Tierschutz & Veganismus

Meeresschildkröten erholen sich: Eine Erfolgsgeschichte mitten in der Plastikkrise

Die Grüne Meeresschildkröte gilt seit 2025 als nicht mehr gefährdet. Was die Erholung möglich machte und welche Gefahren für Meeresschildkröten bleiben.

9 Min. Lesezeit13. September 2026
underwater shot of a turtle swimming over a coral reef

Die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) gilt seit Oktober 2025 weltweit als nicht mehr gefährdet. Bei der Aktualisierung der Roten Liste am 10. Oktober 2025 stufte die Weltnaturschutzunion IUCN sie von „Endangered“ (stark gefährdet) auf „Least Concern“ (nicht gefährdet) zurück.[1] Zuvor stand die Art laut dem Programm State of the World’s Sea Turtles seit 1982 in der Kategorie Endangered.[2]

Das ist ein echter Erfolg, aber keine Entwarnung für Meeresschildkröten insgesamt. Dieser Artikel ordnet ein, was hinter der Neueinstufung steckt, was die Erholung möglich gemacht hat und welche Gefahren bleiben, von Plastik über Fischereigerät bis zur Klimakrise. Am Ende stehen Schritte, die du selbst gehen kannst.

Transparenz-Hinweis: Die Einstufung und die Bestandszahlen stammen aus Mitteilungen der IUCN, die Angaben zu Plastik, Fischerei und Klima aus Fachveröffentlichungen. Daneben kommen Umweltorganisationen wie WWF, Deutsche Stiftung Meeresschutz und OceanCare zu Wort, die sich selbst für den Meeresschutz einsetzen. Ihre Aussagen sind im Text als solche benannt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Grüne Meeresschildkröte gilt seit dem 10. Oktober 2025 weltweit als nicht mehr gefährdet, nach Jahrzehnten in der Kategorie Endangered.
  • Der weltweite Bestand wuchs seit den 1970er Jahren um etwa 28 Prozent, bleibt aber deutlich kleiner als vor der massenhaften Jagd.
  • Fünf von sieben Arten gelten weiterhin als bedroht. Plastik, Fanggeräte und die Erwärmung der Nistplätze gefährden Meeresschildkröten weiter.

Was die Neueinstufung bedeutet

Die IUCN begründet den Schritt mit dem weltweiten Bestand: Er ist seit den 1970er Jahren um etwa 28 Prozent gewachsen, obwohl einzelne Teilpopulationen weiter bedroht sind.[1] Der WWF spricht von fast einem Drittel.[3] Die Zahl gilt für die Art insgesamt und nicht für jede Region.

28 %Zunahme des weltweiten Bestands seit den 1970er Jahren (IUCN)
1982Jahr, seit dem die Art als Endangered geführt wurde
14verschluckte Plastikteile, ab denen das Sterberisiko in einer Studie bei 50 Prozent lag

Wichtig ist die Einordnung der IUCN selbst: Grüne Meeresschildkröten sind weiterhin deutlich seltener als vor der europäischen Kolonisierung und der massenhaften, nicht nachhaltigen Nutzung und dem Handel.[1] Ein Plus von 28 Prozent gleicht also den Verlust früherer Jahrhunderte nicht aus.

Was die Erholung möglich gemacht hat

Nach Angaben der IUCN stehen am Anfang jahrzehntelange Maßnahmen: der Schutz nistender Weibchen und ihrer Eier an den Stränden, Programme mit den Küstengemeinden gegen nicht nachhaltige Entnahme von Tieren und Eiern, die Eindämmung des Handels und Turtle Excluder Devices, also Vorrichtungen in Fangnetzen, die den zufälligen Fang von Schildkröten verringern.[1] Besonders erfolgreich waren die Anstrengungen auf Ascension, in Brasilien, Mexiko und Hawaii. Dort näherten sich einzelne Teilpopulationen wieder dem Niveau vor der kommerziellen Ausbeutung.[1]

Auch der internationale Handel ist geregelt: Die Grüne Meeresschildkröte steht im Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES, der den internationalen Handel mit wild lebenden Tieren verbietet. In den USA nehmen die Nestzahlen in Florida und auf Hawaii seit Jahren zu.[4]

Das Beispiel zeigt auch, wie lange Artenschutz braucht. Grüne Meeresschildkröten werden laut SWOT erst nach 20 bis 40 Jahren geschlechtsreif.[2] Nach Angaben von OceanCare erreicht außerdem nur eine von tausend geschlüpften Meeresschildkröten das Erwachsenenalter.[5] Erfolge wie dieser entstehen deshalb nur, wenn Schutzmaßnahmen über Jahrzehnte bestehen bleiben. Mehr dazu im Lexikon unter Artenschutz.

Fünf von sieben Meeresschildkröten-Arten bleiben bedroht

Die Neueinstufung betrifft eine von sieben Arten. Laut der Marine Turtle Specialist Group der IUCN gelten die Echte Karettschildkröte und die Atlantische Bastardschildkröte weltweit als Critically Endangered, also vom Aussterben bedroht. Unechte Karettschildkröte, Lederschildkröte und Oliv-Bastardschildkröte stehen als Vulnerable (gefährdet) auf der Liste. Für die Wallriffschildkröte reichen die Daten für eine Einstufung nicht aus.[6]

Auch bei der Grünen Meeresschildkröte ist nicht überall Entwarnung. Die Teilpopulation im Zentralen Südpazifik gilt als Endangered, die im Ostpazifik und im Nordindischen Ozean als Vulnerable, die im Mittelmeer und im zentralen Westpazifik als Near Threatened.[6] Im Südwestpazifik liegt mit Raine Island in Australien der größte Nistplatz der Welt. Dort ging die Zahl der geschlüpften Jungtiere über mehrere Jahre zurück, was die IUCN als Anlass zu großer Sorge nennt.[1]

Einordnung

Least Concern gilt für die Art weltweit. Teilpopulationen werden getrennt bewertet, und einige davon gelten weiterhin als bedroht.

Plastik: Gefahr durch Verwechslung

Plastik ist für Meeresschildkröten ein weltweites Problem. Eine Risikoanalyse in der Fachzeitschrift Global Change Biology schätzt, dass bis zu 52 Prozent aller Meeresschildkröten Müll aufgenommen haben könnten. Das Risiko ist bei Jungtieren im offenen Meer am höchsten, unter den Arten trifft es die Oliv-Bastardschildkröte am stärksten.[7] Regional liegen die Werte höher: Die Einleitung einer weiteren Studie nennt 90 Prozent bei jungen Grünen Meeresschildkröten im Südwestatlantik.[8]

Wie gefährlich die Menge ist, zeigt eine australische Studie mit Obduktionen und Strandungsdaten. Sie fand eine Sterbewahrscheinlichkeit von 50 Prozent, sobald ein Tier 14 Plastikteile im Darm hatte. Für ein junges Tier mittlerer Größe (43,5 Zentimeter Panzerlänge) lag dieser Wert bei 17 Teilen, die Wahrscheinlichkeit erreichte 100 Prozent bei 226 Teilen. Auch ein einziges Teil kann tödlich sein: Zwei Tiere der Untersuchung starben an je einem verschluckten Plastikteil.[8]

Merke

Die Schwellenwerte stammen aus einem Modell für Küstenregionen. Das Forschungsteam sieht sie für den offenen Ozean als Obergrenze.

Ein Grund für das Verschlucken ist die Verwechslung mit Nahrung. Die Studie verweist auf Hinweise, dass Plastik, das natürlicher Nahrung ähnelt, häufiger aufgenommen wird.[8] Die US-Behörde NOAA nennt Angelschnur, Luftballons, Plastiktüten, Plastikfragmente und Teer als Dinge, die Grüne Meeresschildkröten für Futter halten können.[4] Junge Tiere fressen weichkörperige Wirbellose wie Quallen, erwachsene dagegen überwiegend Seegras und Algen.[2] Die Deutsche Stiftung Meeresschutz weist darauf hin, dass Quallen fressende Meeresschildkröten Luftballons mit Beute verwechseln und sich zudem in deren Schnüren verfangen können.[9]

Die Grundlagen zu den Stoffen selbst erklärt das Lexikon unter Einwegplastik und Mikroplastik.

Fischerei und Geisternetze

Die NOAA zählt den unbeabsichtigten Fang in Fanggeräten, den Beifang, zu den größten Gefahren für alle Meeresschildkrötenarten.[4] Ein globaler Vergleich wertete mehr als 1.800 Berichte aus über 230 Quellen aus. Die höchsten Beifangraten traten im Ostpazifik, im Nordwest- und Südwestatlantik und im Mittelmeer auf, in diesen Regionen waren auch die meisten Daten vorhanden. Netze und Schleppnetze hatten dabei deutlich höhere Sterblichkeitsraten als Langleinen, und in Afrika, im Indischen Ozean und in Südostasien fehlen Daten weitgehend.[10] Wie die Meere insgesamt unter der Fangmenge leiden, erklärt das Lexikon unter Überfischung.

Eine eigene Gefahr sind Geisternetze, also verlorene oder zurückgelassene Fanggeräte, die weiter fangen. Eine Übersichtsarbeit wertete 76 Veröffentlichungen aus und fand über 5.400 Einzeltiere aus 40 Arten, die in Geisterfanggerät verheddert waren. Darunter sind nicht nur Meeresschildkröten, sondern auch Meeressäuger, andere Reptilien und Haie.[11] OceanCare gibt an, dass jedes Jahr tausende Meeresschildkröten in verlorenen Netzen verenden, nennt dafür aber keine Quelle.[5] Die Deutsche Stiftung Meeresschutz schreibt, dass durch verlorene oder weggeworfene Angelschnüre jedes Jahr Hunderte Meeresschildkröten und andere Tiere sterben.[9]

Gerade bei einer Art, die spät geschlechtsreif wird und von der nur wenige Tiere das Erwachsenenalter erreichen, fehlt jedes erwachsene Tier, das in einem Netz endet, der Population besonders.

Klimakrise: Wärmere Nester, mehr Weibchen

Bei Meeresschildkröten bestimmt die Temperatur im Nest das Geschlecht der Jungtiere: Je wärmer, desto mehr Weibchen.[12] Am Great Barrier Reef zeigte eine Studie von 2018, dass Tiere aus den kühleren südlichen Nistgebieten zu 65 bis 69 Prozent weiblich waren. Bei Tieren aus den wärmeren nördlichen Gebieten waren es 99,1 Prozent der Jungtiere, 99,8 Prozent der Halbwüchsigen und 86,8 Prozent der erwachsenen Tiere. Die nördlichen Nistgebiete bringen demnach seit mehr als zwei Jahrzehnten überwiegend Weibchen hervor, eine vollständige Feminisierung dieser Population halten die Forschenden für möglich.[12]

Die NOAA nennt außerdem steigende Meeresspiegel und Küstenbebauung als Gründe für den Verlust von Nistplätzen.[4] Wie die Klimakrise insgesamt wirkt, steht im Lexikon.

Schutzprojekte, die wirken

Mehrere Organisationen setzen genau dort an. Die Deutsche Stiftung Meeresschutz führt Projekte durch, bei denen Artenschutzhunde auf der Kapverdeninsel Boa Vista Nester der Unechten Karettschildkröte aufspüren, Grüne Meeresschildkröten im Mittelmeer geschützt werden und Lederschildkröten auf der indonesischen Insel Sipora.[9]

OceanCare hat gemeinsam mit Partnern die Sea Turtle Rescue Alliance mitbegründet. Sie organisiert Bergungsaktionen für Geisternetze. Als Mitglied der Global Ghost Gear Initiative setzt sich OceanCare außerdem dafür ein, dass Fischereigerät markiert und den Verantwortlichen zugeordnet werden kann. Ein weltweites Rettungsnetzwerk stattet Fachleute der Tiermedizin mit Wissen und Material aus, um verletzte Meeresschildkröten zu versorgen.[5]

Was du tun kannst

Müll am Strand und im Wasser vermeiden. Nimm Müll mit, beteilige dich an Strandsäuberungen und entsorge Angelschnüre und Haken ordentlich.[9] Mehr zum Alltag ohne Wegwerfprodukte steht unter plastikfrei.

Keine Luftballons steigen lassen. Landen sie im Meer, können sie von Meeresschildkröten mit Beute verwechselt werden. Auch ihre Schnüre sind eine Falle.[9]

Plastik im Alltag reduzieren. Wiederverwendbare Flaschen und Einkaufstaschen helfen, Strände und Meere sauber zu halten.[9]

Im Urlaub Abstand halten. Stör nistende Tiere, Nester und Jungtiere nicht, fahr nicht auf Niststränden und räume abends Sonnenschirme, Stühle und Löcher im Sand weg. Künstliches Licht am Strand desorientiert Jungtiere.[9]

Verletzte Tiere melden. Siehst du eine gestrandete, verletzte oder verhedderte Meeresschildkröte, informiere die Küstenwache oder Fachleute vor Ort, statt selbst einzugreifen.[9]

Fazit: Hoffnung mit Auftrag

Die Grüne Meeresschildkröte zeigt, dass Artenschutz wirkt, aber nur, wenn er über Jahrzehnte bestehen bleibt.

Kerngedanke

Die Neueinstufung ist eine gute Nachricht, die nicht für die ganze Gruppe gilt. Fünf von sieben Arten bleiben bedroht, und Plastik, Beifang, Geisternetze und die Erwärmung der Nistplätze treffen auch die Grüne Meeresschildkröte weiter. Der Erfolg zeigt, welche Wirkung Schutz entfaltet, wenn er konsequent und lange betrieben wird.

Quellen

[1] IUCN (10.10.2025): Arctic seals threatened by climate change, birds decline globally, IUCN Red List (Abschnitt zur Grünen Meeresschildkröte). iucn.org

[2] State of the World’s Sea Turtles (SWOT): Green Turtle (abgerufen im Oktober 2026). seaturtlestatus.org

[3] WWF Deutschland (10.10.2025): Pressestatement zur Aktualisierung der Roten Liste der IUCN. wwf.de

[4] NOAA Fisheries: Green Turtle (abgerufen im Oktober 2026). fisheries.noaa.gov

[5] OceanCare: Meeresschildkröten schützen, Sea Turtle Rescue Alliance (abgerufen im Oktober 2026). oceancare.org

[6] IUCN SSC Marine Turtle Specialist Group: Red List Assessments (abgerufen im Oktober 2026). iucn-mtsg.org

[7] Schuyler, Q. A. et al. (2016): Risk analysis reveals global hotspots for marine debris ingestion by sea turtles. Global Change Biology 22(2), 567-576. doi.org

[8] Wilcox, C. et al. (2018): A quantitative analysis linking sea turtle mortality and plastic debris ingestion. Scientific Reports 8, 12536. doi.org

[9] Deutsche Stiftung Meeresschutz: Meeresschildkröten helfen (abgerufen im Oktober 2026). stiftung-meeresschutz.org

[10] Wallace, B. P. et al. (2013): Impacts of fisheries bycatch on marine turtle populations worldwide. Ecosphere 4(3). doi.org

[11] Stelfox, M., Hudgins, J., Sweet, M. (2016): A review of ghost gear entanglement amongst marine mammals, reptiles and elasmobranchs. Marine Pollution Bulletin 111(1-2), 6-17. doi.org

[12] Jensen, M. P. et al. (2018): Environmental warming and feminization of one of the largest sea turtle populations in the world. Current Biology 28(1), 154-159. doi.org

Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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