Kompakt erklärt
Näherinnen sind das Rückgrat der globalen Modeindustrie: In Bangladesch allein arbeiten 4 bis 5 Millionen Menschen in der Textilbranche, 54 Prozent davon Frauen. Die Branche macht über 84 Prozent der gesamten Exporterlöse des Landes aus, ein enormer wirtschaftlicher Beitrag, der sich in den Löhnen der Näherinnen kaum widerspiegelt.
Der gesetzliche Mindestlohn liegt bei umgerechnet rund 97 Euro im Monat, ein existenzsichernder Lohn wird von Fachorganisationen auf etwa 450 Euro geschätzt, fast das Fünffache. Frauen verdienen zusätzlich im Schnitt 25 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Studie aus dem Jahr 2022 fand, dass 69 Prozent der Beschäftigten keine echte Wahl haben, ob sie Überstunden leisten, aus Angst vor Strafen oder Kündigung.
Für Neugierige
Besonders gravierend ist das Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt: 80 Prozent der befragten Näherinnen gaben an, sexuelle Belästigung oder Gewalt am Arbeitsplatz entweder selbst erlebt oder direkt beobachtet zu haben. Gleichzeitig haben 83 Prozent der Fabriken keine Gewerkschaft, weil Arbeiter*innen, die sich organisieren wollen, häufig mit Drohungen, Strafversetzungen oder Kündigung rechnen müssen.
Diese Kombination aus wirtschaftlicher Abhängigkeit, fehlender gewerkschaftlicher Vertretung und Gewalt macht deutlich, warum internationale Initiativen wie das [Bangladesh-Abkommen (Accord)] zwar Fabrikgebäude sicherer gemacht haben, das grundlegendere Problem niedriger Löhne und fehlender Arbeiter*innenrechte aber bislang kaum gelöst ist. Existenzlohn-Kampagnen fordern deshalb nicht nur sichere Gebäude, sondern Löhne, von denen Näherinnen und ihre Familien tatsächlich leben können.
Quelle: FEMNET e.V.: Im Profil – Bangladeschs Bekleidungsindustrie
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