Fibromyalgie


Kompakt erklärt

Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die sich durch weit verbreitete Schmerzen im Bewegungsapparat auszeichnet: in Muskeln, Sehnen und Gelenken. Hinzu kommen häufig starke Erschöpfung, Schlafstörungen, kognitive Einschränkungen (oft als „Fibro-Fog“ bezeichnet) und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen wie Druck, Hitze oder Lärm.

Fibromyalgie ist keine seltene Erkrankung: In Deutschland sind schätzungsweise 2 bis 4 Prozent der Bevölkerung betroffen. Die Erkrankung ist unsichtbar. Betroffene sehen von außen oft gesund aus, kämpfen aber täglich mit starken Schmerzen und dem Unverständnis ihrer Umgebung. Fibromyalgie zählt damit zu den unsichtbaren Behinderungen und ist eng mit Medical Gaslighting verbunden. Viele Betroffene berichten, dass ihre Symptome jahrelang nicht ernst genommen oder als eingebildet abgetan wurden.

Die Erkrankung trifft nicht alle gleich. Frauen, queere Personen und Menschen mit Traumaerfahrungen sind überproportional betroffen. Das sind Gruppen, die in medizinischen Kontexten ohnehin häufiger Gaslighting erleben.


Für Neugierige

Fibromyalgie wurde lange als „Psychosomatose“ abgetan. Heute gilt sie als neurologisch begründetes Schmerzsensibilisierungssyndrom: Das zentrale Nervensystem verarbeitet und verstärkt Schmerzsignale auf eine Weise, die mit anderen Erkrankungen nicht erklärbar ist. Dieses Phänomen wird als zentrale Sensibilisierung bezeichnet (Woolf, 2011, Pain).

Die Diagnose erfolgt klinisch nach den Klassifikationskriterien des American College of Rheumatology (ACR), einer US-amerikanischen Fachgesellschaft für Rheumatologie, aus dem Jahr 2010. Einen spezifischen Bluttest oder bildgebenden Befund gibt es nicht. Gerade diese fehlende Messbarkeit führt zu Skepsis im medizinischen Betrieb. Dieses strukturelle Problem ist auch für ME/CFS gut dokumentiert.

Die Behandlung ist vielschichtig (englisch: multimodal): Bewegungstherapie, kognitive Verhaltenstherapie und Schmerzmanagement zeigen Wirksamkeit. Pharmakologische Optionen sind begrenzt. Eine anerkannte Heilung gibt es bislang nicht.

Aus intersektionaler Perspektive ist Fibromyalgie damit nicht nur eine medizinische, sondern eine gesellschaftliche Frage: Wessen Schmerz wird ernst genommen, wessen Körper als glaubwürdig eingestuft und wessen nicht?

Quellen: Woolf, C. J. (2011). Central sensitization: Implications for the diagnosis and treatment of pain. Pain, 152(3 Suppl), S2–S15. Wolfe, F. et al. (2010). The American College of Rheumatology Preliminary Diagnostic Criteria for Fibromyalgia. Arthritis Care & Research, 62(5), 600–610.


Verwandte Begriffe: ME/CFS · Unsichtbare Behinderung · Medical Gaslighting · Chronische Erkrankung · Ableismus