Antifaschismus & Demokratie

Tag der Arbeit

Tag der Arbeit einfach erklärt: Ursprung im Kampf um den Achtstundentag, Haymarket 1886, 1933 und der Unterschied zwischen DGB und linken Demos.

10 Min. LesezeitAktualisiert am 17.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Kampftag der Arbeiterbewegung für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen
Ursprung
Kampf um den Achtstundentag in den USA, Haymarket-Massaker in Chicago 1886
International
Seit 1890, nach dem Beschluss des Internationalen Arbeiterkongresses 1889 in Paris
In Deutschland
Gesetzlicher Feiertag, den die Länder regeln
Heute
Kundgebungen des DGB und Demonstrationen linker Gruppen

Einfach erklärt

Der Tag der Arbeit (auch 1. Mai, Maifeiertag oder Kampftag der Arbeiterbewegung) ist der Tag, an dem Gewerkschaften und andere Organisationen der Arbeiterbewegung für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen demonstrieren. Er geht auf den Kampf um den Achtstundentag in den USA im Jahr 1886 zurück, der mit dem Haymarket-Massaker in Chicago endete. Seit 1890 wird er international begangen, nachdem der Internationale Arbeiterkongress 1889 in Paris das Datum beschlossen hatte. Der Achtstundentag gilt heute im Arbeitszeitgesetz: Die werktägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten, mit Ausnahmen. Ein Kampftag ist ein Tag, der nicht der Erholung dient, sondern an eine Auseinandersetzung erinnert und für aktuelle Forderungen genutzt wird.

In Deutschland ist der 1. Mai ein gesetzlicher Feiertag. Feiertage regeln die Länder, in Nordrhein-Westfalen steht der 1. Mai im Feiertagsgesetz. Zwei Traditionen prägen den Tag bis heute: die Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), des Dachverbands der Gewerkschaften, mit Reden, Kulturprogramm und einem Jahresmotto, und die Demonstrationen linker Gruppen, etwa die „Revolutionäre 1. Mai-Demo“ in Berlin-Kreuzberg.

Der Tag war nie unumstritten. Im Kaiserreich drohten Arbeitgeber mit Entlassungen, in der Weimarer Republik spaltete er die Arbeiterbewegung, und 1933 machten ihn die Nationalsozialisten zum Staatsfeiertag, um am Tag darauf die Gewerkschaften zu zerschlagen. Was ein Kampftag ist, wer heute warum demonstriert und wo sich Gewerkschaften und linke Gruppen unterscheiden, erklärt dieser Artikel.


Ausführlich erklärt

Der 1. Mai erinnert an den Kampf um den Achtstundentag

Der Ausgangspunkt liegt in den USA. Dort war der 1. Mai bis Ende des 19. Jahrhunderts der „moving day“, an dem viele Arbeitsverträge endeten oder neu geschlossen wurden. Die Gewerkschaften forderten seit 1865 den Achtstundentag, üblich waren zehn Stunden am Tag, in manchen Betrieben zwölf. Am 1. Mai 1886 streikten laut bpb und DGB rund 400.000 Beschäftigte, in Chicago nach Angaben der Library of Congress etwa 80.000 Personen, nach dem DGB 90.000.

Am 3. Mai ging die Polizei vor den McCormick-Werken in Chicago gegen Streikende vor, laut Library of Congress starben zwei Arbeiter. Zum Protest riefen anarchistische Arbeiterführer für den 4. Mai zu einer Versammlung am Haymarket auf. Sie verlief nach Britannica friedlich, bis die Polizei zum Auseinandergehen aufforderte und eine Bombe geworfen wurde. Wer sie warf, ist bis heute ungeklärt. Die Polizei schoss in die Menge. Die Quellen nennen unterschiedliche Opferzahlen: Britannica zählt 7 getötete Polizisten und 4 bis 8 tote Zivilpersonen, die Library of Congress einen Polizisten, den die Bombe tötete.

Acht Anarchisten wurden wegen Mordes verurteilt, obwohl nach Britannica viele nicht einmal anwesend waren. Vier wurden am 11. November 1887 hingerichtet, einer nahm sich das Leben, drei begnadigte 1893 der Gouverneur von Illinois, John Peter Altgeld, der den Prozess für unfair hielt. Nach der Library of Congress besteht unter Historiker*innen heute Einigkeit, dass die Männer am Bombenwurf nicht beteiligt waren und wegen ihrer politischen Überzeugung und ihres Engagements verurteilt wurden. Mehrere der Angeklagten waren aus Deutschland eingewanderte Anarchisten, und der Fall verstärkte nach Britannica die Stimmung gegen Einwanderer und Arbeiterführer.

Im Juli 1889 kamen in Paris rund 400 Delegierte zum Internationalen Arbeiterkongress zusammen, darunter 82 aus Deutschland. Auf Antrag des Franzosen Lavigne beschloss der Kongress eine große Kundgebung, bei der Arbeiter in allen Ländern und Städten gleichzeitig von den Behörden den Achtstundentag fordern. Als Termin wurde der 1. Mai 1890 festgelegt, weil die amerikanische Federation of Labor ihn im Dezember 1888 bereits beschlossen hatte. Wie die Kundgebung aussieht, sollte jedes Land selbst entscheiden.

Die Resolution nennt Haymarket nicht, doch bpb und Britannica verbinden den Tag mit dem Gedenken daran. Ein Antrag des Franzosen Tressaud, der Kongress solle einen Generalstreik beschließen, wurde mit sehr großer Mehrheit abgelehnt. Wilhelm Liebknecht hielt dem entgegen, dafür fehle eine ausreichend starke Organisation der Arbeiter. Zugleich beschloss der Kongress, die Befreiung der Arbeit müsse vom als Klasse organisierten Proletariat ausgehen. Die Sicht auf die Gesellschaft als Auseinandersetzung zwischen Klassen heißt Klassenkampf. Auch Frauen sprachen auf dem Kongress: Emma Ihrer und Clara Zetkin forderten, Arbeiterinnen zu organisieren. Außerdem verlangte der Kongress ein Verbot der Frauenarbeit in Industriezweigen, die als besonders schädlich für den Organismus der Frauen galten.

In Deutschland war der Tag von Anfang an umstritten

Der Pariser Beschluss fiel in die bis dahin größte Streikwelle im Deutschen Reich. Es galt noch das Sozialistengesetz: Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) war als Organisation verboten. Die SPD beschloss im Oktober 1889, den 1. Mai als Feiertag der Arbeiter zu begehen, ihre Reichstagsfraktion sprach sich aber gegen einen allgemeinen Streik aus. Trotzdem legten am 1. Mai 1890 etwa 100.000 Menschen die Arbeit nieder. Arbeitgeber reagierten mit Aussperrungen, Entlassungen und schwarzen Listen.

400.000Beschäftigte streikten am 1. Mai 1886 laut bpb und DGB für den Achtstundentag
1890wurde der 1. Mai erstmals international begangen, nach dem Pariser Beschluss von 1889
100.000Menschen legten am 1. Mai 1890 in Deutschland die Arbeit nieder

In Hamburg zog sich der Arbeitskampf mit zeitweise 20.000 Beteiligten bis in den Spätsommer. Laut DGB gelang es den Gewerkschaften, die Koalitionsfreiheit zu sichern, also das Recht, sich zusammenzuschließen. Den Neunstundentag setzten sie nicht durch. 1890 gründete sich unter Carl Legien die Generalcommission der Gewerkschaften Deutschlands, ein Vorläufer des DGB.

Der Achtstundentag im Gesetz

Der Achtstundentag kam erst nach dem Ersten Weltkrieg: Der Rat der Volksbeauftragten setzte ihn 1918 durch. Der 1. Mai wurde 1919 von der Nationalversammlung zum gesetzlichen Feiertag erklärt, aber nur für dieses eine Jahr, für eine dauerhafte Regelung fehlte die Mehrheit. Nach dem DGB hatte er nach 1922 nur in Braunschweig, Lübeck, Sachsen und Schaumburg-Lippe Bestand. Heute gilt nach § 3 des Arbeitszeitgesetzes: Die werktägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden nicht überschritten werden.

Die Arbeiterbewegung selbst stritt darüber, wie der Tag zu begehen sei. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) betonte den Kampfcharakter, die SPD eher den Festtag. 1929 verbot der Berliner Polizeipräsident Karl Zörgiebel (SPD) Demonstrationen, die KPD hielt sich nicht daran. Bei Schießereien starben nach dem DGB 28 Menschen, nach der bpb mehr als 30. Der Tag ging als „Blutmai“ in die Geschichte ein.

1933 vereinnahmten die Nationalsozialisten den Tag und zerschlugen einen Tag später die Gewerkschaften

Die NS-Führung wollte die Arbeiterschaft einbinden und die Gewerkschaften entmachten, wie das Deutsche Historische Museum (DHM) schreibt. Sie erklärte den 1. Mai zum gesetzlichen Staatsfeiertag mit voller Lohnfortzahlung und ging damit scheinbar auf eine alte Forderung der Arbeiterbewegung ein. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) hatte sich schon im Februar 1933 zur politischen Neutralität verpflichtet, um zu überleben, und beteiligte sich an den Feiern. Der DGB nennt die Annahme der Gewerkschaftsführungen, als unpolitische Verbände zu überdauern, eine „tragische Fehleinschätzung“.

Am 2. Mai besetzten Mitglieder der Sturmabteilung (SA) und der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation in einer vorbereiteten Aktion Büros, Banken und Redaktionshäuser der Freien Gewerkschaften. Führende Funktionäre kamen in „Schutzhaft“, das Vermögen wurde beschlagnahmt. Viele wurden danach in Konzentrationslager und Gefängnisse gebracht. Bis Ende Juni 1933 wurden auch die übrigen großen Richtungsgewerkschaften zwangsweise in die Deutsche Arbeitsfront eingegliedert.

Ab 1934 hieß der Tag „Nationaler Feiertag des deutschen Volkes“, ohne jeden Bezug zur Arbeit. Hitler pflanzte 1933 auf dem Tempelhofer Feld in Berlin eine Eiche, die Unbekannte knapp vier Wochen später fällten. Nach dem DGB gelang den Nationalsozialisten die Übernahme des alten Feiertags nie vollständig, denn der 1. Mai blieb Anlass für Aktionen von Oppositionellen. Der Alliierte Kontrollrat bestätigte den Tag im April 1946 als Feiertag. In der DDR wurde er ein staatlich verordnetes Ritual, seit 1956 mit Militärparade.

Heute stehen gewerkschaftliche Kundgebungen neben linken Demonstrationen

Seit der Gründung des DGB im Jahr 1949 beschließt der DGB-Bundesvorstand die zentralen Forderungen und das Mai-Motto. Seit 1951 gehört ein Kulturprogramm zu den Kundgebungen. Das Motto 2026 lautet „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“. Der DGB beschreibt Arbeitsplätze unter Druck, verlagerte Standorte und eine infrage gestellte soziale Sicherheit und ruft dazu auf, dagegen auf die Straße zu gehen.

Daneben stehen die Demonstrationen linker Gruppen. Nach der bpb etablierten sich in den 1980er Jahren, ausgehend von Berlin und Hamburg, gewaltsame Maikrawalle einer radikalisierten autonomen Szene. Correctiv führt die „Revolutionäre 1. Mai-Demo“ auf das Jahr 1987 zurück, als in Kreuzberg randaliert wurde. Später nutzten linke und linksradikale Gruppen sie für grundlegenden Protest gegen Kapitalismus und Militarismus. In manchen Jahren kamen rund 20.000 Teilnehmende, die meisten protestierten friedlich, aus dem „schwarzen Block“ flogen aber Flaschen und Steine auf Polizeikräfte. Es gab auch Verdachtsfälle ungerechtfertigter Polizeigewalt, zuletzt blieb es weitgehend friedlich.

Der Aufruf für 2026 nennt Themen wie Wehrpflicht, Femizide, Nationalismus und Klimakatastrophe. Der Berliner Verfassungsschutz schreibt im Bericht 2024, Autonome spielten bei der Demonstration seit einigen Jahren nur noch eine untergeordnete Rolle. Das ist eine Behördeneinschätzung. Die Senatsverwaltung für Inneres sah in der Vergangenheit in Aufrufen zumindest teilweise einen aggressiven Duktus.

Zusammengefasst: Gewerkschaftliche Kundgebungen tragen konkrete Forderungen zu Arbeit und sozialer Sicherheit vor, die der DGB im Mai-Motto bündelt. Linke Demonstrationen formulieren breitere Kritik an der Wirtschaftsordnung.

Der Feiertag selbst hat einen eigenen Auftrag. Das Feiertagsgesetz Nordrhein-Westfalen nennt den 1. Mai einen „Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde“. In den USA, wo die Ereignisse ihren Ausgang nahmen, liegt der Labor Day im September.

Der 1. Mai ist kein geschenkter Feiertag, sondern ein erstrittener Tag, und er bleibt ein Kampftag, solange Arbeitszeit, Lohn und soziale Sicherheit ausgehandelt werden müssen.

Kerngedanke

Quelle: bpb (2015): Der Tag der Arbeit / DGB: Tag der Arbeit, Geschichte des 1. Mai / DHM (LeMO): Der 1. Mai, Tag der nationalen Arbeit / DHM (LeMO): Die Zerschlagung der Gewerkschaften 1933 / Protokoll des Internationalen Arbeiter-Congresses in Paris (1889), Samstag Abend / Gewerkschaftsgeschichte.de: Der Internationale Arbeiterkongress in Paris 1889 / Encyclopaedia Britannica: Haymarket Affair / Library of Congress (2016): The Haymarket Handbills, Paper as Dynamite / Arbeitszeitgesetz, § 3 / Land NRW (2019): Presseinformation zum Maifeiertag / Correctiv (2026): Linke Szene mobilisiert für die Revolutionäre 1. Mai-Demo / Verfassungsschutz Berlin (2024): Bericht 2024, Pressefassung, S. 64


Wie Beschäftigte in der Textilindustrie heute um Mindestlöhne protestieren und welchen Gefahren sie dabei ausgesetzt sind, beschreibt der Artikel Billige Mode, echter Preis: Was Fast Fashion wirklich kostet.

Der Demo-Kalender führt Demonstrationen und Kundgebungen mit Datum, Uhrzeit und Treffpunkt. Die Kundgebungen der Gewerkschaften zum 1. Mai verzeichnet der DGB auf seiner Seite zum 1. Mai.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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