Geschichtsrevisionismus


Kompakt erklärt

Geschichtsrevisionismus bezeichnet Versuche, wissenschaftlich anerkannte historische Fakten zu leugnen, zu verharmlosen oder bewusst umzudeuten, meist mit dem Ziel, belastende Kapitel der Geschichte in einem günstigeren Licht erscheinen zu lassen. Im rechtsextremen Kontext richtet sich Geschichtsrevisionismus vor allem gegen die historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus (NS): Täter werden als Opfer dargestellt und Opfer als Täter, NS-Verbrechen werden kleingeredet oder wie im Fall der Holocaustleugnung komplett bestritten. Ein konkretes Beispiel: Nach dem Zweiten Weltkrieg kursierte der sogenannte Rheinwiesenlager-Mythos, der die Zahl der in US-Gefangenschaft gestorbenen deutschen Soldaten auf mehrere Millionen übertrieb, tatsächlich starben laut historischer Forschung zwischen 8.000 und 40.000 Menschen. Bei aller Wucht solcher Beispiele lohnt sich eine klare Abgrenzung: Geschichtsrevisionismus hat nichts mit der ganz normalen wissenschaftlichen Revision zu tun, bei der Historiker*innen ihre Einschätzungen aufgrund neuer Quellen oder Methoden anpassen, das ist ein legitimer und notwendiger Teil von Wissenschaft.


Für Neugierige

Der Historiker Jens-Christian Wagner unterscheidet für die bpb mehrere Strategien dieses rechtsextremen Geschichtsrevisionismus: die Täter-Opfer-Umkehr, die Legendenbildung um angebliche alliierte Kriegsverbrechen, etwa den oben genannten Rheinwiesenlager-Mythos, sowie eine Pseudowissenschaftlichkeit, die wissenschaftliche Methoden imitiert. Bekannte Beispiele sind David L. Hoggans Buch „Der erzwungene Krieg“ von 1961 sowie spätere Holocaustleugnungen wie der sogenannte „Leuchter-Report“, der die Existenz der Gaskammern in Auschwitz bestreiten sollte: Ein kanadisches Gericht wies ihn 1988 als Beweismittel zurück, weil sein Verfasser fachlich unqualifiziert war, und Fachleute widerlegten seine Methodik in der Folge wiederholt. Historisch wird bei diesen Umdeutungen oft übersehen, dass der Nationalsozialismus neben der systematischen Ermordung jüdischer Menschen auch Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung und homosexuelle Menschen verfolgte. Die gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung dieser Opfergruppen erfolgte erst Jahrzehnte nach Kriegsende: Der Völkermord an Sinti und Roma wurde von der Bundesrepublik erst 1982 offiziell anerkannt, die strafrechtliche Rehabilitierung der nach 1945 wegen Homosexualität verurteilten Männer erfolgte sogar erst 2017. Verfolgungsgeschichten, deren öffentliche Sichtbarkeit historisch langsamer gewachsen ist als die Erinnerung an die Shoah, sind durch genau jene Form von Geschichtsrevisionismus zusätzlich gefährdet, die Erinnerung selektiv verengt statt sie vollständig zu bewahren.

Quelle: bpb.de (2026): Rechtsextremer Geschichtsrevisionismus (Jens-Christian Wagner)


Verwandte Begriffe: Erinnerungskultur · Rechtsextremismus · Antisemitismus · Holocaustleugnung · Antifaschismus




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