein starker Prädiktor für psychische Belastung ist.


Ausführlich erklärt

Masking ist nicht gleich verteilt. Forschung zeigt, dass Mädchen und Frauen mit Autismus oder ADHS häufiger und intensiver camouflieren als Jungen und Männer. Das hat konkrete Folgen: Diagnosen werden bei weiblich gelesenen Personen systematisch später gestellt oder übersehen, weil das Camouflaging die typischen Merkmale verdeckt. Die Diagnosegeschichte von Autismus und ADHS war lange auf männliche Ausprägungen ausgerichtet.

McLatchie et al. (2024) fanden in einer Studie mit 119 Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren, dass Assimilation (der Wunsch, sich einzufügen und dazuzugehören) bereits in dieser Altersgruppe mit messbarer psychischer Belastung verbunden ist.

Masking entsteht nicht aus freier Wahl, sondern aus dem Druck einer Umgebung, die Neurodivergenz nicht toleriert. Die Lösung ist nicht, neurodivergente Menschen besser im Masken zu schulen. Die Lösung ist, Umgebungen zu schaffen, in denen es nicht nötig ist.

Quellen: McLatchie et al. (2024): Camouflaging in neurodivergent and neurotypical girls at the transition to adolescence. PLOS ONE, PMC11669776.


Mehr zu den konkreten Folgen von Masking im Alltag: Was Masking wirklich kostet.


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  • Neurodivergenz: der Oberbegriff, unter den Masking als Phänomen fällt
  • Autismus: eine der Ausprägungen, bei denen Masking besonders häufig auftritt
  • ADHS: eine weitere neurodivergente Ausprägung, bei der Masking eine späte Diagnose begünstigt
  • ME/CFS: eine Erkrankung, bei der Überanpassung an Belastungsgrenzen ähnlich hohe Kosten hat
  • Unsichtbare Behinderung: die Kategorie, die Masking zusätzlich erschwert, weil die zugrunde liegende Neurodivergenz oft unsichtbar bleibt



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